Frankreichs Wirtschaft wächst im vierten Quartal nur noch moderat
Nach starkem Sommer schwächt sich das Wachstum auf 0,2 Prozent ab – Jahreswachstum übertrifft Erwartungen

Die französische Wirtschaft hat das Jahr 2025 mit einer Wachstumsverlangsamung abgeschlossen. Im vierten Quartal legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nur noch um 0,2 Prozent zu, nachdem im dritten Quartal noch ein Plus von 0,5 Prozent verzeichnet worden war. Das teilte das französische Statistikamt INSEE am Freitag mit. Eine schwächere Binnennachfrage und der Abbau von Unternehmenslagerbeständen belasteten die Wirtschaftsaktivität.
Das Quartalsergebnis entsprach sowohl der INSEE-Prognose als auch den Erwartungen von Ökonomen in einer Reuters-Umfrage. Trotz der Verlangsamung zum Jahresende fiel die Gesamtbilanz für 2025 besser aus als befürchtet. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone expandierte im Gesamtjahr um 0,9 Prozent und übertraf damit die Annahme von 0,7 Prozent, die der staatlichen Haushaltsplanung zugrunde lag.
Die positive Entwicklung erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass das französische Fiskaldefizit unter den derzeit prognostizierten 5,4 Prozent des BIP bleiben wird. Dies wäre eine wichtige Verbesserung für die öffentlichen Finanzen des Landes. Finanzminister Roland Lescure zeigte sich optimistisch: "Wir sind gut in das Jahr 2026 gestartet. Ich hoffe, wir werden mindestens die von uns erwarteten ein Prozent Wachstum erreichen."
Politische Turbulenzen belasten Stimmung
Bemerkenswert ist, dass sich die französische Wirtschaft trotz monatelanger politischer Unsicherheit besser hielt als viele Prognostiker erwartet hatten. Ein tief gespaltenes Parlament und die damit verbundenen Turbulenzen belasteten zwar die Stimmung bei Haushalten und Unternehmen, konnten die wirtschaftliche Entwicklung jedoch nicht vollständig ausbremsen.
Premierminister Sebastien Lecornu will am Freitag den Haushalt 2026 durch das Parlament bringen und damit eine langwierige Pattsituation in der Fiskalpolitik beenden. Zwar werden Misstrauensanträge der Opposition erwartet, diese dürften jedoch kaum Erfolg haben. Die politische Unsicherheit könnte damit etwas nachlassen.
Verhaltener Ausblick für 2026
Ökonomen bleiben bei den Aussichten auf eine starke Erholung zurückhaltend. Charlotte de Montpellier von ING beschrieb den Gesamtausblick als "verhalten positiv". Der Haushalt bleibe ungünstig für Unternehmen, und höhere Steuern könnten Investitionen und die Schaffung von Arbeitsplätzen bremsen, warnte die Ökonomin.
Im vierten Quartal trugen die Konsumausgaben der Haushalte und Investitionen zur Binnennachfrage bei, die 0,3 Prozentpunkte zum Wachstum beisteuerte. Der Außenhandel entwickelte sich positiv: Da die Exporte wuchsen und die Importe sanken, trug der Außenhandel 0,9 Prozent zum Wachstum bei. Allerdings zog der Abbau von Unternehmenslagerbeständen ein Prozent vom Wachstum ab.
Für deutsche Anleger ist die Entwicklung in Frankreich von besonderer Bedeutung, da das Nachbarland ein wichtiger Handelspartner ist. Ein starker Euro könnte jedoch die französischen Exporte behindern und damit auch die wirtschaftliche Erholung dämpfen.
