G7 berät über Strategie gegen China-Abhängigkeit bei Seltenen Erden
US-Finanzminister Scott Bessent lud G7-Staaten und weitere Verbündete zu Krisengesprächen über kritische Rohstoffe ein. Ziel ist die Reduzierung der extremen Abhängigkeit von chinesischen Seltenen Erden.

Die führenden Industrienationen suchen nach Wegen, ihre kritische Abhängigkeit von chinesischen Seltenen Erden zu verringern. Bei einem hochrangigen Treffen in Washington diskutierten Finanzminister der G7-Staaten sowie Vertreter aus Australien, Mexiko, Südkorea und Indien über Strategien zur Diversifizierung der Lieferketten.
US-Finanzminister Scott Bessent hatte zu dem Treffen eingeladen, an dem auch Japans Finanzministerin Satsuki Katayama sowie die Finanzminister aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Kanada teilnahmen. Auch US-Handelsbeauftragter Jamieson Greer und Vertreter der US Export-Import Bank sowie von JP Morgan waren anwesend.
Chinas Dominanz bei kritischen Rohstoffen
Die Zahlen verdeutlichen das Ausmaß der Abhängigkeit: China raffiniert zwischen 47 und 87 Prozent der weltweit benötigten kritischen Mineralien wie Kupfer, Lithium, Kobalt, Graphit und Seltene Erden. Diese Rohstoffe sind unverzichtbar für Verteidigungstechnologien, Halbleiter, Batterien und Komponenten für erneuerbare Energien.
Auf die am Treffen teilnehmenden Länder und die EU entfallen 60 Prozent der weltweiten Nachfrage nach kritischen Mineralien. Dennoch dominiert China die gesamte Lieferkette von der Förderung bis zur Verarbeitung.
Japan im Fokus chinesischer Exportkontrollen
Der Druck auf die westlichen Staaten wächst: Erst letzte Woche verhängte China ein Exportverbot für Güter mit ziviler und militärischer Verwendung nach Japan, darunter auch kritische Mineralien. "Es besteht weitreichende Einigkeit über die Notwendigkeit, die Abhängigkeit von China bei Seltenen Erden rasch zu reduzieren", erklärte Katayama nach dem Treffen.
Die japanische Finanzministerin präsentierte einen Drei-Stufen-Plan mit kurz-, mittel- und langfristigen Maßnahmen. Dieser umfasst die Schaffung neuer Märkte auf Basis von Arbeits- und Menschenrechtsstandards sowie den Einsatz verschiedener politischer Instrumente.
Konkrete Maßnahmen im Gespräch
Zu den diskutierten Instrumenten gehören Unterstützung durch öffentliche Finanzinstitutionen, steuerliche und finanzielle Anreize, Handels- und Zollmaßnahmen sowie Mindestpreisfestsetzungen. Der deutsche Finanzminister Lars Klingbeil bestätigte, dass auch eine Preisuntergrenze für Seltene Erden und neue Partnerschaften zur Steigerung der Lieferungen erörtert wurden.
Allerdings befinden sich die Gespräche noch in einem frühen Stadium. "Viele Fragen sind ungelöst", räumte Klingbeil ein. Er warnte zugleich vor der Bildung einer Anti-China-Koalition und betonte, Europa müsse schneller aus eigener Kraft vorankommen.
Europa muss aktiv werden
"Was mir sehr wichtig ist, ist, dass wir uns in Europa nicht zurücklehnen", sagte der deutsche Minister. "Weder Klagen noch Selbstmitleid helfen uns, wir müssen aktiv werden." Er forderte mehr Finanzierung auf EU-Ebene und verwies auf einen neuen deutschen Rohstofffonds.
Besonders das Recycling kritischer Mineralien sieht Klingbeil als Chance. Es habe "großes Potenzial" zur Verringerung von Abhängigkeiten und zur Verbreiterung des Angebots. Auch Südkoreas Finanzminister Koo Yun-cheol betonte die Bedeutung des Recyclings für resiliente Lieferketten.
De-Risking statt Entkopplung
Das US-Finanzministerium äußerte sich optimistisch, dass die Länder ein "umsichtiges De-risking statt einer Entkopplung" von China anstreben würden. Dieser Ansatz zielt darauf ab, Risiken zu minimieren, ohne die wirtschaftlichen Beziehungen vollständig zu kappen.
Unter der französischen G7-Präsidentschaft in diesem Jahr werden Seltene Erden und die Versorgung mit kritischen Mineralien ein zentrales Thema bleiben. Kanada und Australien haben bereits Südkorea um Technologiekooperation gebeten, während das Treffen die Bedeutung unternehmensorientierter Zusammenarbeit unterstrich.
