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Ist eine Erhöhung der Kapitalertragssteuer die Lösung für Burnhams Steuerpläne?

Der Labour-Spender Dale Vince schlägt vor, den persönlichen Freibetrag auf £15.270 anzuheben und die Gegenfinanzierung über höhere Kapitalertragsteuern zu sichern.

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Ist eine Erhöhung der Kapitalertragssteuer die Lösung für Burnhams Steuerpläne?

Ein radikaler Vorschlag bestimmt die Debatte vor dem britischen Herbstbudget 2026: Eine deutliche Anhebung des persönlichen Steuerfreibetrags, finanziert unter anderem über höhere Kapitalertragsteuern (CGT). Wie Craig Rickman von interactive investor am 22. September 2026 berichtet, hat Premierminister Andy Burnham nie verborgen, dass er die Grenze anheben will, ab der Menschen Einkommensteuer zahlen müssen. Bereits vor seiner Zeit als Regierungschef erklärte der Abgeordnete von Makerfield, dies sei die Kernmaßnahme, die seine Wähler zur Absicherung ihrer Finanzen gegen die steigenden Lebenshaltungskosten forderten.

Der Labour-Spendengeber Dale Vince, der „grüne Industrielle" und Gründer von Ecotricity, hat dazu eine Lösung vorgelegt – und sie ist radikal. Er schlägt vor, den steuerfreien Betrag von £12.570 auf £15.270 anzuheben, also ungefähr auf das Niveau, das ohne das Einfrieren erreicht worden wäre. Die Steuerentlastung könnte durch die Beendigung der Zinszahlungen der Bank of England an Banken auf deren Reserven sowie teilweise durch erhebliche Erhöhungen der Kapitalertragsteuer finanziert werden. Laut The Telegraph prüft die Regierung diese Idee für das diesjährige Herbstbudget.

Eine Erhöhung des persönlichen Freibetrags um £3.000 könnte privaten Haushalten zusätzliche £600 pro Jahr in die Tasche spielen. Burnham hat sich verpflichtet, den Druck auf die Haushaltskosten anzugehen – keine kleine Aufgabe, da die britische Inflation in den letzten Monaten wieder beschleunigt hat. Ein vom Institute for Fiscal Studies (NIESR) erstelltes, von Vince in Auftrag gegebenes Modell geht davon aus, dass ein belebter Konsum einen Anstieg des BIP-Wachstums um 1,2% im ersten Jahr bewirken könnte.

Die Details

Die verschiedenen Schwellenwerte für die Einkommensteuer und die National Insurance (NI) sind seit 2021 eingefroren und sollen erst bis 2031 nicht ansteigen. Dadurch geraten mehr Menschen in das Steuerrecht, und andere rutschen mit natürlichen Einkommenssteigerungen in höhere Tarife. Ein offensichtliches Hindernis für Burnham ist die fiskalische Disziplin: Der Premierminister und sein Finanzminister John Healey haben sich an die eisernen fiskalischen Regeln der Regierung gebunden. Die wegen der Ereignisse im Nahen Osten stark gestiegenen Finanzierungskosten (borrowing costs) könnten den Spielraum erheblich reduziert haben. Ökonomen schätzen, dass die Pufferreserve von £23 billion im Frühjahr auf rund £12 billion halbiert wurde. Die Diskussionen vor dem Budget 2026 sind daher eher von Steuererhöhungen als von Geschenken geprägt.

Auf der Gewinnerseite steht fast das gesamte Steuerzahlerkollektiv: Wer bis zu £125.140 verdient – der Punkt, an dem der persönliche Freibetrag vollständig wegfällt – könnte weniger Steuern zahlen. Das entspricht laut Daten von gov.uk fast 97% der Steuerzahler im Vereinigten Königreich. Auch das Problem der Rentner, deren volle staatliche Rente den Freibetrag überschreitet, ließe sich so lösen, zumindest für mehrere Jahre. Die volle staatliche Rente beträgt derzeit £12.548 pro Jahr und soll im April 2027 um £488 auf £13.036 springen, nachdem das dreimonatige Lohnwachstum unter der Triple-Lock-Regelung mit 3,9% bestätigt wurde. Rentner, deren einziges Einkommen die staatliche Rente ist, würden im neuen Steuerjahr ohne politische Intervention eine HMRC-Rechnung erhalten. Healey und Burnham haben versprochen, Rachel Reeves' Zusage einzulösen, dieses drohende Problem anzugehen, bislang aber wenig Details geliefert. Die Erhöhung des persönlichen Freibetrags sei die einfachste Lösung, wenn auch die teuerste.

