KI-Einsatz kostet Jobs, steigert aber Produktivität um 11,5 Prozent
Eine neue Morgan-Stanley-Umfrage zeigt: KI vernichtet Stellen, schafft aber gleichzeitig neue und treibt Effizienz voran.

Künstliche Intelligenz verändert die globale Arbeitswelt grundlegend – und das schneller als viele erwartet haben. Eine neue AlphaWise-Umfrage von Morgan Stanley, die Unternehmen in den USA, Großbritannien, Deutschland, Japan und Australien umfasst, liefert erstmals konkrete Zahlen zu den Auswirkungen der KI-Einführung auf Beschäftigung und Produktivität.
Die Ergebnisse sind vielschichtig: Im vergangenen Jahr verzeichneten die befragten Unternehmen im Durchschnitt einen Netto-Stellenverlust von 4 Prozent. KI-gestützte Automatisierung führte dazu, dass 11 Prozent der Stellen gestrichen wurden und weitere 12 Prozent unbesetzt blieben. Dem gegenüber stehen jedoch 18 Prozent Neueinstellungen – ein Hinweis darauf, dass es sich eher um eine strukturelle Umwälzung als um einen pauschalen Beschäftigungsrückgang handelt.
Starke regionale Unterschiede
Die Auswirkungen der KI auf den Arbeitsmarkt fallen je nach Land sehr unterschiedlich aus. Großbritannien verzeichnete die größten Stellenverluste unter den untersuchten Ländern. Die USA hingegen stachen positiv hervor: Dort ergab sich sogar ein Netto-Beschäftigungsplus von 2 Prozent, getragen von starken Einstellungs- und Umschulungsinitiativen der Unternehmen.
Auch auf Branchenebene zeigen sich deutliche Unterschiede. Die Automobilindustrie verzeichnete die stärksten Jobverluste, während die Immobilienbranche leichte Beschäftigungsgewinne meldete. In der IT, der Softwareentwicklung und im Kundenservice – also in Bereichen, in denen Automatisierung besonders einfach umsetzbar ist – waren die Produktivitätszuwächse am größten.
Berufseinsteiger besonders betroffen
Besonders stark spüren Berufseinsteiger den Wandel. Mitarbeiter mit zwei bis fünf Jahren Berufserfahrung verloren am häufigsten ihre Positionen. Gleichzeitig wurden genau diese Beschäftigten am öftesten umgeschult oder intern versetzt – ein Zeichen dafür, dass Unternehmen versuchen, vorhandenes Personal an die neuen Anforderungen anzupassen, anstatt es vollständig zu ersetzen.
Die Unternehmensgröße spielt ebenfalls eine Rolle: Kleinere Firmen setzten stärker auf Umschulung, während mittelgroße Unternehmen die höchsten Stellenverluste meldeten. Dies deutet darauf hin, dass die Ressourcen und Strategien im Umgang mit KI je nach Unternehmensgröße erheblich variieren.
Produktivität steigt deutlich
Trotz des Stellenabbaus berichten die befragten Unternehmen von erheblichen Effizienzgewinnen. Die durchschnittliche Produktivität stieg durch den KI-Einsatz um 11,5 Prozent. Dieser Zuwachs ist beachtlich und dürfte für viele Unternehmen ein zentrales Argument für die weitere Einführung von KI-Systemen sein.
Die Ergebnisse der Morgan-Stanley-Umfrage zeichnen insgesamt ein differenziertes Bild: KI ist kein einfacher Jobkiller, aber auch kein reiner Jobmotor. Vielmehr beschleunigt die Technologie eine tiefgreifende Umstrukturierung der Arbeitswelt, bei der Anpassungsfähigkeit – sowohl von Unternehmen als auch von Arbeitnehmern – zur entscheidenden Kompetenz wird. Für deutsche Arbeitnehmer und Unternehmen, die ebenfalls Teil der Studie waren, unterstreichen die Zahlen die Dringlichkeit, in Weiterbildung und digitale Transformation zu investieren.
