ANZEIGE

Gierflation: Was steckt wirklich hinter dem Phänomen?

Wenn die Inflation sinkt, schwindet das Interesse an Gierflation – dabei ist genau jetzt Wachsamkeit gefragt.

•• 3 Min
Gierflation: Was steckt wirklich hinter dem Phänomen?

Der Begriff „Gierflation" erlebte seinen Höhepunkt in den Jahren nach der Pandemie, als die Inflationsraten in vielen Ländern auf 8 oder 9 Prozent pro Jahr kletterten. Heute, da die Teuerung wieder auf ein normales Niveau gesunken ist, hört man kaum noch davon. Eine Google-Trends-Analyse zeigt dabei ein bemerkenswertes Muster: Die Suchhäufigkeit nach „Gierflation" folgt der Inflationskurve nahezu spiegelbildlich.

Doch genau diese neu gewonnene Gleichgültigkeit könnte ein Fehler sein. Denn gerade in Zeiten gedämpfter Inflation sollten Verbraucher die Preise besonders genau im Blick behalten – und die Frage stellen, ob Unternehmen ihre Gewinnmargen auf Kosten der Kunden ausweiten.

Was ist Gierflation überhaupt?

Die Grundidee der Gierflation ist intuitiv: Unternehmen nutzen Inflationsphasen, um ihre Preise stärker anzuheben als notwendig – und so ihre Gewinne zu maximieren. Tatsächlich versuchen Unternehmen stets, ihre Profite zu steigern. Doch als alleinige Erklärung für Inflationsschübe greift das Konzept zu kurz. Jede Theorie der Unternehmenshabgier muss erklären, warum die Gelegenheit zur Gier scheinbar zu- und abnimmt. Unternehmen wittern rund um die Uhr Gewinnchancen – sollen CEOs wirklich erst 2023 auf die Idee gekommen sein, ihre Preise drastisch zu erhöhen?

Dennoch gibt es durchaus plausible Mechanismen, die erklären könnten, wie Unternehmensverhalten Inflationsspitzen verschärft. Paul Scanlon vom Trinity College Dublin beschreibt in seinem Artikel „A model of greedflation", wie Unternehmen die allgemeine Inflation als Tarnung nutzen könnten: In einem Umfeld, in dem alle mit steigenden Preisen rechnen, fällt es schwerer zu beurteilen, ob eine Preiserhöhung gerechtfertigt ist oder nicht. Dieses Chaos könnte Unternehmen Spielraum für übermäßige Preiserhöhungen geben.

Isabella Weber und Evan Wasner von der University of Massachusetts Amherst beschreiben einen weiteren Mechanismus: Angebotsschocks in einem Wirtschaftsbereich könnten als Signal für Konkurrenzunternehmen dienen, ihre Preise im Gleichschritt zu erhöhen – ohne explizite Absprachen und damit ohne rechtliche Konsequenzen. Als hypothetisches Beispiel: Eine Sperrung der Straße von Hormus würde Öl aus anderen Quellen verteuern und könnte anderen Branchen das Signal geben, nicht nur Preise, sondern auch Gewinnmargen anzuheben.

Das Gegenteil: Verbraucher als Kontrollinstanz

Es gibt jedoch auch eine gegenteilige Sichtweise, die ebenso plausibel erscheint. Demnach reagieren Kunden bei stark steigenden Preisen kämpferisch und vergleichen intensiver – was Unternehmen zwingt, Kostensteigerungen zu schlucken. Erst wenn die Preise sinken oder stabil bleiben, werden Verbraucher nachlässig, und Unternehmen geben Einsparungen nicht weiter.

Belege für diese These liefern Johannes Brinkmann und Nikhil Datta von der University of Warwick. Sie analysierten die Auswirkungen des Ölpreisschocks von 2022 auf britische Benzin- und Dieselpreise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine. Das Ergebnis: Der Großhandelspreis für Diesel stieg um 39 Pence pro Liter, während die Einzelhandelspreise nur um 16 Pence zulegten. Die Margen der Einzelhändler schrumpften also – das genaue Gegenteil der Gierflations-Hypothese.

Die Erklärung: Bei stark steigenden Preisen fühlen sich Einzelhändler intensiver beobachtet. Brinkmann und Datta zeigen, dass die Suchanfragen auf der britischen Website petrolprices.com dramatisch zunahmen, als die Preise stiegen. In Regionen mit besonders vielen Suchanfragen war auch die Margenkompression besonders ausgeprägt.

