KI-Recruiting: Eightfold AI wegen Verstoß gegen Verbraucherschutz verklagt
Das KI-Personalunternehmen Eightfold AI steht vor einer wegweisenden Sammelklage in den USA. Zwei Bewerberinnen werfen dem von Microsoft und PayPal genutzten Unternehmen vor, heimlich Kandidatenprofile zu erstellen – ohne Wissen der Betroffenen.

Ein kalifornisches Gericht muss sich mit einer Premiere befassen: Erstmals wird ein KI-gestütztes Recruiting-Unternehmen in den USA wegen Verstoßes gegen den Fair Credit Reporting Act (FCRA) verklagt. Im Zentrum steht Eightfold AI aus Santa Clara, dessen Software von zahlreichen Fortune-500-Konzernen eingesetzt wird.
Die Klägerinnen Erin Kistler und Sruti Bhaumik, beide mit naturwissenschaftlichen Abschlüssen und über zehn Jahren Berufserfahrung, werfen Eightfold vor, detaillierte Bewerberprofile ohne deren Zustimmung zu erstellen. Diese enthielten Persönlichkeitsbewertungen wie "Teamplayer" oder "Introvertiert", Einschätzungen zur Ausbildungsqualität und Prognosen über zukünftige Karrierewege.
Keine Transparenz für Bewerber
Das zentrale Problem: Kandidaten werden laut Klage weder über die Erstellung dieser Profile informiert, noch erhalten sie die Möglichkeit, Fehler zu korrigieren. "Es gibt keine KI-Ausnahme von diesen Gesetzen", heißt es in der Klageschrift. Der FCRA schützt seit Jahrzehnten Verbraucher vor Missbrauch durch Dritte, die Informationen sammeln und bewerten.
Eightfold AI weist die Vorwürfe zurück. Sprecher Kurt Foeller betont, die Plattform arbeite ausschließlich mit Daten, die von Kandidaten geteilt oder von Kunden bereitgestellt werden. "Wir durchforsten keine sozialen Medien oder Ähnliches", so Foeller. Das Unternehmen fühle sich "zutiefst einer verantwortungsvollen KI" verpflichtet.
Milliardenmarkt unter Beobachtung
Die Klage hat Signalwirkung für die gesamte Branche. Eightfold wird von namhaften Investoren wie dem SoftBank Vision Fund und General Catalyst unterstützt. Die Software verspricht, Einstellungsprozesse durch automatisierte Bewertung und Vorhersagen zu beschleunigen – ein lukrativer Markt in Zeiten des Fachkräftemangels.
Beiden Klägerinnen blieb eine Anstellung bei Unternehmen wie PayPal und <a class="tvreplink" target="_blank" href="https://de.tradingview.com/symbols/Nasdaq%3AMSFT">Microsoft verwehrt. Sie vermuten, dass die KI-gestützte Bewertung durch Eightfold dabei eine Rolle spielte. Die eingereichte Sammelklage könnte alle US-Bewerber umfassen, die mit den Tools des Unternehmens bewertet wurden.
Wegweisend für KI-Regulierung
Die Arbeitsrechtskanzlei Outten & Golden und die gemeinnützige Organisation Towards Justice vertreten die Klägerinnen. Sie sehen den Fall als Präzedenz dafür, wie bestehende Verbraucherschutzgesetze auf KI-Systeme angewendet werden können, die aus riesigen Datenmengen Rückschlüsse auf Einzelpersonen ziehen.
Für deutsche Unternehmen, die ähnliche KI-Tools einsetzen, könnte der Fall richtungsweisend sein. Die EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) stellt bereits heute strenge Anforderungen an automatisierte Entscheidungsprozesse – ein Vorteil im internationalen Vergleich.
