Chinas Staatseinnahmen fallen erstmals seit 2020 um 1,7 Prozent
Immobilienkrise und schwacher Konsum belasten Fiskaleinnahmen – Grundstücksverkäufe sinken viertes Jahr in Folge

Die chinesische Regierung verzeichnet erstmals seit der Corona-Pandemie einen Rückgang der Staatseinnahmen. Wie das Finanzministerium in Peking mitteilte, sanken die Fiskaleinnahmen 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 1,7 Prozent auf 21,6 Billionen Yuan (umgerechnet rund 2,9 Billionen Euro). Die anhaltende Immobilienkrise und die schwache Binnennachfrage setzen der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt erheblich zu.
Die Staatsausgaben stiegen im gleichen Zeitraum lediglich um 1,0 Prozent auf 28,7 Billionen Yuan – eine deutliche Verlangsamung gegenüber dem Wachstum von 3,6 Prozent im Jahr 2024. Der letzte Einnahmenrückgang hatte sich 2020 ereignet, als die COVID-19-Pandemie die Wirtschaftsaktivität massiv störte und die Einnahmen um 3,9 Prozent einbrachen.
Immobiliensektor belastet lokale Haushalte
Besonders gravierend entwickelten sich die Einnahmen aus Grundstücksverkäufen der lokalen Regierungen. Sie sanken das vierte Jahr in Folge um 14,7 Prozent, nachdem sie im Vorjahr bereits um 16 Prozent zurückgegangen waren. Diese Einnahmen galten traditionell als wichtiger Motor für lokale Wachstumsinitiativen und Infrastrukturprojekte. Der anhaltende Rückgang belastet die Kassen der Kommunen erheblich und bremst die gesamte wirtschaftliche Aktivität in den Regionen.
Die Steuereinnahmen legten 2025 nur um 0,8 Prozent zu, während die nichtsteuerlichen Einnahmen um 11,3 Prozent einbrachen. Einen positiven Akzent setzten lediglich die Stempelsteuern auf Wertpapiertransaktionen, die dank einer Börsenrallye um 57,8 Prozent zulegten.
Wachstumsziel trotz struktureller Probleme erreicht
Trotz der fiskalischen Herausforderungen erreichte China 2025 sein Wirtschaftswachstumsziel von 5,0 Prozent. Ökonomen warnen jedoch, dass dieser Erfolg hauptsächlich auf einer starken globalen Nachfrage nach chinesischen Gütern beruht, während der Binnenkonsum weiterhin schwächelt. Diese Konstellation gilt als schwer aufrechtzuerhalten, zumal internationale Handelsrisiken zunehmen.
Die chinesische Führung hat angekündigt, die expansive Fiskalpolitik fortzusetzen und das Haushaltsdefizit sowie die Gesamtverschuldung auf einem Niveau zu halten, das notwendig ist, um das Wirtschaftswachstum zu stützen. Beobachter erwarten weitere Stimulierungsmaßnahmen, um die Binnennachfrage anzukurbeln und die strukturellen Probleme im Immobiliensektor zu bewältigen.
