IfW-Studie: Berliner Enteignungsplan löst Wohnungskrise nicht
Eine neue Studie des Kieler Instituts für Weltwirtschaft bezweifelt den Nutzen der geplanten Enteignung großer Wohnungskonzerne in Berlin.

Eine am Dienstag veröffentlichte Studie des Kieler Instituts für die Weltwirtschaft (IfW) kommt zu dem Ergebnis, dass die Enteignung großer privater Wohnimmobilienverwalter in Berlin das Wohnungsproblem der Stadt nicht lösen würde. Die Untersuchung warnt sogar, dass ein solcher Schritt die Steifigkeit des Mietmarktes erhöhen könnte. Damit trifft die Analyse den Kern einer politischen Debatte, die die deutsche Hauptstadt seit Monaten beschäftigt.
Hintergrund ist das Wahlversprechen von Elif Eralp, der parteiübergreifenden Spitzenkandidatin der Partei Die Linke, die das Amt des Berliner Bürgermeisters anstrebt. Eralp hatte zugesagt, mehr als 200.000 Wohneinheiten von gewerblichen Vermietern zu enteignen. Diese Kampagne trug dazu bei, dass die Partei bei den Wahlen im vergangenen Monat in der deutschen Hauptstadt ihr bestes Ergebnis seit Bestehen erzielte.
Die IfW-Forscher rechneten durch, was passieren würde, wenn die für eine Entschädigung aufgewendeten Mittel stattdessen in den Neubau fließen würden. Demnach hätte Berlin bis zum Jahr 2045 bis zu 71.000 zusätzliche Wohnungen bauen können, wenn die Gelder, die zur Entschädigung von Unternehmen wie Vonovia hätten aufgebracht werden müssen, in den Wohnungsbau geflossen wären. Dieser Ansatz könnte dazu führen, dass die geforderten Mieten bis dahin um 8,7 Prozent niedriger ausfallen würden als die ursprünglich projizierten Werte.
Milliardenschwere Entschädigungen im Raum
Die wirtschaftliche Dimension des Vorhabens ist erheblich. Die Märkte der betroffenen Immobilienportfolios, die von der Enteignung betroffen wären, haben einen geschätzten Marktwert von 40,2 Milliarden Euro (rund 45,6 Milliarden US-Dollar). Die Entschädigungssumme könnte laut der Studie etwa die Hälfte dieses Wertes betragen. Es geht also um einen zweistelligen Milliardenbetrag, der am Kapitalmarkt aufgebracht werden müsste.
Die Autoren der Studie stellen die grundsätzliche Frage nach dem richtigen Ansatz in den Mittelpunkt. „Es kommt nicht darauf an, wem die Wohnungen gehören, sondern darauf, ob neue hinzugefügt werden“, sagte Mitautor Jonas Zdrzalek. Diese Aussage fasst die zentrale These der Untersuchung zusammen: Entscheidend für die Entspannung des Mietmarktes ist demnach das Angebot, nicht die Eigentümerstruktur.
Darüber hinaus warnt die Studie vor den Nebenwirkungen staatlichen Eigentums. Ein solcher Schritt würde die Kluft zwischen Mietern mit regulierten Altverträgen und potenziellen neuen Mietern vergrößern. Dies würde die Mobilität einschränken und zu einer ineffizienteren Nutzung von Wohnraum führen. Wer heute einen günstigen Altvertrag besitzt, hätte demnach kaum noch einen Anreiz, in eine besser passende, aber teurere Wohnung zu wechseln.
Für deutsche Privatanleger ist die Debatte auch deshalb relevant, weil börsennotierte Wohnungskonzerne wie Vonovia direkt betroffen wären. Ein Enteignungsverfahren würde nicht nur die Bewertung der betroffenen Portfolios, sondern auch die Planungssicherheit für Investoren in deutschen Wohnimmobilien berühren. Die IfW-Analyse liefert damit ein Argument für die Gegner des Volksbegehrens und dürfte die politische Debatte in Berlin weiter anheizen.
Der Artikel wurde mit Unterstützung der KI erstellt und von einem Redakteur überprüft.
