ANZEIGE

Karls Village in Oxnard: Robert Dahls riskante US-Expansion

Der erste Karls-Standort außerhalb Deutschlands entsteht in Oxnard, Kalifornien — ohne fremdes Kapital, ohne Achterbahn, mit Eröffnung im Frühjahr 2028.

•• 3 Min
Karls Village in Oxnard: Robert Dahls riskante US-Expansion

Der erste Karls-Standort außerhalb Deutschlands entsteht in den USA: Karls Village at Channel Islands Harbor in Oxnard, Kalifornien, soll im Frühjahr 2028 eröffnen. Das Unternehmen investiert dafür einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag und lehnt fremdes Kapital ausdrücklich ab. Finanziert wird das Projekt aus dem Familienvermögen.

Auf rund 47000 Quadratmetern entsteht ein Erlebnis-Dorf nach dem Vorbild der deutschen Standorte — allerdings ohne Riesenrad und ohne Achterbahn. Gebaut wird komplett in Holz, vorgefertigt von einer Firma aus Oregon. Vor Ort verantwortlich ist Architekt Axel Stelter. Statt eigener Felder setzt Karls auf die Kooperation mit einem lokalen Farmer. Geplant sind eine Manufaktur, ein Marktgebäude, ein Café und eine Bäckerei.

Zum Geschäftsmodell gehört, dass kein Eintritt verlangt wird. Die Preise sollen bewusst niedrig bleiben: Eine Runde mit der Erdbeerraupenbahn kostet 3,50 Dollar, ein Nachmittag bei Karls rund 30 Dollar. Zum Vergleich nennt die Quelle einen Disney-Tag: Ein Ticket kostet 50 Dollar, ein Besuch im Disneyland Resort Florida für eine Familie zu vier rund 900 Dollar.

Robert Dahl formuliert es so: "Wenn du mit deiner Enkeltochter eine Runde mit der Erdbeerraupenbahn fahren willst, dann kannst du das machen. Das kostet 3,50 Dollar, du trinkst eine Tasse Kaffee und gehst wieder nach Hause. Du brauchst kein 50-Dollar-Ticket zu kaufen."

Von Rostock nach Kalifornien

Die Geschichte von Karls beginnt 1921: Großvater Karl Dahl legt einen Erdbeerhof bei Rostock an. Nach dem Zweiten Weltkrieg flieht die Familie nach Schleswig-Holstein. Karl-Heinz Dahl etabliert sich dort als Erdbeerlieferant für die Schwartauer Werke. Nach der Wende drücken Billigimporte die Preise. Robert Dahl kehrt nach Mecklenburg zurück und gründet 1992 den Erdbeerbetrieb in Rövershagen.

Aus dem Hofladen mit Café und Spielplatz wachsen Attraktionen. 2008 kommt die Traktorbahn, das Erlebnis-Dorf nimmt seine heutige Form an. Heute betreibt Karls neun Erlebnis-Dörfer in Deutschland, das jüngste eröffnete im Juli in Oberhausen. Ein weiteres Erlebnis-Dorf ist in Plech in Bayern geplant. Rund neun Millionen Gäste zählte das Unternehmen im vergangenen Jahr, dazu 1300 feste Mitarbeiter und 4500 Saisonkräfte.

Ein umkämpfter Markt

Kalifornien gilt als der dichteste Freizeitparkmarkt der Welt. Mit Disneyland, Universal Studios, Knott's Berry Farm und Six Flags liegt namhafte Konkurrenz in Reichweite. US-Konsumenten sind an All-inclusive-Preise gewöhnt, während das Pay-per-Ride-Modell von Karls dort eher Jahrmarkt-Assoziationen weckt. Hinzu kommen hohe Lohnkosten in Kalifornien und strenge Auflagen für Schaumanufakturen.

Michael Tripp bringt die Absicht auf den Punkt: "Wir wollten aber keine typische Strip Mall. Wir wollten einen Ort, an dem Familien zusammenkommen."

Oxnard selbst liegt an der Highway 101 zwischen Los Angeles und Santa Barbara und ist das Herz eines ertragreichen Erdbeeranbaugebiets, in dem auch das California Strawberry Festival zu Hause ist. Die Hafenbehörde von Ventura County vergab den Zuschlag erst nach einer Präsentation. In Oxnard sollen rund 250 Arbeitsplätze entstehen. Für das Projekt wird der Fisherman's Wharf abgerissen, der Leuchtturm bleibt jedoch erhalten.

Vorbild und weitere Pläne

Als Vorbild dient Knott's Berry Farm, die einst als Beerenfarm begann und heute zur Six Flags Entertainment Corporation gehört. Interessant ist eine Verbindung auf Eigentümerseite: Philip Anschutz besitzt die Los Angeles Kings und die Berliner Eisbären. Die LA Kings sind Sponsor von Knott's Berry Farm, die Eisbären werden von Karls gesponsert. Robert Dahl selbst räumt ein, die Idee sei eigentlich eine Schnapsidee gewesen.

Karls denkt offenbar weiter: Als mögliche weitere Standorte gelten Toronto, Florida und Mallorca. Vor dem ersten Oxnard-Besuch Dahls liegen 41 Jahre — damals dürfte der heutige Schritt kaum absehbar gewesen sein. Die Informationen stammen aus einer WirtschaftsWoche-Sonderedition zum 100. Geburtstag des Unternehmens unter dem Motto "Best of Germany".

Was bedeutet das für Anleger?

Für Privatanleger ist Karls kein börsennotiertes Unternehmen, das sich direkt kaufen lässt. Dennoch lohnt der Blick auf das Projekt, weil es zeigt, wie ein familiengeführtes Freizeitunternehmen Risiko und Kapitalbindung steuert. Die Finanzierung ausschließlich aus Eigenmitteln bedeutet volle Kontrolle, aber auch volle Haftung. Ein Scheitern in Kalifornien würde das Familienvermögen treffen, nicht externes Kapital.

Wer in Freizeitparks oder Konsumwerte investiert, sollte die genannten Hürden im Auge behalten: hohe Lohnkosten, regulatorische Auflagen und ein Markt, der von großen Ketten dominiert wird. Karls setzt dagegen auf niedrige Eintrittsschwellen und ein anderes Preismodell — ein Experiment, dessen Ausgang erst nach der Eröffnung im Frühjahr 2028 sichtbar wird.

Karls Erlebnis-DorfRobert DahlKarls Village OxnardUs-Expansion FreizeitparkKarls KalifornienFamilienunternehmenFreizeitpark UsaOxnard Channel Islands Harbor

Meistgelesene News

  1. Mercedes-Benz: Neue Regeln für mobiles Arbeiten stehen kurz bevor
  2. Beschlagnahmte Iran-Öltanker segeln langsam in Richtung USA
  3. Ölpreise fallen: Asien importiert Höchstmenge Rohöl seit Iran-Krieg
  4. Alphabet und Nvidia: Was 1.000 Dollar bis 2030 wert sein könnten
  5. Ölpreis stabilisiert sich: USA und Iran prüfen gestaffelten Hormus-Deal

Disclaimer