Abgeordneter Comer weitet Insiderhandel-Untersuchung auf Vorhersagemärkte aus
Der Republikaner aus Kentucky fordert Auskunft von Hyperliquid, Crypto.com und PredictIt-Betreiber Aristotle Exchange zu Identitätsprüfung und Insiderhandel.

Der Vorsitzende des Aufsichtsausschusses des US-Repräsentantenhauses, James Comer, weitet seine Untersuchung zu möglichem Insiderhandel auf Vorhersagemärkten aus. Der Republikaner aus Kentucky hat in Briefen, die am Dienstag versendet und erstmals mit CNBC geteilt wurden, die Chefs von drei weiteren Plattformbetreibern um Auskunft gebeten. Adressaten sind die CEOs von Hyperliquid Labs, Crypto.com und der Aristotle Exchange Inc., die die Plattform PredictIt betreibt.
Comer verlangt von den Unternehmen Dokumente und Informationen darüber, wie sie die Identität ihrer Nutzer prüfen und wie sie Insiderhandel auf ihren Plattformen erkennen und verhindern. Damit rückt ein Marktsegment in den Fokus, das durch rasant wachsende Handelsvolumina und mehrere prominente Verdachtsfälle aufgefallen ist.
Vorhersagemärkte ermöglichen es Nutzern, binäre Event-Kontrakte über den Ausgang zukünftiger Ereignisse zu kaufen und zu verkaufen – von Sportwettkämpfen über Wahlen bis hin zu Kriegen und anderen globalen Geschehnissen. Genau diese Bandbreite hat die Plattformen wegen ihres stark gestiegenen Beliebtheitsgrades verstärkt in den Blick von Gesetzgebern gerückt.
Die Details
Konkret fordern Comer und sein Ausschuss von jedem der drei Unternehmen Dokumente und Kommunikationen an, die deren Know-your-customer-(KYC)-Richtlinien erläutern. Zusätzlich sollen die Firmen ihre internen Verfahren zur Erkennung, Untersuchung und Meldung verdächtiger Handelsaktivitäten offenlegen. Die Briefe wurden am Dienstag versendet; Sprecher von Hyperliquid, Crypto.com und Aristotle Exchange antworteten am Dienstag nicht umgehend auf Anfragen nach Stellungnahmen.
Besonders brisant ist der Verweis in Comers Schreiben an Hyperliquid-CEO Jeff Yan. Darin bezieht sich der Ausschussvorsitzende auf Berichte über „eine erhebliche gehobene Short-Position auf der … Plattform innerhalb von Minuten nach einer Ankündigung des Präsidenten bezüglich einer US-Zollpolitik im Oktober 2025, die zum Zeitpunkt der Positionierung nicht öffentlich bekannt war". Der Vorwurf dahinter: Jemand könnte von nicht öffentlichem Wissen profitiert haben.
Die Untersuchung ist nicht auf die kleineren Anbieter beschränkt. Comer hatte bereits im Mai eine Untersuchung gegen Kalshi und Polymarket eingeleitet, die beiden größten und bekanntesten Vorhersagemärkte, inmitten einer Reihe hochkarätiger Wetten auf Weltgeschehen. Ein Sprecher des Ausschusses erklärte, diese Verfahren liefen noch; der Ausschuss habe nahezu 1.000 Dokumente sowie fünf Briefings von Vertretern der beiden Unternehmen erhalten.
Hintergrund der wachsenden Aufmerksamkeit sind mehrere Fälle, in denen Wetten auffällig gut getimt waren. Im April wurde ein US-Soldat festgenommen, weil er angeblich Insiderinformationen nutzte, um auf Polymarket auf die Absetzung des ehemaligen venezolanischen Führers Nicolás Maduro im Januar zu wetten. Damit soll er rund 400.000 Dollar erzielt haben.
Eine Untersuchung der New York Times im Mai ergab, dass mehr als 80 Polymarket-Nutzer Wetten mit verdächtigen Merkmalen abgeschlossen hatten. Darunter waren Trades, die Stunden bevor die USA und Israel Iran angriffen, platziert wurden.
Auch prominente Namen tauchen in dem Komplex auf. Der ehemalige Repräsentant George Santos, ein Republikaner aus New York, der 2023 von seinen Kollegen aus dem Repräsentantenhaus ausgeschlossen wurde, soll Kalshi genutzt haben, um darauf zu wetten, ob er im Februar bei der diesjährigen Rede zur Lage der Nation erscheinen würde. Gleichzeitig machte er in der Vorlaufzeit eine Reihe öffentlicher Äußerungen, die darauf hindeuteten, dass er in der Menge sein würde. Kalshi verbannte Santos im August dauerhaft und verhängte eine Geldstrafe in Höhe von 71.356 Dollar gegen ihn wegen seines Verhaltens.
Sowohl Kalshi als auch Polymarket hatten Anfang dieses Jahres angekündigt, ihre internen Regeln zum Insiderhandel zu verschärfen. Transaktionen, die Bedenken hinsichtlich Insiderhandel ausgelöst haben, waren jedoch nicht ausschließlich auf die größten Plattformen beschränkt – genau das ist der Ansatzpunkt der neuen Briefe an Hyperliquid, Crypto.com und Aristotle Exchange.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die jüngste Ausweitung der Untersuchung ist Teil einer länger anhaltenden Aufsichtswelle. Bereits am 17.05.2026 berichtete aktien.news, dass Bundesstaatsanwälte und Regulierungsbehörden in den USA gegen verdächtige Wetten auf politischen Prognosemärkten vorgehen. Wie das Wall Street Journal am Samstag berichtete, forderten die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) und das Justizministerium Informationen von führenden Plattformen wie Kalshi und Polymarket an. Auslöser waren auffällige Wettmuster rund um politische Ereignisse, neue Gesetze und US-Militäroperationen. In diesem Zusammenhang nahmen die Behörden Gannon Ken Van Dyke fest, einen Soldaten der US-Spezialeinheiten.