Das Raketen-und-Federn-Prinzip

Diese Erkenntnisse fügen sich in eine lange Forschungstradition ein, die als „Raketen-und-Federn-Prinzip" bekannt ist. Die Idee dahinter: Tankstellenpreise schießen bei steigenden Rohölpreisen wie eine Rakete nach oben, sinken aber nur langsam wie eine Feder wieder ab. Dabei erreicht der schnelle Anstieg nicht einmal die Höhe, die man erwarten würde – die eigentlichen Gewinne entstehen erst während des langsamen Abstiegs.

Bereits vor 15 Jahren stellten Matthew S. Lewis und Howard Marvel fest, dass Kunden bei steigenden Preisen zwar mehr Aufwand für Preisvergleiche betreiben, dieser Aufwand aber kaum Früchte trägt, weil die meisten Anbieter ähnliche Preise verlangen. Wenn die Preise hingegen fallen und größere Unterschiede zwischen Anbietern bestehen, lohnt sich der Vergleich – doch genau dann machen sich die wenigsten Verbraucher die Mühe.

Das Fazit für Privatanleger und Verbraucher ist eindeutig: Gierflation ist kein Phänomen, das nur in Hochinflationsphasen relevant ist. Wer in ruhigen Zeiten die Preise nicht vergleicht, gibt Unternehmen genau den Spielraum, den diese für stille Margenausweitungen benötigen.

GierflationInflationUnternehmensgewinnePreisgestaltungVerbraucherpreiseGewinnmargenÖlpreisschock

Meistgelesene News

  1. Galeria-Insolvenz: Schicksal von 12.000 Jobs hängt an BA-Entscheidung
  2. Gaming und Wetten: Krypto-Klage, GTA 6 und Aktivisten-Investor im Fokus
  3. SpaceX-Aktie: Könnte eine Investition von 5.000 Dollar Millionär machen?
  4. Take-Two-Aktie vor GTA-6-Release: Chance oder Risikofalle?
  5. Rheinmetall-Aktie legt 3 Prozent zu – Morgan Stanley beflügelt Rüstungssektor

Disclaimer


Wichtiger Hinweis auf bestehende Interessenkonflikte:

Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass im Rahmen dieser Publikation Interessenkonflikte bestehen:

1. Die Stock Market Media Ltd. und ihr nahestehende Personen besitzen Aktien der hier empfohlenen Gesellschaften und beabsichtigen, diese im Rahmen und zu jedem Zeitpunkt dieser Empfehlung zu verkaufen. Hierin besteht ein eindeutiger und konkreter Interessenkonflikt.

2. Der Herausgeber dieser Publikation, sowie die verantwortlichen Redakteure erhalten für die Erstellung eine finanzielle Vergütung. Auch hierin besteht ein eindeutiger und konkreter Interessenkonflikt.

3. Beachten Sie auch die weitergehenden Ausführungen zu bestehenden Interessenkonflikten im nachfolgenden Disclaimer, u.a. unter Ziff. 2.

Wichtige Informationen und Pflichtmitteilungen gemäß Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) sowie gemäß Finanzanlageverordnung (FinAnV).

Stock Market Media Ltd. hat ihre Tätigkeit als Ersteller von Anlagestrategieempfehlungen im Sinne des Artikels 3 Absatz 1 Nummer 34 der Verordnung (EU) Nr. 596/2014 oder von Anlageempfehlungen im Sinne des Artikels 3 Absatz 1 Nummer 35 der Verordnung (EU) Nr. 596/2014, (bisher „Finanzanalysen“) der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht („BaFin“) gemäß WpHG angezeigt. Die Pflichten der Stock Market Media Ltd. regeln sich primär nach den §§ 85, 86 WpHG, der Verordnung (EU) Nr. 596/2014 und der Delegierten Verordnung (EU) 2016/958.

Angaben über den/die Ersteller dieser Publikation:
Verantwortlich für die Erstellung der Texte und Inhalte dieser Publikation ist Herr Roberto Gonçalves de Albuquerque, als Analyst und Chefredakteur. Herausgeber ist die Stock Market Media Ltd., 405 Kings Road, Flat 600, London; SW10 0BB, Vereinigtes Königreich, vertreten durch den Director Roberto Gonçalves de Albuquerque.

