KI-Tools bedrohen Softwareaktien: Experiment zeigt disruptives Potenzial
CNBC-Test repliziert Monday.com-Funktionen in unter einer Stunde mit KI-Codierung für 5-15 Dollar

Softwareaktien geraten unter Druck. In den vergangenen Wochen haben Investoren Anteile von Software-, Rechtsdienstleistungs- und Videospielunternehmen verkauft, aus Sorge vor der disruptiven Kraft neuer KI-Tools. Ein Experiment von CNBC zeigt nun, wie real diese Bedrohung tatsächlich ist.
Zwei Journalisten ohne Programmiererfahrung nutzten das KI-Codierungstool "Claude Code" von Anthropic, um einen Ersatz für Monday.com zu entwickeln – eine Projektmanagement-Plattform mit einer Marktkapitalisierung von 5 Milliarden Dollar. Das Ergebnis: Innerhalb einer Stunde entstand ein funktionierender Prototyp mit wesentlichen Features der Original-Software.
Das sogenannte "Vibe-Coding" ermöglicht es Nutzern, funktionierende Anwendungen durch einfache Befehle in natürlicher Sprache zu erstellen. Die KI recherchierte selbstständig die Hauptfunktionen von Monday.com und bildete diese nach, inklusive mehrerer Projekt-Boards, Teammitglieder-Zuweisungen und Kalender-Integration. Die Kosten für die Rechenleistung beliefen sich auf lediglich 5 bis 15 Dollar.
Welche Unternehmen sind besonders gefährdet?
Insider aus dem Silicon Valley identifizieren vor allem Unternehmen als verwundbar, die "über der eigentlichen Arbeit sitzen". Dazu zählen Atlassian, Adobe, HubSpot, Zendesk und Smartsheet – Tools, die für den Geschäftsbetrieb nicht zwingend erforderlich sind. Diese "Nice-to-have"-Lösungen könnten durch maßgeschneiderte KI-Anwendungen ersetzt werden.
Weniger gefährdet sind laut Experten Cybersicherheitsaktien wie CrowdStrike und Palo Alto Networks. Diese profitieren von Netzwerkeffekten und sind schwerer zu replizieren. Auch "Systems of Record" wie Salesforce, die tief in Unternehmensdaten verankert sind, gelten als robuster gegen KI-Disruption.
Chance für selektive Investoren
Der massive Ausverkauf im Softwaresektor könnte Anlegern eine Gelegenheit bieten, zwischen unverzichtbaren und entbehrlichen Lösungen zu unterscheiden. Mit dem weiteren Ausbau von Rechenzentren dürften die Kosten für KI-Codierung zusätzlich sinken, was den Druck auf anfällige Softwareanbieter erhöhen könnte.
Das Experiment verdeutlicht: Die Bedrohung durch KI-Tools ist real und messbar. Investoren sollten ihr Softwareportfolio kritisch überprüfen und zwischen mission-kritischen Systemen und leicht ersetzbaren Anwendungen differenzieren.