Am 26.03.2026 berichtete aktien.news über eine Maßnahme aus dem Kongress selbst: Der US-Demokrat Seth Moulton aus Massachusetts führte als erster Abgeordneter auf dem Capitol Hill eine Richtlinie ein, die seinen Kongressmitarbeitern die Nutzung von Prognosemarktplattformen wie Kalshi und Polymarket ausdrücklich untersagt. Ein Sprecher Moultons bezeichnete die Maßnahme als bislang einzigartig im US-Kongress.
Nur wenige Tage später, am 31.03.2026, folgte die nächste Meldung: Die Bundesstaatsanwaltschaft in Manhattan leitete Ermittlungen zu möglichem Insiderhandel auf Prognosemärkten ein. Wie CNN unter Berufung auf mehrere Quellen berichtete, prüfte die Abteilung für Wertpapier- und Rohstoffbetrug des südlichen Bezirks von New York, ob bestimmte profitable Wetten gegen geltendes Recht verstoßen haben. Im Fokus stand unter anderem Polymarket; Vertreter der Staatsanwaltschaft trafen sich mit Polymarket-Repräsentanten, um zu erörtern, wie bestehende Gesetze auf potenzielles Fehlverhalten in der Branche angewendet werden könnten.
Am 10.06.2026 schließlich veröffentlichte die CFTC neue Regulierungsentwürfe für die Branche. Die Behörde, die als oberste US-Derivateaufsicht fungiert, will damit die bundesstaatliche Kontrolle über Unternehmen festigen, die in den Bereichen Politik- und Sportwetten stark gewachsen sind, und gleichzeitig neue Möglichkeiten für Betrug und Marktmissbrauch eindämmen. CFTC-Vorsitzender Michael Selig erklärte in einer Stellungnahme, die vorgeschlagenen Regeln böten „ein Mittel zum Schutz der Marktintegrität, ohne verantwortungsvoller Innovation im Wege zu stehen".
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger sind die Vorgänge zunächst ein regulatorisches Signal. Die Untersuchungen betreffen US-Plattformen und US-Aufsichtsbehörden; ob und wann daraus verbindliche Regeln entstehen, ist offen. Wer sich in diesem Segment engagiert, sollte die zunehmende Aufmerksamkeit von Gesetzgebern und Strafverfolgern als Risikofaktor einordnen – nicht als Kauf- oder Verkaufssignal.
Bemerkenswert ist die Bandbreite der Vorwürfe: Sie reicht von einem Soldaten, der mutmaßlich militärische Informationen nutzte, über auffällige Trades vor einem Angriff auf Iran bis zu einem ehemaligen Abgeordneten, der auf sein eigenes öffentliches Auftreten wettete. Das zeigt, dass die Integrität dieser Märkte nicht nur ein theoretisches Problem ist, sondern konkrete Ermittlungen nach sich zieht.
Zudem ist die Transparenz der Betreiber gefragt: KYC-Verfahren und Meldewege für verdächtige Transaktionen stehen im Zentrum der Auskunftsersuchen. Anleger können daraus ableiten, dass die Qualität dieser Prozesse künftig ein zentraler Bewertungsmaßstab für die Branche werden dürfte.
Ein Hinweis zur Einordnung: CNBC und Kalshi unterhalten eine kommerzielle Beziehung, die Kundenakquise und eine Minderheitsbeteiligung umfasst. Die vorliegende Berichterstattung stammt aus dem CNBC-Umfeld.
Ausblick
Die Untersuchung gegen Kalshi und Polymarket läuft nach Angaben des Ausschusssprechers weiter. Der Ausschuss hat bislang nahezu 1.000 Dokumente und fünf Briefings erhalten. Die drei neu angeschriebenen Unternehmen – Hyperliquid Labs, Crypto.com und Aristotle Exchange – haben am Dienstag nicht umgehend auf Anfragen nach Stellungnahmen reagiert. Ob und wann sie die angeforderten Unterlagen liefern, ist offen.
Parallel liegt bei der CFTC ein Regulierungsentwurf vor, der die bundesstaatliche Kontrolle über die Branche festigen und Betrug sowie Marktmissbrauch eindämmen soll. Wann daraus finale Regeln werden, geht aus dem Quelltext nicht hervor.
Kurz erklärt
- Vorhersagemarkt: Handelsplatz, an dem Nutzer Kontrakte auf den Ausgang künftiger Ereignisse kaufen und verkaufen.
- Insiderhandel: Handel auf Basis von Informationen, die zum Zeitpunkt der Transaktion nicht öffentlich bekannt sind.
- KYC (Know your customer): Verfahren, mit dem Anbieter die Identität ihrer Kunden prüfen.
- Binärer Event-Kontrakt: Kontrakt, der am Ende entweder einen festen Betrag auszahlt oder verfällt.
