Bentley Torcal: Erstes E-Auto kostet halb so viel wie Ferrari Luce
Der britische Luxushersteller Bentley hat mit dem Torcal sein erstes Elektroauto vorgestellt – zu einem Preis, der Ferraris Luce deutlich unterbietet.

Bentley hat sein erstes Elektroauto vorgestellt. Der britische Luxusautomobilhersteller präsentierte den Torcal, ein SUV, mit dem die Marke jüngere und erstmalige Kunden gewinnen will. Mit einem Einstiegspreis von 173.300 Pfund Sterling soll das Modell voraussichtlich weniger als die Hälfte dessen kosten, was der italienische Rivale Ferrari für seinen elektrischen Luce verlangt.
Der Torcal wird das vierte und zugleich günstigste Fahrzeug in Bentleys Modellpalette sein. Die Reichweite gibt der Hersteller mit bis zu 600 Kilometern an. Ferrari hatte seinen rein elektrischen Luce im Mai vorgestellt – zu einem Einstiegspreis von 550.000 Euro, umgerechnet 472.000 Pfund Sterling, und mit einer Reichweite von 530 Kilometern.
Bentleys Chef Frank-Steffen Walliser betonte den eigenständigen Charakter des neuen Modells. Alles am Torcal – vom Design über das Fahrgefühl bis hin zur Fahrerfahrung – sei „typisch Bentley“. Mit Blick auf den Zeitpunkt des Markteintritts sagte er dem „Financial Times“: „Mein Bauchgefühl sagte mir stets, dass das Timing perfekt sein könnte. Ich würde sagen, es ist auch vorteilhaft, nicht der Erste zu sein.“
Die Details
Der Torcal ist kleiner als der Bentayga, den Bentley 2015 als sein erstes SUV eingeführt hatte und der zugleich das leistungsstärkste Fahrzeug der Marke ist. Das neue E-Modell besticht durch ein muskulöses Design und einen Kühlergrill mit dem markanten Diamantmuster des Unternehmens. Auf das Nachahmen des Geräuschs eines V8-Motors verzichtet Bentley bewusst: Stattdessen verfügt das E-Auto über einen Propulsionssound, der handwerklich von Musikern gestaltet wurde und eine einzigartige Mischung aus Perkussionsklängen, Kristallglas, Vogelstimmen und dem Klopfen von Leder vereint.
Die zum Volkswagen-Konzern gehörende Luxusmarke gab zudem bekannt, dass sie eine Investition von 350 Millionen Pfund Sterling in die Entwicklung und den Bau des Torcal in ihrem Werk in Crewe abgeschlossen hat. Damit steigt die Gesamtinvestition in den britischen Automobilsektor auf mehr als 1 Milliarde Pfund Sterling – einschließlich Investitionszusagen von McLaren und Nissan in Höhe von insgesamt 670 Millionen Pfund Sterling in der vergangenen Woche. Die Investitionen werden nach Angaben des Unternehmens 4.000 Arbeitsplätze in Großbritannien sichern.
Der Produktionsstart des Modells, das in 16 Minuten von 10 auf 80 Prozent aufgeladen werden kann, ist für das zweite Quartal 2027 geplant. Ein Verkaufsziel nannte Bentley nicht; Walliser sagte jedoch, man erwarte eine Nachfrage auf dem Niveau der Modelle Continental und Bentayga. Der Verkauf von SUVs dürfte mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes ausmachen. Zu den Margen des E-Autos angesichts der erschwinglichen Preisgestaltung wollte er sich nicht äußern, fügte aber hinzu, dass das Unternehmen von der Nutzung der Lieferketten von VW profitieren könne: „Unser Grund für das Bestehen ist es, Geld zu verdienen.“
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 26.05.2026 berichtete aktien.news, dass Ferrari in Rom sein erstes vollelektrisches Fahrzeug vorgestellt hatte: den viertürigen Luce, italienisch für „Licht“. Das Modell markierte einen historischen Strategiewechsel für den traditionsreichen Luxussportwagenhersteller aus Maranello und war zugleich der erste Fünfsitzer in der Unternehmensgeschichte. Die Präsentation fand vor mehr als 200 Reportern statt und wurde als aufwendige Lichtshow inszeniert. Mit einem Einstiegspreis von 550.000 Euro richtete sich das Modell an wohlhabende Familien.
