Indien setzt auf Wachstum: Budget 2026 fokussiert Fertigung und KI-Investitionen
Finanzministerin Sitharaman präsentiert ehrgeizigen Haushalt mit 7,4 Prozent Wachstumsprognose und Strukturreformen für entwickelte Volkswirtschaft.

Indiens Finanzministerin Nirmala Sitharaman hat das Jahresbudget 2026 vorgestellt, das auf beschleunigtes Wirtschaftswachstum und strukturelle Modernisierung setzt. Die indische Wirtschaft soll im laufenden Geschäftsjahr um 7,4 Prozent wachsen, bei einer Inflationsrate nahe 2 Prozent. Das Haushaltsdefizit wird auf 4,4 Prozent des BIP prognostiziert. Für das ab April beginnende Fiskaljahr erwartet die Regierung laut Wirtschaftsumfrage ein Wachstum zwischen 6,8 und 7,2 Prozent.
Premierminister Modi betonte die strategische Bedeutung der kommenden 25 Jahre für Indiens Transformation zu einer entwickelten Volkswirtschaft. "Next-Generation-Reformen" sollen Vorhersehbarkeit schaffen und das internationale Vertrauen stärken. Der Haushalt konzentriert sich auf Strukturreformen, den Aufbau eines robusten Finanzsektors und verstärkte Investitionen in Spitzentechnologien wie Künstliche Intelligenz.
Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf der Ankurbelung der Fertigungsindustrie. Nach zwei früheren Versuchen plant die Regierung einen dritten großen Schub, um den Anteil der Fertigung an der Wirtschaft zu erhöhen. Die Vorschriften für Investitionen in die Verteidigungsfertigung sollen gelockert werden. Konkret kündigte Sitharaman die Einrichtung eines Mega-Textilparks zur Förderung von Khadi, Seide und anderen Textilindustrien sowie die Entwicklung von Seltene-Erden-Korridoren zur Stärkung der Mineralversorgung an.
KMU-Förderung und Kapitalmarkt-Reformen
Das Budget 2026 setzt neue Akzente im Bereich kleine und mittlere Unternehmen. Die Regierung stellt 10.000 Crore INR für einen KMU-Wachstumsfonds bereit, um diesen Sektor als attraktive Alternative für ausländische Investoren zu positionieren. Dies könnte MSME-Börsengänge lukrativer gestalten und das AIF-Ökosystem für Investitionen in diesem Segment fördern.
Ein bedeutendes Signal für internationale Investoren ist die Ausweitung des Portfolio Investment Scheme für im Ausland ansässige Personen. Die Regierung verdoppelt das Limit pro Investor von 5 auf 10 Prozent und erhöht die aggregierte Obergrenze von 10 auf 24 Prozent. Diese Maßnahmen schaffen signifikanten Spielraum bei Mittel- und Großkapitalwerten und positionieren indische Aktien als Kernanlage in globalen Portfolios.
Technologie und Halbleiter im Fokus
Die "Semicon Mission 2.0" gilt als wichtiger Meilenstein für den Aufbau eines robusten Ökosystems in der Halbleiter- und Elektronikkomponentenfertigung. Der Fokus liegt auf Technologien der nächsten Generation für Verteidigung, Elektromobilität, Telekommunikation, KI und Computing. Die Fortsetzung der Politik im Elektronik- und Halbleiterbereich wird als strukturell positiv bewertet, da sie die Ertragssichtbarkeit erhöht.
Im Bankensektor stehen Reformen zur Stärkung der Finanzstabilität, Inklusion und des Verbraucherschutzes an. Die Einrichtung eines hochrangigen Ausschusses für das Bankwesen soll diese Agenda vorantreiben, was als kreditpositiv für den Sektor gilt. Die Betonung auf stärkere Handelsbeziehungen mit der Europäischen Union wird als wichtig für exportorientierte Fertigungsthemen hervorgehoben.
Entspannung im Handelsstreit mit den USA
In den internationalen Beziehungen zeichnet sich eine Entspannung ab. Präsident Trump deutete an, dass Indien bald wieder venezolanisches Öl kaufen werde, um Importe aus Russland zu ersetzen. Dies spiegelt eine Verbesserung der angespannten Beziehungen zwischen den USA und Indien wider. Zuvor hatte Trump im August Zölle auf indische Importe auf 50 Prozent erhöht, um Indien zum Stopp russischer Ölkäufe zu bewegen. US-Finanzminister Scott Bessent hatte jedoch im Januar angedeutet, dass dieser zusätzliche Zoll angesichts einer deutlichen Reduzierung der russischen Öleinfuhren Indiens aufgehoben werden könnte.
