Warren Buffett: 19 Prozent Rendite – können Anleger das heute noch schaffen?
Berkshire Hathaway erzielte über sechs Jahrzehnte fast doppelt so viel wie der S&P 500. Der Schlüssel liegt laut Motley Fool in Buffetts Denkweise.

Warren Buffett und Berkshire Hathaway haben über sechs Jahrzehnte hinweg eine jährliche Rendite von mehr als 19 Prozent erzielt. Das ist fast das Doppelte der Rendite des S&P 500, der im selben Zeitraum auf 10 Prozent pro Jahr kam. Der US-Finanzdienst The Motley Fool greift diese Bilanz auf und stellt die Frage, ob Anleger dieses Erfolgsrezept auch heute noch anwenden können.
Die Antwort des Berichts setzt nicht bei Buffetts Fähigkeit zur Aktienauswahl an. Im Mittelpunkt steht vielmehr die langfristige Denkweise des Starinvestors. Buffett baute sein Vermögen demnach auf, indem er langfristig in hochwertige Unternehmen mit klaren Geschäftsmodellen und stabilen Cashflows investierte.
Dabei weiß Buffett selbst, wie schwer es ist, den Markt zu schlagen. Genau deshalb riet er den meisten Anlegern, stattdessen kostengünstige S&P-500-Indexfonds zu kaufen. Selbst wer nicht wie Buffett investieren könne, könne ihm dennoch gleichtun – indem er bei seinen Aktienmarktinvestments einen geduldigen Buy-and-Hold-Ansatz verfolgt.
Die Details
Die zentralen Zahlen des Berichts sind schnell zusammengefasst. Auf der einen Seite steht Berkshire Hathaway mit einer jährlichen Rendite von mehr als 19 Prozent über sechs Jahrzehnte. Auf der anderen Seite steht der S&P 500 mit 10 Prozent pro Jahr. Die Rendite von Berkshire ist damit fast doppelt so hoch wie die des breiten Marktes.
Bemerkenswert ist, dass Buffett trotz dieser Erfolgsbilanz nicht dazu rät, es ihm gleichzutun und gezielt einzelne Aktien auszuwählen. Sein Rat an die breite Masse der Anleger lautet vielmehr, auf kostengünstige S&P-500-Indexfonds zu setzen. Der Grundgedanke dahinter: Wer einen breiten Index hält, profitiert von der Entwicklung des Gesamtmarktes, ohne das Risiko der Einzeltitelauswahl tragen zu müssen.
Der Investmentdienst hebt in seinem Beitrag einen weiteren Aspekt hervor: Die langfristige Denkweise ist die entscheidende Zutat. Buffett habe sein Vermögen nicht durch kurzfristige Spekulation, sondern durch langfristiges Engagement in Qualitätsunternehmen aufgebaut. Für Anleger bedeutet das, Geduld und Kontinuität über schnelle Gewinne zu stellen.
Noch ein Punkt fällt auf. Der Bericht stellt ausdrücklich klar, dass Anleger nicht Buffetts Fähigkeiten bei der Aktienselektion kopieren müssen. Was sich übertragen lässt, ist die Haltung hinter seinen Entscheidungen – Geduld, ein langer Anlagehorizont und die Konzentration auf Unternehmen, deren Geschäftsmodell verständlich ist und stabile Cashflows erwirtschaftet. Diese Denkweise funktioniert unabhängig davon, ob jemand einzelne Aktien oder einen breiten Indexfonds hält.
Hintergrund: Was bisher geschah
aktien.news hat mehrfach über Buffetts Anlageregeln und seinen Rat an Privatanleger berichtet. Bereits am 30.07.2026 berichtete aktien.news, dass Buffett seinen simplen ETF-Rat immer wieder bekräftigt hat. Schon auf der Berkshire-Hathaway-Jahreshauptversammlung 2020 erklärte er, dass „für die meisten Menschen das Beste ist, einen S&P 500 Indexfonds zu besitzen". Bereits 2013 gab er bekannt, dass nach seinem Tod 90 Prozent des Barvermögens für seine Frau in einen S&P 500 Indexfonds fließen sollen.