Ebenfalls am 26.05.2026 meldete aktien.news, dass der Einstiegspreis des Luce in Italien bei 550.000 Euro liegt, was rund 640.000 US-Dollar entspricht. Damit zählte das Modell zu den teuersten Ferrari-Fahrzeugen, die nicht in limitierter Stückzahl produziert werden. Das Design des Luce entstand in Zusammenarbeit mit Jony Ive, dem ehemaligen Chefdesigner von Apple. Am 27.05.2026 berichtete aktien.news, dass der Name vom italienischen Wort für „Licht“ stammt und das Fahrzeug konsequent auf Glas, Licht und Raum als gestalterische Elemente setzt.
Am 28.05.2026 schließlich verteidigte Ferrari-Chef Benedetto Vigna den Preis von 550.000 Euro (rund 640.000 US-Dollar) für den Luce. Bei einem Rundtischgespräch im italienischen Modena erklärte er, die Kosten seien ein angemessener Preis für Innovation. Der Luce beschleunigt in etwa 2,5 Sekunden auf 60 mph und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von rund 192 mph.
Was das für Anleger bedeutet
Der Start des Torcal fällt in eine herausfordernde Phase für Bentley. Das Unternehmen kämpft mit verlangsamter Nachfrage in China, den Nachwirkungen des Konflikts im Nahen Osten und höheren US-Zöllen. Wie der gesamte VW-Konzern hat Bentley seine Belegschaft reduziert, da Gewinne und Fahrzeuglieferungen zurückgegangen sind. „Es ist ernst“, sagte Walliser. „Wir müssen die Wettbewerbsfähigkeit zurückgewinnen. Wir müssen schnell sein … wir müssen härter arbeiten.“
Für Anleger relevant ist die Positionierung im Luxussegment: Rund die Hälfte des frühen Interesses am Torcal stammt laut Walliser von Neukunden, und er will die Attraktivität von Bentley auf eine jüngere Generation in ihren Vierzigern ausweiten. Damit adressiert das Modell eine Käufergruppe, die bislang nicht zur traditionellen Kundschaft zählte, welche größtenteils aus wohlhabenden Automobilenthusiasten besteht.
Der Luxussektor bleibt hinsichtlich des Tempos des elektrischen Übergangs tief gespalten. Lamborghini, das ebenfalls Teil des VW-Konzerns ist, hat seinen Plan aufgegeben, bis 2030 sein erstes E-Auto vorzustellen. McLaren hat seine Strategie geändert und konzentriert sich nun auf den Start seines ersten Hybrid-SUV. Bentley hatte in den vergangenen Jahren seinen ehrgeizigen Elektro-Fahrplan erheblich zurückgeschraubt, nach dem jedes Jahr ab 2025 bis Ende des Jahrzehnts ein neues E-Auto eingeführt werden sollte. Diese unterschiedlichen Strategien zeigen, wie uneinheitlich die Branche auf die Nachfrage nach Luxus-Elektrofahrzeugen reagiert.
Walliser bezeichnete den Start des Torcal dennoch als „wichtigen Meilenstein“, der die bestehende Flotte ergänzen und Verbrauchern jede Antriebsart bieten werde – vom Verbrennungsmotor über Hybride bis hin zu E-Autos. „Es geht nicht darum, einen Bentley durch einen anderen Bentley zu ersetzen“, fügte er hinzu. Nachfrage nach Luxus-Elektrofahrzeugen entsteht in Europa und unter US-Technikunternehmern, insbesondere im Zuge steigender Kraftstoffpreise.
Ausblick
Die Produktion des Torcal beginnt im zweiten Quartal 2027 im Werk Crewe. Bentley erwartet eine Nachfrage auf dem Niveau der Modelle Continental und Bentayga; der Verkauf von SUVs dürfte mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes ausmachen. Der vorsichtige Einstieg der Branche erfolgt angesichts des Wettbewerbs chinesischer Rivalen, die höhere Preise für ihre elektrischen Modelle erzielen wollen. Walliser zeigte sich zugleich überzeugt von der europäischen Positionierung: „Luxus kommt aus dem Herzen Europas“, sagte er und verwies darauf, dass europäische Luxusgruppen für ihre Geschichte des Erbes und der Handwerkskunst bekannt seien.
Kurz erklärt
- Einstiegspreis: der niedrigste Preis, zu dem ein Fahrzeugmodell in einer Baureihe angeboten wird.
- Reichweite: die Strecke, die ein Elektrofahrzeug mit einer Batterieladung zurücklegen kann.
- Propulsionssound: ein künstlich erzeugtes Fahrgeräusch, das ein Elektroauto beim Fahren abgibt.
