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KI-Jugendphase vorbei: Was Anleger jetzt wissen müssen

Die KI-Narrative hat sich gewendet – der Fokus liegt nun auf Risiken statt Chancen.

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KI-Jugendphase vorbei: Was Anleger jetzt wissen müssen

Die jugendliche Phase der Künstlichen Intelligenz ist vorbei. Was einst als grenzenloses Versprechen galt, bei dem Gewinner leicht zu erkennen waren und die Verlierer weit in Zahlen übertrafen, hat sich grundlegend gewandelt. Diese Einschätzung stammt von Mike Santoli, dem bekannten Marktkommentator von CNBC, der in seinem aktuellen Market Memo eine nüchterne Bestandsaufnahme der KI-Landschaft vornimmt.

Die Aktien von Halbleiterherstellern liegen bereits 20 Prozent unter ihrem Juni-Hoch, bevor am vergangenen Montag ein weiterer Rückgang um vier Prozent verzeichnet wurde. Der Technologiesektor des S&P 500 hat seine bewertungsbezogene Kurs-Gewinn-Relation (KGV) im vergangenen Jahr von 29 auf 21 schrumpfen lassen. Der Grund: Der Markt zögert, den Gewinnanstieg fortzuschreiben, solange kein klarer Weg zurück zu erheblichen freien Cashflows erkennbar ist.

KI-Narrative konzentriert sich auf Risiken

Die öffentliche Meinung hat sich gegen KI gewendet. Rechenzentren haben in der Beliebtheitsskala inzwischen einen niedrigeren Rang als der Kongress – ein bemerkenswerter Stimmungsumschwung. Projektionen für Auftragsbücher über die nächsten wenigen Quartale hinaus gelten nun als zunehmend fragwürdig. Die aufgeregten Diskussionen über eine mögliche Drosselung des Ausbaus machen es schwerer, zu argumentieren, dass die Gewinnprojektionen für 2027 – die enorm von Halbleitern abhängen – zu niedrig angesetzt sind.

Doch es gibt auch positive Aspekte. War vor einem Jahr die am häufigsten genannte Sorge, dass eine KI-Blase entsteht und spekulative Euphorie aufkommt, so ist dieses Problem inzwischen behoben. Die rücksichtslose Bereinigung hochmomentaner Aktien seit Juni – dominiert von KI-Hardware und damit verbundenen Industrieunternehmen – hat die bullische Aggressivität der Händler gedämpft und die taktische Stimmung auf ein neutraleres Niveau zurückgeführt.

Lichtblick für Anleger

Ein möglicher Lichtblick ergibt sich aus der Verlangsamung im KI-Bereich. Die belebte Marktbewegung am Montag bei den Aktien der großen Tech-Plattformen – <a class="tvreplink" target="_blank" href="https://de.tradingview.com/symbols/Nasdaq%3AMSFT">Microsoft, Alphabet, Meta – offenbart einen möglichen Verlangsamungsprozess. Dies ermöglicht diesen Unternehmen, innezuhalten, bevor sie ihre Kapitalbeschaffung und ihren Kapitaleinsatz weiter beschleunigen.

Der Markt hat bereits einen heftigen Appetit auf Unternehmen gezeigt, die reichlich freie Cashflows demonstrieren. Der VictoryShares Free Cash Flow ETF, der zwei Jahre lang den von den Mag 7 dominierten S&P 500 nachverfolgt hat, hat diesen in den letzten Monaten deutlich hinter sich gelassen. Der ETF ist vollgestopft mit Software-, Gesundheits- und Energieaktien, die gemessen an den FCF-Renditemetriken optisch günstig erscheinen.

Historische Parallelen zu den 1990er Jahren

Jede Dämpfung der spekulativen Leidenschaft der „AI-Maximalisten“ verhindert zudem, dass der aktuelle Zyklus Exzesse aufbaut, die einen direkten Vergleich mit denen am Ende des Tech-Booms der 1990er Jahre rechtfertigen würden. Makroökonomisch hallen die Echos von 1999 weiterhin im Hintergrund nach.

Die Federal Reserve ist bereit, die Zinssätze anzuheben, während die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen die markante Schwelle von fünf Prozent überschreiten. Dies geschah, nachdem die Fed Ende letzten Jahres dreimal Zinsen gesenkt hatte, um einer Wachstumsangst angesichts nachlassender Inflation zu begegnen. Im Juni 1999 begann die Fed ebenfalls mit Zinserhöhungen, als die Renditen für zehnjährige US-Treasuries auf sechs Prozent stiegen und ein Tech-Investitionsboom tobte.

Positionierung der Privatanleger

Die wohlhabenden Kunden der Bank of America haben ihre Aktienbeteiligungen auf einem Niveau, das seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr erreicht wurde. Anleihen und Bargeld berühren historische Tiefs. Ein Großteil davon ist lediglich eine Frage der Wertschätzung im Aktienmarkt, wobei Anleger ihre Aktienbeteiligungen steigen lassen, ohne neu zu balancieren.

Dies ist ironisch, da Anleihen endlich einigen Anlegern einen Yield-Puffer bieten, die dies nutzen wollen. Der S&P 500 ist seit dem 1. Juni nicht vorangekommen, aber in diesem Zeitraum nicht mehr als drei Prozent von einem Rekordhoch gefallen. Die Marktbreite hat sich erodiert, was jedoch auch bedeutet, dass interne überverkaufte Bedingungen aufbauen.

Fazit

Die KI-Ära ist nicht vorbei, aber sie ist erwachsen geworden. Anleger müssen sich darauf einstellen, dass die einfachen Gewinne der Vergangenheit nicht mehr selbstverständlich sind. Der Fokus verschiebt sich von Euphorie hin zu fundamentalen Bewertungskennzahlen – und das könnte langfristig die gesündere Entwicklung sein.

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