Grippesaison 2026 startet früh: Was Sie zu Impfoptionen wissen müssen
Die Grippesaison hat dieses Jahr rund sieben Wochen früher begonnen – mit doppelt so vielen Arztbesuchen wie im Vorjahr.

Die Grippesaison 2026 hat deutlich früher als gewohnt begonnen. In der Woche bis zum 13. September lag die Quote grippebedingter Besuche in Arztpraxen, Notaufnahmen und Krankenhäusern doppelt so hoch wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Das geht aus Daten von Epic Research hervor, einem Institut, das Gesundheitsdaten von Krankenhäusern auswertet, die das System Epic für ihre elektronischen Patientenakten nutzen.
Damit beginnt die Grippesaison in diesem Jahr etwa sieben Wochen früher als in den Jahren 2025 oder 2024. Für Patienten und Gesundheitssysteme bedeutet das: Der Druck auf Arztpraxen und Notaufnahmen setzt früher ein als üblich, und der Zeitpunkt für eine Schutzimpfung ist entsprechend dringlicher.
Zu den verfügbaren Optionen zählt in diesem Jahr erstmals ein mRNA-Grippeimpfstoff, der von Moderna entwickelt wurde – eine technologische Neuerung, die den Impfstoffmarkt langfristig verändern könnte.
Die Details
Die Daten von Epic Research basieren auf der Auswertung elektronischer Patientenakten aus einem breiten Netzwerk von Krankenhäusern in den USA. Die erhobene Kennzahl erfasst grippebedingte Arztbesuche über mehrere Versorgungsebenen hinweg: niedergelassene Praxen, Notaufnahmen und stationäre Krankenhausaufenthalte. Der Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum zeigt eine Verdopplung dieser Rate – ein statistisch auffälliger Anstieg, der auf einen ungewöhnlich frühen Saisonbeginn hindeutet.
Der Zeitpunkt ist relevant, weil Grippeimpfungen in der Regel einige Wochen benötigen, um einen vollständigen Schutz aufzubauen. Wer noch nicht geimpft ist, sollte angesichts des frühen Saisonstarts nicht weiter zögern. Zu den diesjährigen Impfoptionen gehört neben klassischen Impfstoffen auch der erste mRNA-basierte Grippeimpfstoff von Moderna.
Hintergrund: Was bisher geschah
Der Weg des Moderna-mRNA-Grippeimpfstoffs zur Zulassung war nicht geradlinig. Bereits am 11. Februar 2026 berichtete aktien.news, dass die US-Arzneimittelbehörde FDA die Prüfung des Zulassungsantrags für Modernas experimentellen Grippeimpfstoff mRNA-1010 abgelehnt hatte. Die Moderna-Aktie verlor daraufhin im nachbörslichen Handel rund 7 Prozent.
Die FDA bemängelte damals nicht die Sicherheit oder Wirksamkeit des Impfstoffs, sondern kritisierte ausschließlich das Design der klinischen Studie. Konkret beanstandete die Behörde, dass Moderna sein Produkt mit einem standardmäßigen, bereits zugelassenen Grippeimpfstoff verglichen hatte, statt mit dem bestmöglichen Versorgungsstandard. Das Ablehnungsschreiben wurde vom Direktor des zuständigen Centers, Vinay Prasad, unterzeichnet.
Für Moderna bedeutete die Ablehnung einen erheblichen Rückschlag bei den Bemühungen, rückläufige Umsätze mit COVID-19-Impfstoffen durch neue Produkte zu kompensieren und die langfristige Tragfähigkeit der mRNA-Technologie zu sichern.
Ebenfalls im Frühjahr 2026 rückte ein weiterer Impfstoffvergleich in den Fokus: Am 19. und 20. April 2026 berichtete aktien.news über Ergebnisse der sogenannten COMPARE-Studie, die auf dem Global Congress der European Society of Clinical Microbiology and Infectious Diseases (ESCMID) in München präsentiert wurden. Die randomisierte Doppelblindstudie mit 1.000 erwachsenen Teilnehmern in den USA zeigte, dass Sanofis proteinbasierter COVID-19-Impfstoff Nuvaxovid (NVX-CoV2705) in allen vorab festgelegten Endpunkten eine statistisch signifikant bessere Verträglichkeit aufwies als Modernas mRNA-Impfstoff mNEXSPIKE (mRNA-1283). Der primäre Endpunkt war die Wahrscheinlichkeit, innerhalb von sieben Tagen nach der Impfung mindestens eine systemische Reaktion zu zeigen.
Was das für Anleger bedeutet
Für Anleger, die im Gesundheits- und Biotechsektor investiert sind, liefert der frühe Saisonstart relevante Signale. Ein früher und intensiver Grippeverlauf kann die Nachfrage nach Impfstoffen und antiviralen Medikamenten erhöhen – und damit die Umsätze der entsprechenden Hersteller beeinflussen.
Moderna steht dabei im Fokus: Das Unternehmen hat nach der FDA-Ablehnung im Februar 2026 weiter an seinem mRNA-Grippeimpfstoff gearbeitet, und der Impfstoff ist laut dem aktuellen Bericht nun unter den verfügbaren Optionen für die laufende Saison. Ob und in welchem Umfang dies die Umsätze des Unternehmens stützt, bleibt abzuwarten.
Gleichzeitig zeigt die COMPARE-Studie, dass der Wettbewerb im Impfstoffmarkt intensiv bleibt. Sanofis Nuvaxovid hat in puncto Verträglichkeit gegenüber einem Moderna-Produkt punkten können – ein Aspekt, der für impfzögerliche Bevölkerungsgruppen relevant sein könnte und damit auch für die Marktdurchdringung der jeweiligen Hersteller.
Anleger sollten beachten, dass Impfstoffmärkte stark von regulatorischen Entscheidungen, Studienergebnissen und dem tatsächlichen Verlauf der Grippesaison abhängen. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich aus den vorliegenden Informationen nicht ableiten.
Ausblick
Der weitere Verlauf der Grippesaison 2026 wird zeigen, ob der frühe Start auch mit einer insgesamt stärkeren Belastung des Gesundheitssystems einhergeht. Gesundheitsbehörden und Krankenhäuser dürften die Entwicklung der Fallzahlen engmaschig beobachten.
Für Moderna bleibt die Frage offen, wie sich die Markteinführung des mRNA-Grippeimpfstoffs in der laufenden Saison entwickelt – insbesondere vor dem Hintergrund der regulatorischen Schwierigkeiten im Frühjahr 2026. Weitere Daten zur Wirksamkeit und Verträglichkeit der verschiedenen Impfstoffoptionen dürften im Laufe der Saison veröffentlicht werden.
Kurz erklärt
- mRNA-Impfstoff: Ein Impfstoff, der genetische Informationen in Form von Boten-RNA nutzt, um das Immunsystem zur Bildung von Antikörpern anzuregen.
- Epic Research: Ein Institut, das Gesundheitsdaten aus Krankenhäusern auswertet, die die Softwareplattform Epic für elektronische Patientenakten verwenden.
- Randomisierte Doppelblindstudie: Eine klinische Studienform, bei der weder Teilnehmer noch Prüfer wissen, wer welches Präparat erhält, um Verzerrungen zu minimieren.