Am 05.10.2026 berichtete aktien.news über Buffetts konkreten ETF-Tipp für die Vierzigjährigen. Darin nannte Buffett im Februar 2014 den Vanguard S&P 500 ETF. Als Begründung führte er die außergewöhnlich niedrigen Gebühren dieses Fonds an. Anleger, die diesem Rat damals gefolgt sind, schneiden bis heute sehr gut ab.
Ebenfalls am 05.10.2026 berichtete aktien.news über den wichtigsten Tipp zum Schutz vor dem Bärenmarkt. In seinem Jahresbrief an die Aktionäre für das Jahr 2024 formulierte Buffett die Regel: „Riskieren Sie niemals einen dauerhaften Kapitalverlust." Er trennt dabei kurzfristige Kursverluste bei Aktien von dem fundamentalen Wertverlust eines Unternehmens.
Am 04.10.2026 berichtete aktien.news über Buffetts Abschiedsbrief. Nach 60 Jahren bei Berkshire Hathaway ist Buffett in den Ruhestand gegangen. Bereits zu Jahresbeginn hatte er die Position des CEO niedergelegt, im vergangenen Monat verzichtete er auch auf das Amt des Vorsitzenden des Verwaltungsrats. In seinem Abschiedsbrief vom 18. September stehen vier Worte, die laut The Motley Fool alles enthalten, was Anleger für ihren Erfolg brauchen: „Father Time always wins" – zu Deutsch: Die Zeit siegt immer.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger lässt sich aus dem Bericht eine klare Botschaft ableiten: Der Versuch, den Markt durch die Auswahl einzelner Aktien zu schlagen, ist ausgesprochen schwierig. Selbst Buffett, der dies über Jahrzehnte hinweg geschafft hat, empfiehlt der breiten Masse der Anleger einen anderen Weg. Wer die überdurchschnittliche Rendite von Berkshire Hathaway als Maßstab nimmt, sollte also die damit verbundenen Anforderungen realistisch einschätzen.
Konkret bedeutet das, dass kostengünstige Indexfonds für viele Anleger die naheliegende Wahl sein können, wenn sie breit am Aktienmarkt partizipieren wollen. Entscheidend ist dabei der langfristige Horizont: Der Bericht betont die geduldige Buy-and-Hold-Strategie, also das Halten einmal erworbener Positionen über lange Zeiträume, statt auf kurzfristige Marktbewegungen zu reagieren.
Ein wichtiger Aspekt ist zudem der Umgang mit Rückschlägen. Buffetts Regel, niemals einen dauerhaften Kapitalverlust zu riskieren, unterscheidet zwischen einem vorübergehenden Buchverlust und einem endgültigen Verlust von Vermögen. Wer sich dieser Unterscheidung bewusst ist, kann in unruhigen Marktphasen gelassener bleiben. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung für einzelne Wertpapiere ist mit diesen Beobachtungen ausdrücklich nicht verbunden.
Ausblick
Buffetts persönliche Karriere ist abgeschlossen: Nach 60 Jahren bei Berkshire Hathaway hat er sich in den Ruhestand verabschiedet und auch das Amt des Verwaltungsratsvorsitzenden abgegeben. Seine schriftlich festgehaltenen Regeln und Empfehlungen wirken jedoch über diesen Abschied hinaus. Finanzdienste wie The Motley Fool greifen sie weiterhin auf und ordnen sie für Anleger ein. Im Zentrum steht dabei stets dieselbe Erkenntnis: Nicht die schnelle Einzeltitelauswahl, sondern die langfristige Denkweise trägt den Erfolg.
Kurz erklärt
- Buy-and-Hold: Eine Anlagestrategie, bei der einmal gekaufte Wertpapiere über lange Zeiträume gehalten werden, statt auf kurzfristige Kursschwankungen zu reagieren.
- Indexfonds: Ein Fonds, der einen Aktienindex wie den S&P 500 nachbildet und dadurch breit gestreut investiert.
- Cashflow: Der laufende Zufluss von Zahlungsmitteln, den ein Unternehmen aus seinem operativen Geschäft erwirtschaftet.
