Iranischer Supertanker umgeht offenbar US-Blockade im Persischen Golf
Der Tanker „Huge" tauchte vor Bali auf – nur Stunden nach Beginn der amerikanischen Seeblockade gegen iranisches Öl.

Ein iranischer Supertanker hat die US-Blockade im Persischen Golf offenbar erfolgreich umgangen. Das Schiff mit dem Namen „Huge" signalisierte am Sonntag seine Position vor der Küste von Bali – und sorgt damit für Aufsehen in der internationalen Schifffahrtsbranche.
Laut TankerTrackers.com, einem Unternehmen, das Schiffsbewegungen mithilfe von Satellitenbildern überwacht, war der unter iranischer Flagge fahrende Supertanker zuvor monatelang nicht in digitalen Schiffsverfolgungssystemen erschienen. Samir Madani, Mitbegründer von TankerTrackers.com, bestätigte den Standort des Schiffes nahe Bali anhand von Satellitenbildern.
Madani erklärte, dass sich die „Huge" nur wenige Stunden vor Beginn der US-Blockade am 13. April noch in einem iranischen Hafen befunden habe. Er sichtete das Schiff am Morgen des 13. April in Tschahbahar – die Blockade begann erst am Nachmittag desselben Tages. Damit hatte der Tanker offenbar ein enges Zeitfenster genutzt, um der Blockade zu entkommen.
US-Blockade seit dem 13. April in Kraft
Die USA hindern seit dem 13. April Schiffe mit iranischem Öl daran, den Golf von Oman zu verlassen. Seit Beginn der Blockade hat das US Central Command nach eigenen Angaben insgesamt 50 Schiffe umgeleitet. Abgefangene iranische Tanker wurden angewiesen, in der Nähe von Tschahbahar vor Anker zu gehen.
Die Hafenstadt Tschahbahar liegt im Südosten des Iran, nahe der pakistanischen Grenze, und befindet sich unmittelbar vor der US-Blockadelinie. In den vergangenen Tagen haben sich dort vermehrt iranische Schiffe in den umliegenden Gewässern gesammelt – ein deutliches Zeichen für die angespannte Lage in der Region.
Madani betonte jedoch, dass seine Analyse zwar darauf hindeutet, dass die „Huge" die Blockade wahrscheinlich umgangen habe, sie aber das einzige Schiff sei, bei dem er dieses Muster beobachtet habe. Der Fall gilt damit bislang als Einzelfall, nicht als systematisches Durchbrechen der Blockade.
Eskalation der Spannungen zwischen USA und Iran
Der Vorfall ereignet sich vor dem Hintergrund zunehmender Spannungen zwischen Washington und Teheran. Die USA haben in dieser Woche zusätzlich eine Operation zur Eskorte von Handelsschiffen durch die Straße von Hormus gestartet. Hintergrund ist eine Eskalation der Feindseligkeiten zwischen den USA und dem Iran, die sich am Montag weiter verschärft hatte.
Die Straße von Hormus gilt als eine der strategisch wichtigsten Wasserstraßen der Welt. Rund 20 Prozent des globalen Ölhandels passieren diesen engen Meereskanal zwischen dem Iran und der Arabischen Halbinsel. Störungen in dieser Region haben daher stets unmittelbare Auswirkungen auf die internationalen Energiemärkte und die Ölpreise weltweit.
Für deutsche Anleger und Energieunternehmen ist die Entwicklung im Persischen Golf von besonderer Bedeutung: Anhaltende Spannungen und Blockaden in der Region können die Versorgungssicherheit beeinflussen und zu Preisschwankungen bei Rohöl führen.
