Inflation und Zinsen halten Anleger in Atem
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Die Wall Street erlebte gestern einen Tag der Unsicherheit, als die Inflationsdaten aus den USA veröffentlicht wurden. Die Preise stiegen weiter deutlich an, und obwohl die Daten keine Anzeichen für eine baldige Zinserhöhung seitens der Notenbank lieferten, blieben die Investoren in New York ratlos. Der Dow Jones, der Leitindex, rutschte zuletzt um 0,2 Prozent ins Minus, während die Technologiewerte des Nasdaq 100 um 0,38 Prozent zulegten.
Die Teuerungsrate im August lag bei 3,7 Prozent, leicht über den Erwartungen, aber die Kernrate, bei der Preise für Energie und Lebensmittel herausgerechnet werden, sank wie erwartet von 4,7 auf 4,3 Prozent. Dies könnte auf eine vorübergehende Inflationspause hindeuten, jedoch nicht unbedingt auf das Ende des Zinserhöhungszyklus der US-Notenbank Federal Reserve (Fed). Experten gehen davon aus, dass die Fed in diesem Monat eine Pause einlegen wird, aber die Zinsen im November noch einmal erhöhen könnte, es sei denn, es kommt zu einer unerwarteten Rezession.
Der jüngste Anstieg der Ölpreise auf ein Zehn-Monats-Hoch und starke Wirtschaftsdaten haben Sorgen vor einer hartnäckigen Inflation genährt und Zweifel an einem Ende des Zinserhöhungszyklus geweckt. Die endgültige Entscheidung über den Leitzins wird am 20. September erwartet. Auch der deutsche Aktienmarkt verzeichnete leichte Verluste, wobei der DAX zeitweise um 1 Prozent auf 15.564 Punkte fiel, sich aber bis Handelsschluss auf ein Minus von 0,39 Prozent erholte. Die US-Inflationsdaten sorgten für einige Kursschwankungen und schließlich für eine leichte Entspannung.
Trotz dieser Erholung bleibt der DAX in einer prekären charttechnischen Lage. Der Index liegt knapp unter seinem Vorwochentief bei 15.577 Punkten und nähert sich einer entscheidenden Haltezone. Diese Zone erstreckt sich über die Verlaufstiefs vom August und Juli bei 15.456/15.469 Punkten und wird durch die 200-Tage-Linie verstärkt. Ein Abfall des Index unter dieses Niveau würde wahrscheinlich weitere Verluste nach sich ziehen, so Marktexperten.
Die Devisenmärkte reagierten nervös auf die US-Preisdaten, und der Euro schwächte sich am Abend auf 1,0730 Dollar ab. Die Feinunze Gold notierte bei 1.908 Dollar. Die Ölpreise verzeichneten zunächst einen Höhenflug, wobei die Notierung für ein Barrel der Nordseesorte Brent zeitweise den höchsten Stand seit November erreichte. Dieser Anstieg ist auf das knappe Angebot großer Förderländer wie Saudi-Arabien und Russland zurückzuführen, das zu einem erheblichen Angebotsmangel führt, wie die Internationale Energieagentur (IEA) berichtet.
Die Ölvorräte könnten auf ein unangenehm niedriges Niveau sinken, obwohl in der vergangenen Woche überraschend ein Anstieg der Rohölvorräte in den USA verzeichnet wurde. Dies könnte die Preise beeinflussen und die Unsicherheit auf den Rohstoffmärkten verstärken.
Die Aktie von Apple verlor in New York 1,2 Prozent, nachdem die französische Strahlenaufsicht ANFR eine leichte Überschreitung der Grenzwerte für elektromagnetische Strahlung beim iPhone 12 festgestellt hatte. Apple verteidigte sein Produkt und betonte, dass internationale Grenzwerte eingehalten würden. Im DAX konnten sich die Aktien von Mercedes-Benz, VW, Porsche und BMW erfolgreich gegen den Markttrend stemmen, da die EU-Kommission die Subventionen für chinesische E-Autobauer prüft.
Die Bayer-Aktie hingegen verlor an Wert, da die US-Bank JPMorgan die Markterwartungen für das Unternehmen als zu hoch einschätzte und ein geringes Wachstum für 2024 prognostizierte. In der Pharma- und Technologiebranche plant Merck, ab Oktober in Deutschland und anderen Ländern ein Programm zur finanziellen Unterstützung der Mitarbeiter bei Kinderwunschbehandlungen einzuführen.
Die HHLA-Aktie verzeichnete einen Gewinn von fast 50 Prozent, nachdem Klaus-Michael Kühne, ein Logistikunternehmer, ein mögliches Übernahmeangebot für den Terminal-Betreiber im Hamburger Hafen ankündigte. Die Teamviewer-Aktie im MDAX stieg an, da das Ende als Hauptsponsor des Fußballclubs Manchester United ab der nächsten Saison erwartungsgemäß positiv auf die Profitabilität des Unternehmens wirken soll.
