Vanguard Information Technology ETF: Warum Anleger diesen Tech-Fonds meiden sollten
Der Vanguard Information Technology ETF hat langfristig stark performt, birgt aber wegen hoher Tech-Konzentration und steigender Zinsen erhebliche Risiken.

Die Investition in börsengehandelte Fonds (ETFs) von Vanguard kann für Anleger auf lange Sicht eine hervorragende Entscheidung sein. Viele der beliebtesten ETFs des US-Anbieters bieten eine exzellente Diversifizierung mit einer hochwertigen Auswahl an Aktien. Zudem sind die Gebühren dieser Fonds außerordentlich niedrig. Doch es gibt einen Vanguard-Fonds, den Anleger derzeit meiden sollten: den Vanguard Information Technology ETF (VGT-0,83 Prozent).
Obwohl der Fonds über die Jahre hinweg gut abgeschnitten hat, könnten er und andere technologieorientierte Fonds anfällig für erhebliche Kursverluste sein. In den vergangenen Tagen war der Vanguard Information Technology ETF bereits rückläufig. Als Belastung für die Märkte gelten Bedenken hinsichtlich steigender Zinsen sowie des nicht endenden Krieges im Iran.
In einem Sektor wie der Technologiebranche, in dem höhere Zinssätze das Wachstum dämpfen und die Kapitalausgaben verlangsamen könnten, ist die Branche angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Lage besonders verwundbar. Für deutsche Privatanleger, die über US-Technologie-ETFs am Boom der künstlichen Intelligenz (KI) teilhaben wollen, ist das ein gewichtiger Hinweis: Das Risiko ist derzeit überdurchschnittlich hoch.
Die Details
Für die Skepsis gibt es konkrete Gründe. Larry Fink, CEO von BlackRock, warnte Anleger kürzlich und gab zu bedenken, dass ein Rückgang beim Bau von Rechenzentren eine Rezession auslösen könnte – einfach wegen der massiven Investitionen in künstliche Intelligenz, die für das enorme Wachstum bei Technologieunternehmen sorgt. Ein Einbruch bei diesen Investitionen würde also unmittelbar die Wachstumsstory vieler Tech-Konzerne treffen.
Hinzu kommt die hohe Konzentration im Portfolio. Obwohl der Vanguard Information Technology ETF technisch gesehen mehr als 300 Aktien hält, handelt es sich dabei ausschließlich um Technologieaktien. Nvidia, Apple und Microsoft machen zusammen ein Portfolio-Gewicht von rund 45 Prozent aus. Dies stellt eine erhebliche Exposition gegenüber drei hoch bewerteten Technologieriesen dar, deren Aktienkurse unter Druck geraten könnten, falls die Wachstumserwartungen im Zusammenhang mit KI sinken.
Die historische Performance des Fonds ist zweigeteilt. In den vergangenen fünf Jahren konnte der ETF um 125 Prozent zulegen. Im Jahr 2022 jedoch, als der S&P 500 aufgrund steigender Zinsen um 19 Prozent einbrach, schnitt der Vanguard-Fonds sogar noch schlechter ab und verlor mehr als 30 Prozent. In schwierigen Zeiten kann es daher äußerst riskant sein, diesen ETF zu halten.
Hintergrund: Was bisher geschah
aktien.news hat den Vanguard Information Technology ETF in den vergangenen Monaten mehrfach beleuchtet. Bereits am 04.06.2026 berichtete aktien.news über drei unaufhaltsame Vanguard-ETFs für das Portfolio im Juni und erklärte dabei die Besonderheiten des Anbieters: Vanguard wurde 1975 von John Bogle mit einem damals revolutionären Ansatz gegründet – niedrige Gebühren und breiter Marktzugang über Indexfonds. Das Besondere sei die Eigentümerstruktur: Das Unternehmen ist nicht börsennotiert, sondern gehört seinen eigenen Fonds, die wiederum im Besitz ihrer Anteilseigner sind. Dieser anlegerfreundliche Ansatz mache Vanguard-ETFs besonders attraktiv für langfristig orientierte Privatanleger.