Wichtige Hinweise zur Erstellung dieser Veröffentlichung:
Diese Veröffentlichung enthält sowohl Tatsachen und Fakten zu den besprochenen Unternehmen, als auch rein subjektive Werturteile, Interpretationen, Schätzungen, Hochrechnungen, Vorhersagen und Preisziele. Diese versuchen wir, möglichst transparent voneinander abzugrenzen, um irreführende Angaben zu vermeiden. Recherche, Aufbereitung und Formulierung erfolgen dabei unter Einsatz gängiger digitaler und KI-gestützter Hilfsmittel; die inhaltliche Prüfung und die redaktionelle Verantwortung liegen bei uns. Die wesentlichen Grundlagen und Maßstäbe unserer Werturteile und Bewertungen, der besprochenen Aktien, basieren auf folgender Vorgehensweise:

Beurteilung und Bewertung von Unternehmen nach herkömmlichen Bewertungsmethoden (grundlegender Bewertungsansatz)

  • Einschätzung des Potentials der zukünftigen Unternehmensentwicklung (Wachstumsansatz) und Hochrechnung auf das entsprechende Bewertungspotential (Kurs-Potential-Analyse) sowie einer möglichen Unternehmens-Aktien-Bewertung aufgrund potentieller Gewinnerwartungen (KGV Hochrechnung)
  • Einschätzung des von uns erwarteten Best-Case-Szenarios im absoluten Erfolgsfall des Unternehmens (Blue-Sky-Potential-Ansatz)
  • Effekt der von uns erwarteten, gesteigerten Bekanntheit der empfohlenen Aktie auf den Aktienkurs durch einen starken Anstieg der Nachfrage am Markt (insbesondere maßgeblich bei marktengen oder neu bzw. erstmals empfohlenen Aktien) aufgrund der von uns oder Dritten veröffentlichten Publikationen (meistens Kaufempfehlungen), (Multiplikator- / Momentum-Effekt, Hype), dadurch überproportional steigende Rendite/Aktienkurs bei entsprechend steigendem Risiko
  • Technische Analyse des Aktienkurses gemäß gängiger Analyse-Methoden, meist zur Voraussage von Kurs-Signalen (Kauf- oder Verkaufssignal, Ausbruch der Aktie, Festlegung von Kurszielen, Unterstützungs- oder Widerstandsbereichen, erwarteten Mindestbewegungen oder Mindest-Gegenbewegungen, Voraussage von Signalpunkten (wenn-dann), etc.), größtenteils auf der erwarteten Massenpsychologie aufbauend. (technischer Ansatz).

Herkömmliche Bewertungsansätze sind bei jungen oder noch umsatzlosen Unternehmen oft schlecht sinnvoll anwendbar. Daher stützen wir uns bei der Bewertung von solchen Unternehmen tendenziell auf die von uns errechnete Potential-Analyse, sowie die Einschätzung der Nachfrage nach solchen Aktien am Kapitalmarkt. Letztendlich entscheidet der Markt über den Aktienkurs eines Unternehmens. Entsteht durch umfangreiche Empfehlungen einer Aktie, eine exzessive Nachfrage nach dieser, ist es möglich, dass der Aktienkurs bei einem hohen Handelsvolumen überdurchschnittlich steigt. Dies führt zwar zu extremen Gewinnmöglichkeit, erhöht jedoch entsprechend das Risiko einer Blasenbildung mit entsprechendem Kursrückgang. Durch die gesteigerte Volatilität der Aktie in solchen Situationen ergeben sich überdurchschnittliche Gewinn- und Verlustmöglichkeiten, sowohl in beide Handelsrichtungen als auch bei wiederkehrenden Gegenbewegungen. Auch solche Marktentwicklungen sind ein wichtiger Teil unserer Handelsempfehlungen und Bewertungsansätze.

Diese Publikation befasst sich ausschließlich mit überdurchschnittlich volatilen Werten mit hohem Gewinn- und auch Verlustpotential.