Die Verlierer wären Investoren. Vince schlägt vor, die CGT-Sätze über einen Zeitraum von fünf Jahren schrittweise an die Einkommensteuer anzugleichen. Der Spitzensteuersatz stiege damit in England, Wales und Nordirland auf 45%, in Schottland auf 48% – höher als in jedem anderen europäischen Land. Das CGT-Regime wurde zuletzt hart angefasst: Der jährliche Freibetrag sank von £12.300 auf £3.000, die nominalen Sätze auf Verkäufe von Aktien und anderen Vermögenswerten stiegen 2024 von 10% auf 20% im Basissteuersatz und von 18% auf 24% im höheren Steuersatz. Betroffen wären Vermieter und Anleger mit Beteiligungen außerhalb von Steuergünstlingschaften wie Renten (ISA) und individuellen Sparrechnungen. Die Zahl der Betroffenen wird von denen, die von einem höheren persönlichen Freibetrag profitieren würden, in den Schatten gestellt – akzeptabler macht eine solche Politik das aber nicht.

Hintergrund: Was bisher geschah

Bereits am 20.07.2026 berichtete aktien.news, dass Andy Burnham in seiner ersten Rede als Premierminister versprach, den Bürgern mehr „Atempause" bei den Lebenshaltungskosten zu verschaffen, mit konkreten Maßnahmen schon an seinem ersten vollen Arbeitstag. Am 21.07.2026 folgte der Hinweis, Burnham werde niemals Risiken für die Wirtschaft eingehen und halte die Fiskalregeln der Vorgängerregierung ein; zugleich habe er im Wahlkampf versprochen, die Steuern für Arbeitnehmer nicht zu erhöhen. Am selben Tag schilderte aktien.news unter dem Titel „Große Pläne, aber wer zahlt die Rechnung?", dass die angekündigten Maßnahmen zur Unterstützung bei den Lebenshaltungskosten gegenfinanziert seien – also Steuererhöhungen oder Ausgabenkürzungen an anderer Stelle erfordern. Schon am 27.05.2026 hatte aktien.news die Pläne von Wes Streeting beschrieben, der eine Angleichung der Kapitalertragsteuer an die höheren Sätze der Einkommensteuer forderte.

Was das für Anleger bedeutet

Für deutsche Privatanleger sind die britischen Pläne vor allem ein Lehrstück über die Grenzen der Steuerpolitik. Die CGT-Einnahmen stiegen im Steuerjahr 2024/25 laut HMRC um 89% auf einen Rekordwert von £24,2 billion, während die Zahl der Zahler um 45% auf 584.000 zunahm. Ein beträchtlicher Teil dieses Anstiegs geht auf Verkäufe vor dem Herbstbudget 2024 zurück, als Anleger einen CGT-Anstieg fürchteten. Paul Johnson, Provost des Queen's College in Oxford und ehemaliger Direktor beim Institute for Fiscal Studies, beschrieb die Zahlen auf X als „unsinnig" und verwies darauf, dass HMRC bei einer CGT-Erhöhung um 10 Prozentpunkte von einem Rückgang der Einnahmen um £3,5 billion ausgeht. „[Die] genaue Größenordnung kann bestritten werden, aber sicher wäre es nicht so, dass nahezu £14 billion eingenommen würden", so Johnson. Das ist die Laffer-Kurve in der Praxis: Zu hohe Sätze können Anleger dazu bringen, Vermögenswerte zu halten statt Gewinne zu realisieren – zumal bei Tod keine CGT anfällt. Wer auf Gerüchte reagiert, kann viel Geld verlieren.

Ausblick

Erhöhungen der CGT gehören vor dem festgelegten fiskalischen Ereignis 2026 zu den gängigen Steuerverdächtigungen, doch ähnliche Berichte gab es vor jedem Budget der vergangenen Jahre – die Angleichung an den Einkommensteuerrahmen ist bislang nicht eingetreten. Entscheidet sich die Regierung, den persönlichen Freibetrag vor 2031 anzuheben, dürfte die Erhöhung kleiner als £3.000 ausfallen, auch angesichts der selbst auferlegten Fiskalregeln und des Versprechens, die nominalen Sätze von Einkommensteuer, Arbeitnehmer-NI und Mehrwertsteuer nicht zu erhöhen. Offen sind zudem zwei Nebenwirkungen: ob eine Anhebung auch für die NI gilt – Arbeitnehmer und Selbstständige zahlen heute keine NI auf die ersten £12.570, mit Sätzen von 8% bzw. 6% auf alles zwischen diesem Betrag und unter £50.270 – und wie der Wegfall des Freibetrags ab £100.000 Einkommen gestaltet wird. Ohne Anpassung könnten im Überschneidungsbereich effektive Steuersätze von 67,5% oder 69,5% entstehen. Auch eine Art Indexanpassung oder gestaffelte Entlastung, wie sie vor der Überholung des Regimes im Jahr 2008 existierte, müsste die Reform begleiten.

Kurz erklärt

  • Persönlicher Freibetrag: Betrag des Einkommens, bis zu dem keine Einkommensteuer gezahlt werden muss.
  • Kapitalertragsteuer (CGT): Steuer auf Gewinne aus dem Verkauf von Vermögenswerten wie Aktien oder Immobilien.
  • National Insurance (NI): Britischer Sozialversicherungsbeitrag, der auf Arbeitseinkommen erhoben wird.
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