Hublot Tributo: Hommage an den Gründer trifft auf Kritik und Umsatzrückgang
Hublot ehrt Gründer Carlo Crocco mit der Classic Fusion Tributo – doch Sammler kritisieren Werk und Preis, während die Umsätze deutlich zurückgehen.

Hublot hat mit der Classic Fusion Tributo eine Neuauflage seiner ersten Uhr vorgestellt. Die Hommage an Gründer Carlo Crocco wurde am 15. Oktober in Mailand präsentiert. Das Modell erscheint in zwei Versionen aus Gelb- und Weißgold und ist nicht limitiert. Der Preis liegt bei jeweils 29.200 Euro.
Technisch wächst das Gehäuse von 36 auf 38 Millimeter, die Höhe beträgt 9,5 Millimeter, die Wasserdichtigkeit 100 Meter. Auf das "One Click"-Wechselsystem, das Hublot bei vielen anderen Modellen einsetzt, verzichtet die Tributo. Im Inneren arbeitet das Automatikwerk HUB1711 aus der Zenith-Familie Elite mit einer Gangreserve von rund 50 Stunden und einem durchbrochenen Hublot-H-Rotor. Hublot spendet 100.000 Franken an Croccos Stiftung Main dans la Main.
Bei Sammlern kommt die Neuauflage jedoch nicht nur gut an. Kritisiert werden vor allem das Werk und der Preis. Auf Instagram bezeichneten Nutzer den Preis als absolut schockierend. Ein Hodinkee-Instagram-Beitrag zur Uhr sammelte binnen Tagen über 1000 Likes – ein Zeichen, wie intensiv die Community das Modell diskutiert. CEO Julien Tornare hat die polarisierende Wahrnehmung seiner Marke selbst eingeräumt: "Es ist sehr einfach, Hublot zu hassen".
Von der Quarzkrise zur "Uhr der Könige"
Die Geschichte der Marke reicht zurück bis 1980. Crocco gründete Hublot damals in Basel, mitten in der Quarzkrise, als die Schweizer Uhrenindustrie die japanische Konkurrenz fürchtete. Crocco stammte aus einer italienischen Uhrenfamilie, die die Einsteigermarke Breil führte, und vertrieb Schweizer Marken in Italien. In dieser Zeit entwickelte er über drei Jahre gemeinsam mit einem italienischen Forschungszentrum und einem Gummispezialisten ein Kautschukband. Das Band erhielt Stahleinlagen und einen Hauch Vanilleduft. Den ungewöhnlichen Weg begründete Crocco mit den Worten: "Weil wir nicht das tun wollten, was alle anderen taten".
Zunächst hieß die Firma MDM, benannt nach Croccos Frau Marie-Danielle. Das MDM-Logo findet sich auf dem Zifferblatt der Gelbgold-Version der Tributo. Ein Kautschukband an einer Golduhr galt seinerzeit als Sakrileg – Crocco machte es hoffähig. Das integrierte Band schloss bündig ans Gehäuse an, die Lünette erinnert an Gérald Gentas Royal Oak von 1972. Crocco selbst verortet die Idee in der Damenuhr Marie-Danielle von 1975. Zwölf Schrauben ersetzen die Stundenindizes, das Zifferblatt bleibt leer. Die Uhr galt bald als "Uhr der Könige", nachdem der ehemalige griechische König Konstantin in Gstaad zwei Exemplare gekauft hatte.
Vom Big Bang zum Umsatzrückgang
2004 stieg Jean-Claude Biver als Chef und Minderheitsaktionär bei Hublot ein; Berichten zufolge hielt er rund 20 Prozent. Damals setzte die Marke rund 25 Millionen Franken um. 2005 folgte der Big Bang, das Gegenteil der schlichten Crocco-Uhr: groß und aus Materialmixen. Der Umsatz sprang 2007 auf 157 Millionen Franken, 2008 lag er beim Zugriff von LVMH bei rund 200 Millionen Franken. LVMH kaufte Hublot 2008; der Kaufpreis wurde nie veröffentlicht, Schätzungen zufolge lag er zwischen 380 und 500 Millionen Franken.
2023 erreichte Hublot mit rund 670 Millionen Franken seinen bisherigen Umsatzhöhepunkt, wie Schätzungen von Morgan Stanley und LuxeConsult zeigen. Für 2025 taxieren die Analysten die Marke nur noch auf rund 460 Millionen Franken. Die Stückzahlen liegen schätzungsweise bei etwa 32.000 Uhren, was Platz 16 bedeutet. CEO Julien Tornare, seit September 2024 im Amt, nannte im Januar 2026 rund 40.000 Uhren pro Jahr und einen Durchschnittspreis von 17.000 Franken. Rechnerisch ergibt das rund 680 Millionen Franken zu Ladenpreisen.
Das Bennahmias-Gerücht
Im Raum steht zudem ein Personalgerücht: François-Henry Bennahmias soll als Berater zu Hublot kommen. Die Quelle Glitz Paris beruft sich auf ein internes Memo; Hodinkee und Milano Finanza griffen den Bericht auf. Offiziell bestätigt ist nichts. Bennahmias führte Audemars Piguet von 2013 bis 2023 und verdreifachte dort nahezu den Umsatz. AP setzt heute nach Schätzungen 2,6 Milliarden Franken um und liegt knapp vor Patek Philippe. Bennahmias hatte die Royal Oak ins Zentrum gestellt und Millenary sowie Jules Audemars auslaufen lassen; laut eigener Aussage wollte er die Royal Oak sogar einstellen, doch Sammler überzeugten ihn.
Für Anleger ist die Einordnung wichtig: LVMH führt seine Marken als Portfolio und erzählt deren Geschichte oft neu. Frédéric Arnault hatte im Dezember 2024 erklärt, die Milliardengrenze sei "sehr bald" erreichbar. Davon ist Hublot aktuell weit entfernt. Die Tributo zeigt, wie schmal der Grat zwischen Heritage-Pflege und Sammlerkritik ist. Konzernschwester TAG Heuer gelang es 2001, mit Jack Heuer als Ehrenpräsident einen lebenden Zeugen der Geschichte einzubinden. Ob Hublot mit der Hommage an Crocco ähnlich punkten kann, dürfte auch vom weiteren Umsatzverlauf abhängen.
