Hassett: Inflation erfordert weitere Arbeit – Fed vor schwerer Entscheidung
Der Direktor des Nationalen Wirtschaftsrats räumt ein, dass die Teuerung in den USA wieder an Dynamik gewinnt.

Kevin Hassett, Direktor des Nationalen Wirtschaftsrats im Weißen Haus, hat am Montag erklärt, dass die Inflation politischer Aufmerksamkeit bedürfe. Hintergrund sind die Verbraucherpreisdaten für September, die einen anhaltenden Preisdruck gezeigt hätten. Allerdings seien die Preise bei einigen Gütern – darunter Rindfleisch und Eier – gesunken.
„Wenn man sich die vergangenen drei Monate ansieht, sah es so aus, als sei die Inflation vollständig unter Kontrolle, und jetzt sieht es so aus, als wäre sie gewissermaßen zurückgekehrt und benötigt weitere Maßnahmen", sagte Hassett am Montag gegenüber dem Sender CNBC. Damit räumt ein führender Wirtschaftsberater des Weißen Hauses ein, dass der Kampf gegen die Teuerung noch nicht gewonnen ist.
Die letzte Woche veröffentlichten Verbraucherpreisdaten zeigten, dass die Preise im September mit dem schnellsten Tempo seit fünf Monaten stiegen. Der Verbraucherpreisindex (VPI) erhöhte sich um 0,6 Prozent gegenüber dem Vormonat. Für die Märkte ist das ein deutliches Signal, dass sich der Preisdruck in der größten Volkswirtschaft der Welt noch nicht nachhaltig abschwächt.
Die Details
Ein Maß für die zugrunde liegenden Preisdruckfaktoren, das Lebensmittel und Energie ausschließt, stieg um 0,3 Prozent und übertraf damit die Erwartungen. Diese Kerninflation gilt an den Finanzmärkten als wichtiger Indikator, weil sie volatile Posten ausklammert und damit den zugrunde liegenden Trend sichtbarer macht. Genau dieser Wert wird von der Notenbank besonders aufmerksam verfolgt.
Hassett bewertete die jüngste Entwicklung mit Vorsicht: „Dies ist entweder eine Art Bruch vom Abwärtstrend oder ein Kuriosum", sagte er im Interview mit CNBC. Der Berater ließ damit offen, ob es sich um eine dauerhafte Trendwende oder um eine einmalige Abweichung handelt. Diese Unsicherheit prägt derzeit die Einschätzung der weiteren Preisentwicklung.
Der Vorsitzende der Federal Reserve, Kevin Warsh, ging letzte Woche nicht auf die Markterwartungen ein, die Zentralbank werde die Zinssätze auf ihrer Sitzung später in diesem Monat unverändert lassen. Während einer moderierten Diskussion bei den Jahrestreffen des Internationalen Währungsfonds (IWF) machte Warsh keine Angaben zur Geldpolitik oder zu seiner wirtschaftlichen Prognose – mit einer Ausnahme: Die Fed werde die Preisstabilität gewährleisten.
Hassett sagte, er respektiere die Unabhängigkeit der Zentralbank, und bemerkte, Warsh werde „tun, was er für richtig hält". Der Weiße-Haus-Berater vermied damit eine direkte Einmischung in die geldpolitische Entscheidungsfindung. Beobachter werten diese Zurückhaltung als bemerkenswert, da sich das Weiße Haus in der Vergangenheit wiederholt zur Geldpolitik geäußert hatte.
Zur Konjunktur äußerte sich Hassett optimistisch: „Die Menschen sind wirklich euphorisch darüber, wie gut die Wirtschaft läuft, und sie geben mehr aus. Und natürlich ist dies genau die Art von Entwicklung, auf die die Fed achten muss", sagte er. Eine robuste Nachfrage kann den Preisdruck verstärken – genau deshalb steht sie im Fokus der Notenbank.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 02.07.2026 berichtete aktien.news, dass Hassett die Fed vor weiteren Zinserhöhungen gewarnt hatte. In einem Interview mit Fox Business argumentierte er, eine Anhebung der Leitzinsen zur Bekämpfung der aktuellen Preissteigerungen sei der falsche Ansatz. Damals lag der von der Fed bevorzugte Inflationsindex – der PCE-Deflator – über 4 Prozent und damit deutlich über dem Zielwert der Notenbank.
