KI-Tools von Anthropic lösen Kursrutsch bei Software-Aktien aus
Neue KI-Agenten bedrohen traditionelle SaaS-Geschäftsmodelle – Branchenindex verliert 20 Prozent seit Jahresbeginn

Der Softwaresektor erlebt derzeit einen massiven Ausverkauf. Auslöser sind neue KI-Tools des Unternehmens Anthropic, die traditionelle Software-Geschäftsmodelle infrage stellen. Der S&P 500 Software & Services Index stürzte am Donnerstag um über 4 Prozent ab – der achte Verlusttag in Folge. Seit Jahresbeginn summiert sich das Minus auf rund 20 Prozent.
Anthropics KI-Agent "Claude Cowork" kann komplexe professionelle Arbeitsabläufe übernehmen, die bisher Kernprodukte vieler Softwareanbieter waren. Die Tools decken Bereiche von Rechts- und Technologieforschung über Kundenbeziehungsmanagement bis hin zu Analytik ab. Damit greifen sie direkt etablierte Software-as-a-Service-Anbieter an.
Besonders hart traf es die Aktien von Thomson Reuters, Salesforce und LegalZoom im US-Handel. Der Ausverkauf erfasste auch asiatische IT-Konzerne wie Tata Consultancy Services und Infosys. Der breite S&P 500 Software & Services Index mit 140 Mitgliedern spiegelt die Nervosität der Anleger wider.
Experten uneins über langfristige Folgen
Trotz der Marktpanik sind Analysten und Technologieführer geteilter Meinung über die tatsächlichen Auswirkungen der KI-Tools. Während einige von einer fundamentalen Bedrohung für SaaS-Geschäftsmodelle sprechen, sehen andere die Reaktion als übertrieben an. Die Debatte dreht sich um die Frage, ob KI bestehende Software ergänzt oder ersetzt.
Für deutsche Anleger bedeutet die Entwicklung erhöhte Vorsicht bei Software-Investments. Der Sektor steht vor einer möglichen Neuordnung, bei der KI-Agenten zunehmend Aufgaben übernehmen, für die Unternehmen bisher teure Softwarelizenzen zahlen mussten. Die kommenden Quartale werden zeigen, ob die Ängste berechtigt sind oder ob sich neue Geschäftsmodelle etablieren.
