IG Metall mobilisiert Tausende gegen Stellenabbau in der Autoindustrie
Beschäftigte von VW, Mercedes-Benz, BMW und Bosch protestieren gegen Sparpläne, steigende Kosten und wachsende China-Konkurrenz.

Tausende Beschäftigte der deutschen Automobilindustrie sind am Montag auf die Straße gegangen, um gegen massive Stellenabbau-Pläne und die staatliche Industriepolitik zu protestieren. Der Aufruf zur Mobilisierung kam von der Gewerkschaft IG Metall. Die Demonstration war bereits im vergangenen Monat angekündigt worden und bringt Mitarbeiter von Unternehmen wie Volkswagen, Mercedes-Benz, BMW sowie Bosch zusammen.
Der Protest fällt in eine angespannte Phase für die Branche. Der Wettbewerbsdruck durch chinesische Konkurrenten nimmt deutlich zu – sowohl auf dem chinesischen Markt als auch zunehmend in Europa. Gleichzeitig belasten steigende Produktionskosten und US-Zölle die deutschen Hersteller. Für die Beschäftigten geht es damit um weit mehr als einzelne Sparmaßnahmen: Es steht die Zukunft ganzer Standorte und tausender Arbeitsplätze auf dem Spiel.
Volkswagen korrigiert Gewinnprognose nach unten
Erst am Freitag hatte Volkswagen seine Gewinnprognosen für das laufende Jahr nach unten korrigiert. Zuvor war eine neue Runde von Umstrukturierungsmaßnahmen genehmigt worden. Diese könnten die Gesamtzahl der zu streichenden Arbeitsplätze auf bis zu 100.000 verdoppeln. Für den größten deutschen Autobauer ist dies ein weiterer Schritt in einem bereits laufenden Sparprogramm, das die Belegschaft und die IG Metall seit Monaten beschäftigt.
Auch bei Mercedes-Benz läuft der Umbau auf Hochtouren. Der Stuttgarter Hersteller hatte seine Absatzprognosen im Sommer gesenkt. Bereits im Vorjahr hatte das Unternehmen Pläne vorgestellt, durch eine Reihe von Maßnahmen mehr Effizienz zu erzielen. Dazu gehören unter anderem Stellenkürzungen und die Verlagerung eines Teils der Produktion vom deutschen Heimatmarkt in Länder mit niedrigeren Kosten, etwa nach Ungarn.
An den Märkten spiegelt sich die Verunsicherung wider. Die Volkswagen-Vorzugsaktie notierte zuletzt mit einem Minus von 3,08 Prozent, die BMW-Aktie verlor 2,85 Prozent. Die Kurse unterstreichen, wie nervös Investoren auf die Nachrichtenlage rund um Stellenabbau und Prognosekorrekturen reagieren.
Druck von mehreren Seiten
Die aktuelle Situation der deutschen Autoindustrie ist von mehreren Faktoren geprägt, die sich gegenseitig verstärken:
- Wachsende Konkurrenz durch chinesische Hersteller, sowohl im Reich der Mitte als auch in Europa
- Steigende Produktionskosten am Standort Deutschland
- Zusätzliche Belastungen durch US-Zölle
- Umbauprogramme bei den großen Herstellern mit Stellenstreichungen und Produktionsverlagerungen
Für die Beschäftigten bedeutet dies eine ungewisse Zukunft. Die IG Metall hatte die Proteste frühzeitig angekündigt und damit ein klares Signal gesetzt, dass die Gewerkschaft die Sparpläne der Konzerne nicht ohne Widerstand hinnehmen will. Die Demonstration am Montag ist Ausdruck dieses Konflikts zwischen Kostensenkungsdruck auf der einen und dem Schutz von Arbeitsplätzen auf der anderen Seite.
Die deutsche Automobilindustrie gilt als Rückgrat der heimischen Wirtschaft und beschäftigt Hunderttausende Menschen. Umso größer ist die Tragweite, wenn Hersteller wie Volkswagen bis zu 100.000 Stellen zur Disposition stellen und Produktionskapazitäten ins Ausland verlagern. Beobachter dürften die weiteren Verhandlungen zwischen Konzernspitzen, Betriebsräten und Politik daher genau verfolgen. Der Protest vom Montag macht deutlich, dass die Auseinandersetzung um die Zukunft der Branche gerade erst begonnen hat.
