Iran-Krieg treibt Zinswetten auf europäische Zentralbanken an
Steigende Energiepreise durch den Iran-Konflikt schüren neue Inflationssorgen und erhöhen den Druck auf die Notenbanken.

Der Krieg im Iran versetzt die Finanzmärkte in Alarmbereitschaft. Steigende Energiekosten wecken das Gespenst einer neuen Inflationswelle – und die Märkte reagieren prompt: Sie erhöhen ihre Wetten auf Zinsanhebungen durch mehrere europäische Zentralbanken noch in diesem Jahr.
Besonders im Fokus stehen die Europäische Zentralbank (EZB), die Schweizerische Nationalbank (SNB) und die schwedische Riksbank. An den Geldmärkten wurden die Erwartungen an Zinserhöhungen dieser drei Notenbanken bis zum Jahresende spürbar verschärft. Auch für die Bank of England werden nun Zinsschritte nach oben eingepreist – allerdings erst für das Jahr 2027.
Der Mechanismus dahinter ist bekannt: Steigende Energiepreise infolge geopolitischer Konflikte verteuern Produktion und Transport, was sich über die gesamte Lieferkette auf die Verbraucherpreise überträgt. Für Zentralbanken, die zuletzt auf Zinssenkungskurs waren, bedeutet das eine gefährliche Kehrtwende.
Auch Asien unter Druck
Die Auswirkungen des Konflikts beschränken sich nicht auf Europa. Auch bei asiatischen Zentralbanken beobachten Analysten, dass geplante Zinssenkungen auf Eis gelegt oder sogar Zinserhöhungen in Betracht gezogen werden. Der geopolitische Schock trifft damit die globale Geldpolitik in einer ohnehin sensiblen Phase.
Für deutsche Anleger ist die Entwicklung von besonderer Bedeutung. Eine erneute Zinswende nach oben würde Anleiheportfolios belasten, den Euro unter Aufwertungsdruck setzen und die Finanzierungskosten für Unternehmen und Immobilienkäufer erneut in die Höhe treiben. Der Markt preist derzeit ein Szenario ein, das viele Notenbanker noch vor wenigen Wochen ausgeschlossen hätten.