Hinweis zu Informationsquellen:
Die Zuverlässigkeit von Informationsquellen wird von uns vor deren Verwendung ausführlich geprüft und von uns entsprechend ihrer Glaubwürdigkeit und Bedeutung subjektiv bewertet. Dabei entscheiden wir nach eigenen Maßstäben, welche Quellen wir für relevant, zu konservativ oder zu optimistisch halten. Letztendlich legen wir unsere Empfehlungen aufgrund unserer persönlichen Einschätzungen fest. Bei der Informationsbeschaffung greifen wir auf zahlreiche öffentlich zugängliche Quellen zurück wie z.B. Pressemitteilungen, Ad-Hoc-Mitteilungen, Unternehmensmeldungen, Firmenpräsentationen, Publikationen und Artikeln zum besprochenen Unternehmen, gängige Finanzmedien im In- und Ausland sowie auf Unternehmens- oder Branchen-Analysen Dritter.

In unseren Publikationen werden ausschließlich öffentlich verfügbare Informationen und Quellen, sowie vom Unternehmen selbst verbreitete Informationen verwendet.

Hinweis zu bestehenden Interessenkonflikten:
Wir weisen hiermit darauf hin, dass Gesellschafter, Redakteure, Mitarbeiter sowie Personen bzw. Unternehmen die an der Erstellung dieser Veröffentlichung beteiligt sind, sowie Auftraggeber (Dritte) der Publikation von Stock Market Media Ltd. zum Zeitpunkt dieser Veröffentlichung direkt oder indirekt Anteile an Wertpapieren, welche im Rahmen der jeweiligen Publikation besprochen werden, halten. und daher an einer Kurs- und/oder Umsatzsteigerung, d.h. auch einer erhöhten Handelsliquidität interessiert sind, da die Absicht besteht, in unmittelbarem Zusammenhang mit dieser Veröffentlichung diese Wertpapiere zu verkaufen und an steigenden Kursen und Umsätzen zu partizipieren. Ein Kurszuwachs der Aktien der vorgestellten Unternehmen kann zu einem Vermögenszuwachs bei diesen Personen führen. Durch die Besprechung des Unternehmens können jedenfalls der Aktienkurs des Unternehmens erheblich beeinflusst werden. Insbesondere wird auch durch Wertpapiertransaktionen der Aktienkurs der besprochenen Unternehmen maßgeblich beeinflusst. Dies gilt insbesondere, wenn es sich um Unternehmen handelt deren Aktien keine breite Marktkapitalisierung haben und bei denen nur ein enger Markt besteht. Hier können auch nur geringe Auftragsvolumen erhebliche Auswirkungen auf die Kurse haben. Sie sind aber auch daran interessiert, dass der Kurs des besprochenen Unternehmens sinkt, wenn sie deren Aktien günstiger erwerben wollen. Dies begründet laut Gesetz einen Interessenskonflikt, auf den wir hiermit ausdrücklich hinweisen.

Stock Market Media Ltd. und seine Mitarbeiter werden zudem für die Vorbereitung, elektronische Verbreitung und Veröffentlichung dieser Publikation sowie für andere Dienstleitungen entgeltlich entlohnt. Dies begründet laut Gesetz einen Interessenskonflikt, auf den wir hiermit ausdrücklich hinweisen.

Diese Vergütung kann durch das Unternehmen über das die Stock Market Media Ltd. Informationen veröffentlicht, durch mit diesen Unternehmen verbundene Dritte oder sonstige Dritte, die ein Interesse in Bezug auf die im Zusammenhang mit dieser Veröffentlichung besprochenen Unternehmen verfolgen, erfolgen. Dies begründet laut Gesetz einen Interessenskonflikt, auf den wir hiermit ausdrücklich hinweisen. Dieser wird zunächst dadurch begründet, dass die Stock Market Media Ltd. im Interesse ihres Auftraggebers ihre Ausführungen vornehmen könnte. Die Stock Market Media Ltd. und/oder mit ihr verbundene Unternehmen haben mit der gegenständlichen Gesellschaft bzw. mit deren Aktionären eine kostenpflichtige Vereinbarung zur Erstellung der redaktionellen Besprechung getroffen. Dies begründet laut Gesetz einen Interessenskonflikt, auf den wir hiermit ausdrücklich hinweisen.

Hinweis zur Handhabe der internen Organisationspflichten:
Aufgrund der geringen Unternehmensgröße des Herausgebers, ist eine interne Kontrolle der Compliance Prozesse der an dieser Publikation mitwirkenden Mitarbeiter und sonstigen Beteiligten überschaubar.

Verantwortliche Aufsichtsbehörde:
Die Stock Market Media Ltd. hat ihre Tätigkeit gemäß § 86 WpHG bei der BaFin angezeigt.