Italiens Rechte spaltet sich: Vannaccis Partei vor erster Bewährungsprobe
Die Abspaltungspartei des Ultrarechten Roberto Vannacci tritt in Reggio Calabria erstmals an – ein Test für Melonis Koalition.

In Italien steht die erst vor Kurzem entstandene Abspaltungspartei des Ultrarechten Roberto Vannacci vor ihrer ersten Bewährungsprobe an der Wahlurne. Bei einer Nachwahl um einen Parlamentssitz in der süditalienischen Stadt Reggio Calabria könnte sich zeigen, wie stabil das rechte Lager rund um Ministerpräsidentin Giorgia Meloni tatsächlich noch ist. Das Ergebnis gilt als Indikator dafür, wie die Regierungskoalition in den kommenden Generalwahlen im nächsten Jahr dastehen wird.
Für Vannacci tritt Domenico Giannetta an, ein ehemaliger Fraktionsdisziplinarführer in Silvio Berlusconis Partei Forza Italia. Giannetta ist damit ein Kandidat mit Erfahrung im politischen Establishment – ausgerechnet in den Reihen einer Partei, die sich als Alternative zum bestehenden System positioniert. Sein Gegenkandidat ist Fabio Roscioli, der von der Koalition um Meloni unterstützt wird.
Damit stehen sich in Reggio Calabria zwei Bewerber gegenüber, die beide im rechten Spektrum verankert sind. Die Wahl wird so zum Stimmungstest darüber, wie viel Anziehungskraft die neue Formation um Vannacci auf Kosten der etablierten Regierungsparteien entfalten kann.
Die Rechnung der Mitte-Links-Kräfte
Von der gespaltenen Rechten will die Mitte-Links-Seite profitieren. Ihr Kandidat Frank Benedetto versucht, das geteilte rechte Lager zu seinen Gunsten zu nutzen. Ob diese Strategie aufgeht, hängt maßgeblich davon ab, wie stark sich die Anhänger der beiden rechten Bewerber gegenseitig Stimmen entziehen.
Bemerkenswert ist die Konstellation vor allem deshalb, weil Vannacci sich mit seiner eigenen Partei von der bisherigen rechten Sammlungsbewegung abgesetzt hat. Eine Abspaltung im rechten Lager birgt traditionell die Gefahr, dass konservative Wählerstimmen sich auf mehrere Listen verteilen. Genau hierin liegt die Bedeutung des Urnengangs: Er liefert eine erste belastbare Momentaufnahme darüber, ob die neue Partei den Regierungsblock schwächt oder ihm letztlich wenig anhaben kann.
Für deutsche Anleger ist die politische Entwicklung in Italien durchaus relevant. Das Land gehört zu den größten Volkswirtschaften der Eurozone, und politische Unsicherheiten wirken sich traditionell auf die Risikoaufschläge italienischer Staatsanleihen und die Stimmung an den europäischen Märkten aus. Ein Erstarken parteipolitischer Zersplitterung im rechten Lager kann die Stabilität der Regierungsmehrheit berühren – auch wenn eine einzelne Nachwahl noch keine Generalabrechnung mit der Koalition darstellt.
Dennoch dürfte das Ergebnis in Reggio Calabria aufmerksam verfolgt werden. Es ist die erste Gelegenheit, bei der sich die Anziehungskraft von Vannaccis neuer Partei an der realen Wahlurne messen lässt. Zugleich gibt es Aufschluss darüber, wie geschlossen die Koalition von Giorgia Meloni ihre Wähler in einem umkämpften Wahlkreis mobilisieren kann.
Die kommenden Generalwahlen im nächsten Jahr werfen damit bereits jetzt ihre Schatten voraus. Sollte die Abspaltung der Rechten dauerhaft Kräfte binden, könnte dies die Mehrheitsverhältnisse in Rom verschieben. Für Beobachter der italienischen Politik und der europäischen Finanzmärkte lohnt sich daher ein genauer Blick auf das Ergebnis dieser Nachwahl in Süditalien – als früher Fingerzeig auf die Kräfteverhältnisse von morgen.
