Hedgefonds verlieren im Oktober 10 Prozent und setzen auf US-Aktien
Goldmans Index der beliebtesten Hedgefonds-Positionen bricht um 10 Prozent ein – KI-Zweifel und Frankreichs Anleihemarkt belasten.

Der Oktober 2026 war für die Hedgefonds-Branche ein schmerzhafter Monat. Der von Goldman Sachs berechnete Index der beliebtesten Positionen von Hedgefonds verzeichnete im Oktober einen Verlust von 10 Prozent. Damit mussten die großen Marktteilnehmer einen der schwärzesten Monate des laufenden Jahres verkraften.
Zwei Entwicklungen nennt die Quelle als Hauptursachen für den Einbruch: das nachlassende Vertrauen in die Nachhaltigkeit des KI-Booms und das Chaos auf dem französischen Anleihemarkt. Diese negativen Entwicklungen stellten die Hedgefonds-Community vor unerwartete Herausforderungen und verursachten schwere Verluste.
Besonders deutlich wurde das Ausmaß am Donnerstag. Goldmans Prime Brokerage schätzte, dass systematische oder trendfolgende Fonds an diesem Tag einen Rückgang von 1,2 Prozent erlitten. Fundamentale Strategien brachen um 1,1 Prozent ein, Multi-Strategy-Fonds sanken um 1,4 Prozent. Um die Lage zu wenden, setzen die Hedgefonds nun auf US-Aktien.
Die Details
Im Zentrum der Betrachtung steht der Goldman-Sachs-Index der beliebtesten Positionen von Hedgefonds. Dieser Index bildet ab, wie sich die am stärksten konzentrierten Wetten der Branche entwickeln – also jene Positionen, in denen viele Fonds gleichzeitig engagiert sind. Ein Rückgang von 10 Prozent innerhalb eines Monats bedeutet, dass genau diese breit geteilten Wetten massiv an Wert verloren haben.
Die Tageszahlen vom Donnerstag liefern das detaillierteste Bild der Verluste. Goldman Sachs schätzt in seiner Funktion als Prime Brokerage – also als Abwicklungs- und Finanzierungsdienstleister für Hedgefonds – die Entwicklung verschiedener Strategietypen. Demnach verloren systematische oder trendfolgende Fonds 1,2 Prozent. Diese Fonds handeln nach regelbasierten und algorithmischen Vorgaben, folgen also überwiegend bestehenden Markttrends.
Fundamentale Strategien, die auf der Analyse von Unternehmensdaten und Bewertungen basieren, gaben um 1,1 Prozent nach. Multi-Strategy-Fonds, die mehrere Anlagestrategien parallel verfolgen, verzeichneten mit 1,4 Prozent den stärksten Rückgang des Tages. Die drei Zahlen zeigen, dass die Verluste breit über die gesamte Branche streuten und nicht auf einen einzelnen Ansatz beschränkt blieben.
Als Reaktion auf die Verluste richten die Hedgefonds ihren Blick nun wieder verstärkt auf US-Aktien. Diese Neuausrichtung gilt als Versuch, die Lage zu wenden und die im Oktober erlittenen Einbußen auszugleichen.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuellen Verluste sind Teil einer längeren Serie von Rückschlägen, über die aktien.news in diesem Jahr bereits mehrfach berichtet hat. Bereits am 05.02.2026 meldete aktien.news, dass große Hedgefonds mit Fokus auf Aktienhandel ihren schlechtesten Handelstag seit fast einem Jahr erlebt hatten. Auslöser war damals ein neues juristisches KI-Tool auf Basis des Sprachmodells Claude von Anthropic. Investoren zeigten sich zunehmend besorgt über mögliche Störungen auf dem Arbeitsmarkt durch künstliche Intelligenz und schichteten Kapital von Technologiewerten in defensive Aktien wie Walmart um.
