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Halbleitersektor gewinnt 3,8 Billionen Dollar durch KI-Nachfrage

Die globale Chipindustrie erlebt einen historischen Melt-up: In nur sechs Wochen wurden 3,8 Billionen Dollar Marktkapitalisierung aufgebaut.

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Halbleitersektor gewinnt 3,8 Billionen Dollar durch KI-Nachfrage

Die globale Halbleiterindustrie befindet sich in einer außergewöhnlichen Aufwärtsphase. In den vergangenen sechs Wochen hat der Sektor rund 3,8 Billionen US-Dollar an Marktkapitalisierung hinzugewonnen – ein Zuwachs, der selbst erfahrene Marktbeobachter in Staunen versetzt. Laut einem Bericht des Wall Street Journal hat sich die Rallye dabei weit über spezialisierte KI-Prozessoren hinaus ausgedehnt und erfasst nun auch traditionelle CPUs und Speicherchips.

Besonders eindrucksvoll sind die Kursgewinne einzelner Unternehmen. Die Aktien von Intel schossen in diesem Jahr um 239 Prozent in die Höhe und markierten damit ihren ersten Rekordstand seit 26 Jahren. Noch spektakulärer fiel der Anstieg bei Sandisk aus: Die Aktie legte um 558 Prozent zu. Der breiter gefasste PHLX Semiconductor Index erzielte zuletzt seine stärkste Sechs-Wochen-Performance seit dem Höhepunkt der Dotcom-Ära um die Jahrtausendwende.

Treiber der Rallye: KI-Hunger nach Rechenleistung

Der Auslöser für diesen Boom ist der „unersättliche Appetit" von KI-Unternehmen auf Rechenkapazität. Besonders neue agentenbasierte KI-Modelle, die rund um die Uhr in Betrieb sind, treiben die Nachfrage nach Chips in bislang ungekannte Höhen. Jonathan Cofsky, Portfoliomanager bei Janus Henderson, beschreibt die Folgen als „Rekordgewinne für die Hersteller" – ausgelöst durch einen regelrechten „Wettlauf um Marktanteile" unter den wohlhabendsten Technologiekonzernen der Welt.

Im Unterschied zur spekulativen Dotcom-Blase der frühen 2000er-Jahre werden die heutigen Kursgewinne durch handfeste Unternehmensgewinne untermauert. Für Micron Technology wird in diesem Jahr ein Betriebsgewinn von 77 Milliarden US-Dollar prognostiziert – eine dramatische Trendwende gegenüber den Verlusten, die das Unternehmen noch 2023 verzeichnete. Die anhaltend starke Nachfrage nach Speicherchips übersteigt das verfügbare Angebot beständig.

Trotz des steilen Kursanstiegs bleiben die Bewertungen vieler Halbleiterwerte vergleichsweise moderat. Denise Chisholm, Direktorin für quantitative Marktstrategie bei Fidelity Investments, betont: „Die Anomalie besteht derzeit darin, wie stark das Gewinnwachstum ausgefallen ist." Micron etwa wird trotz seines massiven Kursanstiegs lediglich mit dem 8,9-fachen der prognostizierten Gewinne gehandelt – ein Wert, der weit unter dem Durchschnitt des S&P 500 liegt.

Warnzeichen und Skepsis erfahrener Anleger

Dennoch wächst bei einigen erfahrenen Marktteilnehmern das Unbehagen. Peter Feinberg, ein pensionierter Anwalt und langfristiger Investor, bezeichnete die Zuwächse als „fast schon surreal" und mahnte: „Die Party ist etwa eine halbe Stunde, bevor die Polizei sie beendet, am besten." Die Erinnerung an frühere Boom-Bust-Zyklen in der Halbleiterbranche bleibt präsent.

Steve Sosnick, Chefstratege bei Interactive Brokers, warnte, dass die Kursbewegung „so vertikal verlaufen ist, wie ich es kaum in Erinnerung habe". Anleger, die über eine Reduzierung ihrer Bestände nachdenken, erinnert Feinberg an eine alte Börsenweisheit: „Die gefährlichsten Worte für einen Investor sind ‚diesmal ist es anders'."

Auf der fundamentalen Seite sprechen die anhaltenden Lieferengpässe für eine strukturell hohe Nachfrage. Während Hersteller weltweit ihre Kapazitäten ausbauen, deuten Experten darauf hin, dass die Knappheit bei Chips noch Jahre andauern könnte. Für deutsche Anleger, die in Halbleiterwerte oder entsprechende ETFs investiert sind, bleibt die Frage, ob die aktuelle Bewertung die langfristigen Wachstumsperspektiven bereits vollständig widerspiegelt – oder ob der KI-getriebene Zyklus noch weiteres Potenzial birgt.

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