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Ingenieure in Deutschland: Die Angst vor dem Jobverlust wächst

Nur noch 35 Prozent der Ingenieure sehen gute Jobchancen – ein drastischer Einbruch seit 2021.

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Ingenieure in Deutschland: Die Angst vor dem Jobverlust wächst

Der deutsche Arbeitsmarkt, lange Zeit eine sichere Bank für hochqualifizierte Fachkräfte, zeigt plötzlich Risse. Ingenieure, die jahrelang als besonders krisenresistent galten, blicken zunehmend pessimistisch auf ihre Jobchancen. Eine aktuelle Studie der Online-Stellenbörsen Jobware und Get in Engineering zeichnet ein alarmierendes Bild vom Stimmungswandel in der Branche.

Nur noch 35 Prozent der Ingenieure schätzen ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt als gut oder sehr gut ein. Zum Vergleich: 2021, als die Umfrage erstmals durchgeführt wurde, lag dieser Wert noch bei beeindruckenden 73 Prozent. Besonders drastisch ist der Anstieg bei den Pessimisten: Der Anteil der Ingenieure, die ihre berufliche Lage als sehr schlecht einstufen, kletterte von drei auf 23 Prozent.

Die Ursachen des Stimmungswandels

Als Hauptgründe für den Umschwung nennt die Studie die konjunkturelle Unsicherheit in Deutschland. Sparprogramme, Umstrukturierungen und Insolvenzen in klassischen Industriezweigen wie der Autoindustrie oder dem Maschinenbau sind mittlerweile an der Tagesordnung. Genau diese Branchen waren es, die Ingenieuren über Jahrzehnte hinweg eine nahezu sichere Beschäftigung boten.

„Viele Ingenieurinnen und Ingenieure erleben gerade hautnah, wie sich ihre Kernbranchen verändern – durch Transformationen in der Technologie und der Wirtschaft", sagt Jobware-Chef Wolfgang Achilles. „Diese Unsicherheit überträgt sich spürbar auf die persönliche Einschätzung der eigenen Arbeitsmarktchancen, auch wenn der Fachkräftebedarf in der Breite ungebrochen hoch ist."

Job-Verluste in der Autoindustrie treffen auch Hochqualifizierte

Besonders hart trifft es die Automobilindustrie, in der viele Ingenieure beschäftigt sind. Zum Ende des ersten Halbjahres 2026 waren in der deutschen Leitbranche nur noch 691.500 Menschen beschäftigt – so wenige wie seit Beginn der vergleichbaren Statistikreihe im Jahr 2005 nicht mehr. Das entspricht einem Rückgang um 42.300 Beschäftigte oder 5,8 Prozent innerhalb eines Jahres.

Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer prognostiziert eine noch düsterere Zukunft: „2030 wird die deutsche Automobilindustrie auf 500.000 Arbeitsplätze oder weniger geschrumpft sein." Die Folge: Immer mehr Ingenieure kämpfen um immer weniger werdende Jobs in der Autobranche.

Hohe Wechselbereitschaft trotz schwierigem Markt

Überraschend ist, dass trotz der Verunsicherung die Wechselbereitschaft unter den Ingenieuren weiterhin hoch ist. 83 Prozent der Befragten können sich einen Arbeitgeberwechsel vorstellen – genauso viele wie 2021, als die Nachfrage nach Ingenieuren noch deutlich größer war.

„Im Moment ist der Markt vor allem deshalb sehr aktiv, weil mehr Ingenieurinnen und Ingenieure als sonst ohne Anstellung und auf der Suche nach einem Job sind", erklärt Achilles. Für Arbeitgeber bedeute dies ein großes Angebot an verfügbarem Talent.

Künstliche Intelligenz: Chance oder Risiko?

Ein zentrales Thema der Studie ist der Umgang mit Künstlicher Intelligenz. 80 Prozent der befragten Ingenieure sehen KI als nützliches Werkzeug, das die eigene Arbeit unterstützt, ohne die Expertise zu ersetzen. Sechs Prozent sehen KI sogar als Karriere-Turbo.

Es gibt jedoch auch kritische Stimmen. Ein Befragter befürchtet: „Ähnlich der Automatisierung und Robotik in der Fertigung in den 1990er-Jahren wird es zu einer Arbeitserleichterung, aber auch zu Jobverlust in den Büros kommen." Ein anderer Ingenieur warnt, dass KI den Berufseinstieg von Talenten gefährde, „da einfache Routinetätigkeiten, die früher auch der Ausbildung junger Absolventen dienten, wegfallen".

Trotz der grundsätzlich positiven Einstellung gegenüber KI sind die Ingenieure in der praktischen Anwendung überraschend zurückhaltend. Nur 58 Prozent sehen in der Künstlichen Intelligenz einen massiven Gewinn oder eine spürbare Erleichterung für die eigene Arbeit. Ein Drittel der Befragten sieht keinen Effekt oder sogar einen Mehraufwand.

Hybrides Arbeiten als entscheidender Faktor

Eindeutiger ist die Meinung der Ingenieure beim Thema flexible Arbeitsmodelle. Für 87 Prozent hat das Arbeitszeitmodell des Arbeitgebers Einfluss auf die Job-Wahl. Besonders beliebt ist das hybride Modell: 85 Prozent bevorzugen feste Homeoffice-Tage oder die Möglichkeit, diese frei zu wählen.

„Am Hybridmodell führt kein Weg vorbei", sagt Achilles. Für Engineering-Talente sei dieses Thema „absolut entscheidend bei der Wahl des Arbeitgebers". Wer darauf verzichte, werde „nicht die Besten" für sein Unternehmen gewinnen können. Unternehmen aus dem Ausland werben bereits aktiv um deutsche Fachkräfte und bieten dabei die Möglichkeit zum hybriden Arbeiten.

Teilzeit spielt dagegen kaum eine Rolle. Nur 13 Prozent der Befragten können sich eine Reduzierung der Arbeitszeit vorstellen. Interessant ist der Geschlechterunterschied: Während 27 Prozent der Frauen in Teilzeit arbeiten möchten, sind es bei den Männern nur zehn Prozent.

Fazit für Anleger

Der Stimmungswandel unter Ingenieuren ist ein Frühindikator für den Strukturwandel in der deutschen Industrie. Anleger sollten die Entwicklungen in der Automobilbranche und im Maschinenbau genau beobachten. Unternehmen, die frühzeitig auf KI setzen und flexible Arbeitsmodelle anbieten, könnten im Wettbewerb um die besten Talente die Nase vorn haben.

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