Großbritannien könnte Wartezeit für Ausländer auf Daueraufenthalt wieder einführen
Innenministerin Mahmood erwägt, die umstrittene Verlängerung der Wartezeit von fünf auf zehn Jahre für den Daueraufenthalt zu überdenken.

Die britische Innenministerin Shabana Mahmood hat zu verstehen gegeben, dass die Regierung einige der umstrittensten Elemente ihrer Einwanderungsreformen überdenkt. Damit reagiert sie auf eine Gegenreaktion von Labour-Abgeordneten, die sich gegen die geplanten Verschärfungen für legale Migranten richtet. Die Informationen stammen aus einem Bericht von Bloomberg Europe vom 28. September 2026.
Im Zentrum der Auseinandersetzung steht der Zugang zum Status des Daueraufenthalts. Mahmood hatte vorgeschlagen, dass legale Migranten künftig zehn Jahre statt der bisherigen fünf Jahre warten müssen, bevor sie diesen Status beantragen können. Für gut bezahlte Personen oder solche, die „einen Beitrag" zu ihrer Gemeinschaft leisten, kann diese Frist jedoch auf nur zwei Jahre verkürzt werden. Die Änderungen sollten noch in diesem Jahr in Kraft treten.
Der Vorstoß hat innerhalb der Regierungspartei erhebliche Spannungen ausgelöst. Premierminister Andy Burnham versucht, die schwelenden Konflikte innerhalb seiner Partei bezüglich der Pläne zu beschwichtigen, während Mahmood sich der Kritik aus den eigenen Reihen stellen muss. Die Debatte berührt eine grundlegende Frage der britischen Migrationspolitik: Wie streng darf ein System sein, das legale Zuwanderung ausdrücklich ermöglichen soll?
Was der Daueraufenthalt bedeutet
Der Status des Daueraufenthalts – im britischen System als „indefinite leave to remain" bekannt – erlaubt es Ausländern, unbefristet im Land zu leben und zu arbeiten. Er gilt als zentraler Baustein für die langfristige Lebensplanung von Zugewanderten und üblicherweise als Vorstufe zur späteren Einbürgerung. Die Dauer der Wartezeit ist deshalb politisch hoch umstritten, weil sie unmittelbar bestimmt, wie schnell Migranten Rechtssicherheit erhalten.
Die derzeit diskutierten Eckpunkte im Überblick:
- Reguläre Wartezeit: zehn Jahre statt bisher fünf Jahre
- Verkürzte Wartezeit: zwei Jahre für gut bezahlte Personen
- Verkürzte Wartezeit: zwei Jahre für Personen, die „einen Beitrag" zu ihrer Gemeinschaft leisten
- Geplanter Zeitpunkt des Inkrafttretens: noch in diesem Jahr
Nach den vorliegenden Informationen bleibt offen, nach welchen Kriterien eine Vergütung als „gut bezahlt" gilt und wie ein „Beitrag" zur Gemeinschaft konkret nachgewiesen werden soll. Ebenso unklar ist, ob und in welchem Umfang die Regierung von den ursprünglichen Plänen abrücken wird. Mahmood hat bislang lediglich zu verstehen gegeben, dass einzelne Elemente überdacht werden.
Bedeutung für Zugewanderte und Unternehmen
Für deutsche Staatsangehörige und andere EU-Bürger, die in Großbritannien leben oder dorthin ziehen wollen, ist die Frage der Wartezeit unmittelbar relevant. Sie entscheidet darüber, ab wann ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht besteht und welche Planungssicherheit für Beruf, Familie und Vermögensaufbau gegeben ist. Auch Unternehmen mit Standorten in Großbritannien dürften die Debatte aufmerksam verfolgen, weil längere Wartezeiten die Rekrutierung internationaler Fachkräfte erschweren können.
Der Ausgang des internen Streits in der Labour-Partei dürfte damit weit über die britische Innenpolitik hinaus wirken. Sollten die Pläne in der ursprünglichen Form umgesetzt werden, würde sich der Weg zum dauerhaften Aufenthalt für viele legale Migranten deutlich verlängern. Ob es dazu kommt, hängt maßgeblich davon ab, wie stark der Widerstand in den eigenen Reihen bleibt und wie die Regierung die Kritik aus den eigenen Reihen auflöst.
