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Judith Dada wird Co-Chefin des KI-Start-ups Langdock in Berlin

Die 34-Jährige führt seit September die Geschäfte der Plattform, die über 12.000 Unternehmen nutzen und rund 50 Millionen US-Dollar umsetzt.

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Judith Dada wird Co-Chefin des KI-Start-ups Langdock in Berlin

Das Berliner KI-Start-up Langdock hat eine neue Doppelspitze: Judith Dada führt seit September als Co-Chefin die Geschäfte des Unternehmens, das 2023 gegründet wurde und zu den am schnellsten wachsenden KI-Firmen Deutschlands zählt. Gründer Lennard Schmidt hatte die heute 34-Jährige bereits Ende 2025 an Bord geholt. Seither verantwortet sie den Ausbau einer Plattform, die sich bewusst als europäische Alternative zu den großen US-Anbietern positioniert.

Das Geschäftsmodell unterscheidet sich grundlegend von dem vieler Wettbewerber. Langdock entwickelt keine eigenen KI-Modelle, sondern bündelt die Modelle führender Anbieter auf einer einzigen Plattform. Kunden können dadurch zwischen OpenAI, Gemini, Anthropic und Mistral wechseln, ohne ihre Arbeitsumgebung zu verlassen. Genau dieser Ansatz kommt an: Mehr als 12.000 Unternehmen nutzen die Plattform inzwischen – vom Handwerksbetrieb bis zu Konzernen wie Würth, Merck und BASF.

Die Kennzahlen lesen sich für ein junges Unternehmen beeindruckend. Der Jahresumsatz liegt bei rund 50 Millionen US-Dollar. Bis Ende des Jahres soll die Belegschaft von 50 auf 100 Mitarbeiter wachsen. Kapital hat Langdock bislang vergleichsweise wenig eingesammelt – rund 3 Millionen Dollar. Für das kommende Jahr ist eine größere Finanzierungsrunde geplant.

Europa statt USA

Ein zentraler Baustein der Strategie ist die Abkehr von US-Strukturen. Der juristische Stammsitz wird von den USA nach Europa verlegt, zusätzlich baut Langdock ein eigenes Datenzentrum in Deutschland. Damit will das Unternehmen genau jene Souveränität liefern, die europäische Kunden zunehmend nachfragen. Dada bringt das so auf den Punkt: "Wir möchten unsere Nutzer nicht mehr vor die Wahl stellen, ob sie mit den großen US-Playern gehen oder eine souveräne Lösung nutzen, die technisch nicht vergleichbar ist."

Officepflicht und ein Wohnsitz auf Rügen

Bei Langdock gilt Officepflicht – ein für die Branche ungewöhnlicher Kurs. Dada selbst pendelt wöchentlich von Rügen nach Berlin, wo sie mit Mann und Familie lebt. Wer die 34-Jährige unterschätzt, weil sie nicht dem klassischen Tech-Karrierepfad folgt, sollte ihre Vita genauer lesen.

Aufgewachsen ist Dada mit vier Geschwistern in München; ihre Mutter war Kindergärtnerin, ihr Vater kam vor 36 Jahren als Asylsuchender aus Nigeria. Sie studierte an der LMU München und in Oxford und absolvierte einen Zusatzstudiengang am Center for Digital Technology and Management, den die TU München und die LMU gemeinsam tragen. In ihrem Jahrgang saßen später die Gründer von Personio und Trade Republic.

Vor ihrer Zeit bei Langdock verantwortete Dada bei Facebook in Dublin den Amazon-Account und arbeitete anschließend beim Wagniskapitalgeber La Famiglia. Dort führte sie 2024 die Langdock-Finanzierungsrunde an – ein Umstand, der erklärt, warum Gründer Schmidt sie später selbst ins Unternehmen holte.

Ambitionierte Ziele

Dada formuliert große Ziele: Langdock soll zum größten KI-Unternehmen Europas werden. Als Co-Autorin des Szenarios "Europe 2031" beschäftigt sie sich seit Längerem mit der Frage, wie Europa im Wettbewerb mit anderen Wirtschaftsräumen bestehen kann; das Szenario warnt vor geopolitischer Bedeutungslosigkeit des Kontinents und der Abwanderung industrieller Wertschöpfung. Beim Thema Digitalstandort hat sie sich auch in die Politik eingebracht und bei einer Klausur der Bundesregierung referiert.

Der Nutzen für den Mittelstand steht für Dada dabei im Mittelpunkt: "Wenn jemand uns nutzt, dann befeuern wir die Transformation eines deutschen Mittelständlers oder die eines Handwerksunternehmens."

Für Privatanleger lohnt sich die Personalie vor allem als Signal. Der europäische KI-Markt wächst, und zunehmend entstehen Anbieter, die sich über Souveränität, Datenstandort und Kompatibilität statt über eigene Modelle differenzieren. Wer in diesen Sektor investiert, sollte deshalb genau prüfen, welche Unternehmen tatsächlich eigene Wertschöpfung aufbauen und welche lediglich fremde Modelle weiterreichen. Bei Langdock zeigt sich der Unterschied in den Zahlen: Einem Umsatz von rund 50 Millionen US-Dollar stehen bislang nur rund 3 Millionen Dollar eingesammeltes Kapital gegenüber – ein Verhältnis, das die geplante größere Runde für das kommende Jahr erklärt.

Die Geschichte von Langdock ist damit auch ein Testfall für den europäischen Anspruch, im KI-Zeitalter nicht nur Zuschauer zu sein. Ob daraus das größte KI-Unternehmen Europas wird, entscheidet sich nicht zuletzt daran, ob sich die Plattform gegen die hauseigenen Lösungen der großen US-Konzerne behaupten kann. Die Informationen stammen aus einem Artikel der WirtschaftsWoche, der in einer Sonderedition zum 100. Geburtstag des Magazins erschienen ist.

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