Am 12.09.2026 berichtete aktien.news, dass Fed-Chef Warsh unter wachsendem Druck stand, Präsident Donald Trump zu trotzen und die Leitzinsen anzuheben. Die Erwartungen auf den Finanzmärkten für eine Zinserhöhung stiegen auf fast 85 Prozent, nachdem das Bureau of Labor Statistics mitteilte, dass der jährliche Verbraucherpreisindex im August unverändert bei 3,4 Prozent lag. Die Kerninflation betrug 2,4 Prozent und fiel nur leicht von 2,5 Prozent im Juli.
Am 15.10.2026 berichtete aktien.news, dass der September-Inflationsbericht überraschend heiß ausgefallen war – nur einen Monat, nachdem der August-Wert überraschend kühl gewesen war. Trotz dieser Schwankungen habe sich das Grundbild nicht verändert: Die Inflation liege etwa einen Prozentpunkt über dem 2-Prozent-Ziel der Fed.
Am 16.10.2026 berichtete aktien.news, dass Warsh erklärt hatte, die US-Wirtschaft habe sich „breit" in die Richtung entwickelt, die die Zentralbank bei ihrer letzten Sitzung im September erwartet hatte. Damals hatte die Fed die Zinssätze zum ersten Mal seit 2023 angehoben. In den Wochen danach ist die Inflation, gemessen am Verbraucherpreisindex, auf 3,7 Prozent gestiegen.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Entwicklung in den USA von erheblicher Bedeutung, weil die Geldpolitik der Federal Reserve die globalen Finanzmärkte prägt. Die jüngsten Daten deuten darauf hin, dass der Preisdruck nicht so schnell nachlässt wie erhofft. Die Kerninflation von 0,3 Prozent im Monatsvergleich übertraf die Erwartungen – ein Signal, dass der zugrunde liegende Preisdruck hartnäckig bleibt.
Gleichzeitig bleibt offen, wie die Fed auf ihrer Sitzung später in diesem Monat entscheiden wird. Warsh hat sich nicht festgelegt und lediglich die Preisstabilität als Ziel bekräftigt. Anleger sollten daher sowohl Zins- als auch Währungsrisiken im Blick behalten. Der Ausgang der Sitzung dürfte auch die Renditen von US-Staatsanleihen und die Bewertung von Wachstumsaktien beeinflussen.
Bemerkenswert ist die Konstellation im Weißen Haus: Hassett hatte sich im Juli noch klar gegen weitere Zinserhöhungen positioniert. Nun räumt er ein, dass die Inflation „weitere Maßnahmen" erfordern könnte. Diese Verschiebung könnte den Druck auf die Fed erhöhen – oder ihr den Spielraum geben, unabhängig zu handeln. Für Anleger bedeutet das vor allem eines: Die Unsicherheit über den künftigen Zinspfad bleibt hoch.
Ausblick
Im Mittelpunkt steht die Sitzung der Federal Reserve später in diesem Monat. Marktteilnehmer erwarten derzeit, dass die Zentralbank die Zinssätze unverändert lässt – Warsh ging auf diese Erwartungen zuletzt nicht ein. Klarheit dürfte erst die Sitzung selbst bringen.
Hassett ließ zudem offen, ob die jüngsten Daten einen Bruch im Abwärtstrend der Inflation markieren oder nur ein „Kuriosum" darstellen. Die kommenden Verbraucherpreisberichte dürften entscheidend dafür sein, ob sich der kurzfristige Anstieg bestätigt. Bis dahin bleibt die Unsicherheit an den Märkten hoch.
Kurz erklärt
- Verbraucherpreisindex (VPI): Ein Maß für die durchschnittliche Preisentwicklung von Waren und Dienstleistungen, die private Haushalte kaufen.
- Kerninflation: Ein Inflationsmaß, das Lebensmittel und Energie ausklammert, um den zugrunde liegenden Preistrend zu zeigen.
- Federal Reserve: Die unabhängige Zentralbank der Vereinigten Staaten, die für Geldpolitik und Preisstabilität zuständig ist.
