Indexfonds steigen: Warum Anleger zwischen Glück und Klugheit unterscheiden sollten
US-Märkte starten nach dem Jobs Day gedämpft, während ein Blick auf Index-ETFs zeigt, wie viel Zufall in Renditen steckt.

Die US-Aktienmärkte dürften nach dem Anstieg am „Jobs Day" am Freitag mit einem leicht gedämpfteren Eröffnungskurs starten. Belastet wird die Stimmung von schwächelnden europäischen Aktienkursen, die unter fiskalischen Bedenken und Wachstumsängsten litten. Auch der Euro steht unter Druck: Er kauft derzeit so wenige Dollar wie seit 17 Monaten nicht mehr.
Diese Marktbewegungen sind für Anleger ein guter Anlass, grundsätzlicher über die eigene Anlagestrategie nachzudenken. Denn während viele Investoren ihre Gewinne klugen Entscheidungen zuschreiben, lohnt sich der genaue Blick auf die Ursachen. Wie eine Analyse zeigt, steckt in den Renditen von Indexfonds oft mehr Zufall, als Anleger wahrhaben wollen.
Früher mussten Anleger einen menschlichen Investmentfondsmanager beauftragen, wenn sie ihr Vermögen in Nischenkategorien investieren wollten, die vielversprechend erschienen. Doch diese Profis neigen dazu, sich von ihren Benchmarks zu entfernen – und das oft in die falsche Richtung. Mit rund 2.000 Index-ETFs, die heute mit einem einzigen Klick verfügbar sind, können Amerikaner genau jene Aktienkörbe kaufen und verkaufen, die diese Fondsmanager als Zielvorgabe nutzen. Das scheint das Zufallsprinzip auszuschließen – tut es aber nicht.
Die Lehre aus dem Jahr 2021
Betrachten wir eine seltsame Wendung der Ereignisse Anfang 2021. Damals sahen sich Value-Investoren gezwungen, den „Marktstaub aufzuschnappen", und Small-Cap-Value-Aktien schnitten besonders schlecht ab. Anleger, die die Zähne zusammenbissen und Fonds kauften, die einen führenden Small-Cap-Value-Index nachbildeten, erzielten anschließend beeindruckende Gewinne – jedoch nicht, weil sie einen markanten Wendepunkt identifiziert hätten. Sie lagen vielmehr etwa ein Jahr zu früh.
Statt einer nachhaltigen Erholung der Fundamentaldaten packte die Meme-Stock-Mania den Markt kurzzeitig fest. Zwei Unternehmen mit Verlustgeschäft, GameStop und AMC Entertainment, befanden sich vorübergehend unter den größten Bestandteilen des sonst eher unspektakulären Russell-2000-Value-Index. Diese Benchmark schlug den S&P 500 im ersten Quartal deutlich.
Was das für Anleger bedeutet
Der Fall zeigt ein grundlegendes Problem der passiven Geldanlage: Wer einen Index nachbildet, übernimmt automatisch dessen Zusammensetzung – auch wenn einzelne Bestandteile kurzfristig durch Spekulation statt durch Geschäftsergebnisse getrieben werden. Ein Indexfonds ist damit kein Garant für eine „saubere" Anlageentscheidung. Seine Rendite kann von überraschenden Bestandteilen stammen, die mit der eigentlichen Investmentthese wenig zu tun haben.
Für deutsche Privatanleger, die zunehmend auf kostengünstige ETFs setzen, ist diese Erkenntnis relevant. Denn die Frage „War es Glück oder Klugheit?" stellt sich bei jedem Indexinvestment neu. Wer sein Portfolio langfristig aufbaut, sollte daher nicht jeden kurzfristigen Erfolg als Beweis für die eigene Strategie deuten. Wie es in der Analyse heißt: Bleiben Sie bescheiden, falls dies aufgehen sollte – es kann auch an überraschenden Bestandteilen liegen.
Die aktuelle Marktlage unterstreicht diese Skepsis. Die schwachen europäischen Kurse und der Kursverfall des Euro gegenüber dem Dollar zeigen, wie schnell sich Rahmenbedingungen ändern können. Wer heute von steigenden Indexfonds profitiert, sollte dennoch prüfen, welcher Anteil der Rendite auf fundamentale Entwicklungen und welcher auf Zufall zurückgeht. Genau diese Unterscheidung trennt dauerhaften Anlageerfolg von einem kurzfristigen Glückstreffer.
