JPMorgan präsentiert seine besten Aktienideen für den Oktober
Die US-Bank setzt im Oktober auf American Express, Thermo Fisher Scientific und Liberty Energy – der Markt kommt von einem durchwachsenen Monat.

JPMorgan hat zum Start in den Oktober eine aktualisierte Liste der bevorzugten Anlageideen seiner Analysten veröffentlicht. Die größte US-Bank bewertet die darin enthaltenen Titel als „overweight" und ordnet sie jeweils einer von mehreren Anlagestrategien zu: Wachstum, Ertrag, Wert oder Short-Positionen. Fünf neue Namen sind im Oktober hinzugekommen, darunter American Express, Thermo Fisher Scientific und Liberty Energy.
Der Schritt fällt in eine Phase, in der der Gesamtmarkt auf einen durchwachsenen Monat zurückblickt. Im September beendeten der S&P 500 und der Dow Jones Industrial Average ihre Kurse niedriger, mit Verlusten von 0,5 Prozent beziehungsweise 4,3 Prozent. Der Nasdaq Composite schnitt deutlich besser ab und legte im selben Zeitraum um 1,9 Prozent zu.
Der letzte Handelstag im September markierte zugleich das Ende des dritten Quartals. Über den Dreimonatszeitraum fiel der Dow um 3 Prozent, während der technologiebetonte Nasdaq und der breit gefächerte Marktindex jeweils um mindestens 2 Prozent zulegten.
Die Details
American Express ist eines der Wertpapiere („Value Plays"), das neu in die Liste aufgenommen wurde. Die Aktie des Kreditkartenunternehmens liegt im Jahresverlauf bei 18 Prozent, wie es im Quelltext heißt; die zugehörige Kursgrafik weist einen Rückgang von fast 19 Prozent aus. Hintergrund sind Bedenken der Investoren hinsichtlich der Widerstandsfähigkeit der Konsumausgaben und schwankender Kreditzinsen in einer Phase erhöhter makroökonomischer Unsicherheit.
Trotz dieser Entwicklung sieht Analyst Richard Shane weiterhin ein starkes Wertversprechen. „AXP bleibt eine Kernposition für Anleger, die branchenführende hohe Renditen und eine disziplinierte Kapitalrückgabe (Dividende plus Rückkäufe von 3% der Aktien Jahr für Jahr) suchen", schrieb Shane in einer Notiz an Kunden.
Bei den Wachstumsaktien („Growth Plays") erfüllt Liberty Energy laut JPMorgan die Kriterien. Die Aktie des Energieunternehmens ist im vergangenen Jahr um 52 Prozent gestiegen; die Kursgrafik weist einen Zuwachs von etwa 47 Prozent aus. Analyst Arun Jayaram sieht wegen des anhaltenden Booms im Bereich der künstlichen Intelligenz weiteres Potenzial.
„Wir beobachten einen strukturell angespannten Hintergrund hinter dem Zähler („behind-the-meter"), der mit dem Wachstum der Rechenzentrumslast verbunden ist. Ein erwartetes Stromdefizit wird bis 2030 anhalten, was einen mehrjährigen Nachfrageaufschwung für Anbieter dezentraler Stromerzeugung unterstützt", sagte Jayaram in einer Notiz an Kunden.
Thermo Fisher Scientific ist eine weitere Wachstumsaktie, die den Analysten von JPMorgan gefällt. Die Aktie des Life-Science-Unternehmens ist in den vergangenen drei Monaten um mehr als 10 Prozent gestiegen, getrieben durch starke finanzielle Aussichten und die kürzlich angekündigte Partnerschaft zur Früherkennung von Krankheiten mit dem Mayo Clinic. Die Kursgrafik weist für den Dreimonatszeitraum einen Anstieg von nahezu 11 Prozent aus.
Analyst Casey Woodring ergänzt, die Aktie dürfte weiteren Boden gutmachen – aufgrund der zunehmenden Verbreitung von KI und des US-amerikanischen Plans zur Rückverlagerung der Biopharmaindustrie.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 15.07.2026 berichtete aktien.news über einen ereignisreichen Handelstag mit JPMorgan im Fokus: JPMorgan-CEO Jamie Dimon eröffnete den Tag mit einem Live-Auftritt bei „Squawk Box" auf CNBC – einen Tag nach der Veröffentlichung der Quartalszahlen seiner Bank. Die JPMorgan-Aktie erreichte am Dienstag zuvor ein neues Allzeithoch und schloss bei 342,89 US-Dollar; innerhalb eines Monats legte das Papier um 7 Prozent zu.