Am 09.05.2026 berichtete aktien.news, dass der Vanguard Technologie-ETF für KI-Investoren ungeeignet sein könnte. Der Grund: Amazon, Alphabet und Meta Platforms gehören nicht zum klassischen Informationstechnologiesektor. Diese Einstufung folgt dem globalen Branchenklassifikationsstandard (GICS), der diese Konzerne anderen Sektoren zuordnet. Ein ETF, der sich strikt auf den Informationstechnologiesektor beschränkt, schließt diese drei Giganten daher aus.
Am 20.07.2026 verglich aktien.news den Vanguard Tech ETF als bessere Alternative zum SOXX-Halbleiter-ETF. Damals hatte der iShares Semiconductor ETF seit Jahresbeginn um 73,1 Prozent zugelegt, lag aber mehr als 20 Prozent unter seinem Allzeithoch vom 22. Juni. Grund dafür war der Druck auf Speicherchip-Aktien wie Micron Technology, das mit einer Gewichtung von 7,6 Prozent zu den größten Positionen im SOXX zählte.
Erst am 10.10.2026 berichtete aktien.news, dass der Vanguard Information Technology ETF seit Jahren als eine der meistdiskutierten Optionen für Anleger gilt, die breit gestreut in den Technologiesektor investieren möchten. Im vergangenen Jahrzehnt habe der Fonds das eingesetzte Kapital seiner Anleger mehr als verneunfacht und zähle damit zu den leistungsstärksten ETFs überhaupt. Besonders attraktiv mache ihn seine Gesamtkostenquote von lediglich 0,09 Prozent – nur die Hälfte der Gebühren vergleichbarer Konkurrenz-ETFs.
Was das für Anleger bedeutet
Der aktuelle Kommentar macht deutlich, dass hohe Bewertungen im Technologiesektor und das Potenzial für eine deutliche Korrektur die zentralen Argumente gegen einen Einstieg sind. Für Anleger, die möglicherweise nicht gewillt oder in der Lage sind, einen Marktrückstand einfach abzuwarten und auf die Erholung zu vertrauen, könnte es ratsamer sein, in andere ETFs zu investieren, die weniger Exposition gegenüber Technologie haben und insgesamt diversifizierter und sicherer aufgestellt sind. Die Investition in Technologie kann in guten Zeiten spannend sein, kann aber auch katastrophal sein, wenn die Zeiten schlecht sind.
Für deutsche Privatanleger bedeutet das konkret: Ein Fonds, der zu rund 45 Prozent in nur drei Aktien investiert ist, reagiert besonders heftig auf Stimmungsschwankungen im KI-Segment. Der Hinweis auf die Kostenquote von 0,09 Prozent zeigt zugleich, dass niedrige Gebühren allein kein Schutz vor Kursverlusten sind. Die Einschätzung stammt aus einem US-Kommentar und ist keine individuelle Anlageempfehlung, sondern eine Risikoeinordnung.
Ausblick
Der weitere Verlauf hängt an wenigen Faktoren, die im Quelltext genannt werden. Entscheidend ist, ob die Zinsen weiter steigen und ob die Investitionen in Rechenzentren und KI tatsächlich zurückgehen. Sollte der Bau von Rechenzentren einbrechen, könnte dies laut Larry Fink von BlackRock sogar eine Rezession auslösen. Umgekehrt bleibt offen, wie sich der Krieg im Iran und die Zinserwartungen auf die Bewertungen im Technologiesektor auswirken. Beobachten sollten Anleger vor allem die Entwicklung der drei Schwergewichte Nvidia, Apple und Microsoft, die zusammen rund 45 Prozent des Portfolios ausmachen.
Kurz erklärt
- ETF: börsengehandelter Indexfonds, der einen Index nachbildet und wie eine Aktie an der Börse gehandelt wird.
- GICS: globaler Branchenklassifikationsstandard, der Unternehmen nach Sektoren einteilt.
- Kapitalausgaben: Investitionen eines Unternehmens in Anlagegüter wie Anlagen, Gebäude oder Ausrüstung.
