Kanadas Handelsdefizit explodiert auf 2,2 Milliarden Dollar im November
Warenexporte brechen ein, während Unternehmen verstärkt auf Diversifizierung weg von den USA setzen

Kanada verzeichnete im November einen dramatischen Anstieg seines Handelsdefizits auf 2,2 Milliarden kanadische Dollar (1,62 Milliarden US-Dollar), wie die Statistikbehörde Statistics Canada am Donnerstag mitteilte. Im Vormonat Oktober hatte das Defizit noch bei vergleichsweise moderaten 395 Millionen Dollar gelegen. Der massive Anstieg ist hauptsächlich auf einen deutlichen Rückgang der Warenexporte zurückzuführen.
Ökonomen sehen in den Zahlen einen klaren Trend: Kanadische Unternehmen versuchen verstärkt, ihre Handelsbeziehungen zu diversifizieren und die Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten zu reduzieren. Diese Entwicklung hat sich seit Februar 2025 beschleunigt, als die Unsicherheit durch Zolldrohungen und aggressive Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump zunahm. Mit Ausnahme des Monats September weist Kanada seitdem durchgehend ein Handelsdefizit mit seinem südlichen Nachbarn aus.
Die Trump-Administration hat Zölle auf kritische kanadische Exportgüter wie Stahl, Automobilteile, Aluminium und Holz verhängt. Diese Maßnahmen trafen die betroffenen Sektoren hart und zwangen Exporteure, aktiv nach alternativen Märkten zu suchen. Der Anteil der Exporte in die USA an den gesamten kanadischen Ausfuhren sank von 76 Prozent im Vorjahr auf nur noch 68 Prozent im November.
Rohgold und Automobile als Hauptverlierer
Der Hauptgrund für das November-Defizit war laut Statistics Canada ein drastischer Rückgang der Exporte von Metallen und nichtmetallischen Gütern um 24,4 Prozent. Besonders betroffen waren Rohgoldexporte, die nach Großbritannien, in die USA und nach Hongkong deutlich einbrachen. Mengenmäßig sanken die Gesamtexporte um 0,9 Prozent.
Auch die Automobilindustrie musste erhebliche Einbußen hinnehmen. Die Exporte von Kraftfahrzeugen und -teilen fielen um 11,6 Prozent – der stärkste Rückgang in dieser Kategorie seit drei Jahren. Dieser Sektor ist traditionell ein wichtiges Standbein der kanadischen Exportwirtschaft und besonders eng mit dem US-Markt verflochten.
Die Importe gingen im November ebenfalls zurück, allerdings nur minimal um 0,1 Prozent auf 66,14 Milliarden kanadische Dollar. Den leichten Rückgang führten Einfuhren von Kraftfahrzeugen, -teilen und Energieprodukten an. Interessanterweise entwickelte sich der bilaterale Handel mit den USA unterschiedlich: Während die Exporte südlich der Grenze um 1,8 Prozent sanken, gingen die Importe aus den USA um 5,4 Prozent zurück.
Überschuss mit USA steigt trotz Exportrückgang
Paradoxerweise führte diese Entwicklung dazu, dass Kanadas Warenhandelsüberschuss mit den USA von 5,2 Milliarden Dollar im Oktober auf 6,6 Milliarden Dollar im November anstieg. Dies zeigt, dass kanadische Unternehmen ihre Einkäufe aus den USA stärker reduzieren als ihre Verkäufe dorthin.
"Ich sehe, dass sich die Dynamik in die richtige Richtung bewegt. Werden wir über Nacht Ergebnisse sehen? Nein", kommentierte Stuart Bergman, Chefökonom bei Export Development Canada. Er prognostiziert, dass die Exporte in die USA weiter schrumpfen werden, da Exporteure zunehmend neue Märkte erschließen. Gleichzeitig warnte er jedoch, dass Kanadas Exporte immer noch stark konzentriert seien: Fast 90 Prozent der Ausfuhren gehen in die USA, nach Großbritannien, in die Europäische Union und nach China.
Neue Märkte noch nicht erschlossen
Die Importe aus anderen Ländern als den USA stiegen um 7,8 Prozent und erreichten damit den höchsten Stand seit Beginn der aktuellen Aufzeichnungen. Dieser Trend wurde hauptsächlich von China und Deutschland angeführt. Die Exporte in Länder außerhalb der USA fielen jedoch um 4,9 Prozent, was Kanadas Handelsdefizit mit diesen Ländern von 5,6 Milliarden Dollar im Oktober auf 8,8 Milliarden Dollar im November ansteigen ließ.
Der Kanadische Dollar reagierte auf die Veröffentlichung der Handelsdaten mit einer leichten Aufwertung und notierte 0,32 Prozent höher bei 1,3511 zum US-Dollar. Die Renditen zweijähriger Staatsanleihen sanken um 0,5 Basispunkte auf 2,4192 Prozent. Die Veröffentlichung der November-Daten hatte sich verzögert, da Informationen zu kanadischen Exporten in die USA aufgrund eines 43-tägigen Regierungsstillstands in den Vereinigten Staaten nicht verfügbar waren.