Am 18.09.2026 meldete aktien.news, dass JPMorgan für das dritte Quartal mit deutlichen Zuwächsen sowohl im Handelsgeschäft als auch im Investmentbanking rechnet. Co-Präsident Doug Petno gab die Einschätzung auf einer Konferenz der Barclays Plc bekannt: Die Handelserlöse sollten für den Zeitraum bis zum 30. September um einen Prozentsatz im mittleren bis hohen Teenagerbereich steigen, auch die Investmentbanking-Gebühren könnten um einen ähnlichen Betrag zulegen. Die optimistische Prognose stand im Gegensatz zur verhaltenen Erwartungshaltung der Bank of America.
Auch Thermo Fisher Scientific war bereits Thema: Am 01.04.2026 berichtete aktien.news, dass die Bank of America ihre zehn Top-Aktienempfehlungen für das zweite Quartal 2025 vorgestellt hatte – auf der Liste standen neben Amer Sports, Boot Barn Holdings, Citigroup, ITT Inc, MongoDB, Meta Platforms, RTX Corp, Spotify und Welltower auch Thermo Fisher Scientific.
Am 16.07.2026 schließlich berichtete aktien.news, dass die Bank of America nach dem Rekordquartal von JPMorgan ihre Kaufempfehlung bekräftigte und das Kursziel von 408 auf 420 US-Dollar anhob – ein Aufwärtspotenzial von 21 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom Mittwoch. BofA-Analyst Ebrahim Poonawala begründete dies mit der überzeugenden Anlagethese rund um JPMorgan.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger sind die JPMorgan-Listen vor allem ein Stimmungsbild aus dem Research der größten US-Bank. Sie zeigen, welche Titel die Analysten des Hauses als „overweight" einstufen und welcher Strategie – Wachstum, Ertrag, Wert oder Short – sie diese zuordnen. Die Auswahl ist dabei keine Kaufempfehlung, sondern eine Einordnung innerhalb eines bestimmten Anlagestils.
Auffällig ist die Bandbreite: Mit American Express steht ein Finanzwert auf der Wertseite, mit Liberty Energy ein Energietitel und mit Thermo Fisher Scientific ein Life-Science-Unternehmen auf der Wachstumsseite. Wer in US-Aktien investiert, sollte die genannten Kennzahlen – etwa die Kursentwicklung im Jahresverlauf oder über drei Monate – im Blick behalten, da sie die Argumentation der Analysten tragen.
Zu beachten ist, dass die im Quelltext genannten Prozentwerte teils voneinander abweichen: Für American Express nennt der Text 18 Prozent im Jahresverlauf, die Kursgrafik fast 19 Prozent im Minus; bei Liberty Energy stehen 52 Prozent im Text und etwa 47 Prozent in der Grafik. Solche Abweichungen zwischen Fließtext und Chartdarstellung sind in Research-Unterlagen nicht ungewöhnlich und sollten bei der eigenen Bewertung berücksichtigt werden.
Ausblick
Konkrete Termine nennt der Quelltext nur mittelbar: Der erwartete Stromdefizit-Zeitraum reicht laut Jayaram bis 2030, was einen mehrjährigen Nachfrageaufschwung für Anbieter dezentraler Stromerzeugung stützen soll. Bei Thermo Fisher Scientific verweist Woodring auf die zunehmende Verbreitung von KI und den US-amerikanischen Plan zur Rückverlagerung der Biopharmaindustrie als Treiber.
Aus dem Archiv ergibt sich zudem, dass JPMorgan für das dritte Quartal – also den Zeitraum bis zum 30. September – mit steigenden Handelserlösen und Investmentbanking-Gebühren rechnete. Die Oktober-Liste der Bank erscheint damit unmittelbar nach dem Quartalsende, zu dem diese Prognose galt.
Kurz erklärt
- Overweight: Einstufung eines Analysten, die eine überdurchschnittliche Entwicklung der Aktie gegenüber dem Gesamtmarkt erwartet.
- Value Play: Anlagestrategie, die auf unterbewertete Aktien mit solider Substanz setzt.
- Growth Play: Anlagestrategie, die auf Unternehmen mit überdurchschnittlichem Wachstumspotenzial setzt.
- Behind-the-meter: Stromerzeugung, die direkt beim Verbraucher stattfindet, statt über das öffentliche Netz bezogen zu werden.