Am 10.07.2026 berichtete aktien.news über eine Trendwende beim Handel mit künstlicher Intelligenz und Momentum-Strategien. Seit dem 22. Juni hatten Hedgefonds demnach erhebliche Verluste bei Long-Short-Strategien verbucht. Besonders hart traf es systematische Manager, die einen Rückgang von 3,6 Prozent verzeichneten – den schlimmsten Drawdown seit dem Sommer 2025. Diese Verluste machten rund ein Viertel der diesjährigen Gewinne dieser Fondsgruppe zunichte.
Am 10.08.2026 folgte eine bemerkenswerte Kehrtwende: Nachdem sich die Fonds noch wenige Wochen zuvor aggressiv aus dem Markt zurückgezogen hatten, stiegen sie wieder verstärkt ein. Laut Goldman Sachs kauften Hedgefonds in den fünf Handelstagen bis zum vergangenen Donnerstag die zweite Woche in Folge globale Aktien. Die Brutto-Handelsaktivität stieg so schnell wie seit sieben Wochen nicht mehr, und Long-Käufe überstiegen die Short-Positionen.
Am 05.10.2026 schließlich berichtete aktien.news über gemischte Ergebnisse im September. Steigende Anleiherenditen, höhere Ölpreise und Kursschwankungen bei KI-Aktiven sorgten für Verkaufsdruck. Globale fundamentale Equity-Long-Short-Fonds verloren im September durchschnittlich 0,55 Prozent, übertrafen damit aber den MSCI World Index, der im September um 1,3 Prozent fiel.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger sind die Zahlen vor allem ein Stimmungsindikator. Hedgefonds gelten als die flexibelsten und am schnellsten reagierenden Marktteilnehmer. Wenn selbst diese Gruppe in einem Monat 10 Prozent auf ihre beliebtesten Positionen verliert, deutet das auf eine breite Unsicherheit an den internationalen Kapitalmärkten hin.
Bemerkenswert ist die Gleichzeitigkeit der Belastungen. Der nachlassende Glaube an den KI-Boom trifft auf Turbulenzen am französischen Anleihemarkt – zwei Themenfelder, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben. Für Anleger bedeutet das: Risiken können sich aus unterschiedlichen Richtungen gleichzeitig materialisieren.
Zugleich zeigt der Blick auf die September-Zahlen, dass Hedgefonds trotz Verlusten den breiten Markt schlagen können. Der Vergleich mit dem MSCI World Index fiel damals zugunsten der Fonds aus. Ein einzelner schwacher Monat sagt daher wenig über die längerfristige Entwicklung einer Strategie aus. Die aktuelle Neuausrichtung auf US-Aktien ist eine Reaktion der Fonds, keine Empfehlung für Privatanleger.
Ausblick
Die Quelle nennt keine konkreten Termine oder Prognosen für die kommenden Wochen. Klar ist nur die Richtung: Die Hedgefonds setzen zur Bewältigung der Verluste auf US-Aktien. Ob diese Wette aufgeht, hängt maßgeblich davon ab, wie sich das Vertrauen in den KI-Boom und die Lage am französischen Anleihemarkt weiterentwickeln. Beide Faktoren hatten den Oktober geprägt und die Verluste ausgelöst.
Kurz erklärt
- Hedgefonds: Ein Investmentfonds, der mit flexiblen und oft komplexen Strategien für vermögende Anleger arbeitet.
- Prime Brokerage: Die Sparte einer Investmentbank, die Hedgefonds finanziert, Handelsgeschäfte abwickelt und Marktdaten liefert.
- Systematische Fonds: Fonds, die nach festen Regeln und Algorithmen handeln statt nach menschlicher Einschätzung.
- Multi-Strategy-Fonds: Fonds, die mehrere Anlagestrategien gleichzeitig verfolgen, um Risiken zu streuen.
- Long-Short-Strategie: Ein Ansatz, bei dem Fonds gleichzeitig auf steigende und fallende Kurse setzen.
