ANZEIGE

Forvia lernt vom chinesischen Markt: Zulieferer muss schneller werden

Forvia hat sein Portfolio restrukturiert und setzt auf Elektronik und Sitze – doch Martin Fischer zufolge reicht Fokussierung allein nicht aus.

•• 4 Min
Forvia lernt vom chinesischen Markt: Zulieferer muss schneller werden

Der Automobilzulieferer Forvia hat sein Produktportfolio neu geordnet und dabei zwei Bereiche als Wachstumsfelder identifiziert: Elektronik und Sitze. Grundlage der Neuausrichtung ist ein Interview, das Martin Fischer der WirtschaftsWoche gegeben hat. Forvia ist der siebtgrößte Zulieferer der Welt und entstand aus der Übernahme von Hella durch Faurecia, die fast fünf Jahre zurückliegt.

Fischer beschreibt den eingeschlagenen Weg als bewusste Konzentration auf wenige, dafür aussichtsreiche Felder. "Wir haben unser Portfolio restrukturiert und klare Wachstumsfelder identifiziert: Elektronik und Sitze", sagt er. Mit der reinen Fokussierung ist es aus seiner Sicht allerdings nicht getan. Der Zulieferer müsse deutlich schneller auf die Bedürfnisse seiner Kunden reagieren.

Als Maßstab dient dabei der chinesische Markt. Dort kommen neue Fahrzeuge bereits nach zwölf Monaten auf den Markt. "In China etwa kommen neue Fahrzeuge bereits nach 12 Monaten auf dem Markt", so Fischer. Für einen Zulieferer mit einem sehr breiten Produktportfolio bedeutet das, dass Entwicklungs- und Entscheidungsprozesse erheblich beschleunigt werden müssen. Die Anpassung an das chinesische Tempo wird damit zum zentralen Thema der Strategie.

Die Details

Im Zentrum der Neuausrichtung stehen zwei Produktfelder. Die Elektronik gilt als eines der Wachstumsfelder, in denen Forvia künftig stärker aktiv sein will. Das zweite Feld sind Sitze. Sitze sind ein hochkomplexes Produkt, in dem Sicherheit und Wellness zusammenkommen. Wer Sitze liefert, muss also sowohl strengen Sicherheitsanforderungen genügen als auch Komfort- und Gesundheitsfunktionen integrieren.

Forvia ist der siebtgrößte Zulieferer der Welt. Das Unternehmen entstand aus der Übernahme von Hella durch Faurecia, die fast fünf Jahre zurückliegt. Aus dieser Verbindung ist ein Konzern mit einem sehr breiten Produktportfolio entstanden – genau jene Breite, die nun teilweise zugunsten klarer Schwerpunkte zurückgefahren wird.

Die Aussagen stammen aus einem Interview der WirtschaftsWoche mit Martin Fischer. Veröffentlicht wurden sie am 1. Oktober 2026. Beteiligt an der Entwicklung sind neben Forvia auch die Marke Hella und das frühere Unternehmen Faurecia, aus deren Zusammenschluss Forvia hervorging. Als geografischer Bezugspunkt für das Tempo der Branche dient China.

Hintergrund: Was bisher geschah

Die Beobachtung, dass chinesische Hersteller schneller entwickeln, ist kein Einzelfall in der Branche. Bereits am 25.09.2026 berichtete aktien.news, dass Suzuki Motor Corp. die Entwicklungszeit für neue Fahrzeuge drastisch verkürzen will. CEO Toshihiro Suzuki kündigte in Tokio an, den Fahrzeugentwicklungszyklus bis 2030 auf 24 Monate zu komprimieren. Derzeit benötigt das Unternehmen nach eigenen Angaben 40 bis 48 Monate für ein neues Modell. Suzuki sagte damals, chinesische Hersteller verfügten über eine unglaubliche Geschwindigkeit, und man müsse herausfinden, wie man schneller agieren könne.

Auch auf der Technologieseite tut sich viel. Am 25.04.2026 berichtete aktien.news, dass Chinas Autoindustrie die Integration von Künstlicher Intelligenz auf Geheiß Pekings vorantreibt. Grundlage ist der jüngste Fünfjahresplan des Landes mit dem nationalen Programm "AI Plus", das KI-Systeme in die Fertigung und nahezu jeden anderen Wirtschaftsbereich einbetten soll.

Weitere Berichte zeigen, wie unterschiedlich Zulieferer und Industrieunternehmen auf die Lage reagieren. Am 06.06.2026 berichtete aktien.news über den Schweizer Bauchemiehersteller Sika, dessen CEO Thomas Hasler den chinesischen Renovierungsmarkt, den US-Infrastrukturbau und den globalen Rechenzentrumssektor als Wachstumsfelder nannte. Am 18.05.2026 berichtete aktien.news über den Autozulieferer Benteler, dessen Chef Ralf Göttel mit dem Satz "Hoffnung ist keine Strategie" auf aktives Risikomanagement, flexible Kapazitäten und lokale Lieferketten setzt.

Was das für Anleger bedeutet

Für Privatanleger ist die Botschaft aus dem Interview vor allem eine strategische. Forvia versucht, aus einem breiten Portfolio heraus klare Schwerpunkte zu setzen. Solche Restrukturierungen sind in der Regel ein längerer Prozess: Sie betreffen Produktion, Entwicklung und Kundenbeziehungen gleichermaßen. Ob die Konzentration auf Elektronik und Sitze aufgeht, hängt davon ab, wie schnell das Unternehmen seine Abläufe an kürzere Entwicklungszeiten anpassen kann.

Der Vergleich mit China ist dabei mehr als eine Randnotiz. Wenn neue Fahrzeuge dort bereits nach zwölf Monaten auf den Markt kommen, geraten Zulieferer unter Druck, ihre eigenen Prozesse zu verkürzen. Wer zu langsam liefert, riskiert, bei der Vergabe von Aufträgen übergangen zu werden. Anleger sollten daher beobachten, ob Forvia konkrete Fortschritte bei Tempo und Reaktionsfähigkeit vorweisen kann – und ob die beiden Wachstumsfelder tatsächlich Aufträge und Umsatz bringen.

Ein Hinweis auf die Branchendynamik liefern auch die früheren Berichte. Suzuki will Entwicklungszeiten halbieren, China treibt KI in der Autoindustrie voran, Sika sucht Wachstum in neuen Segmenten, Benteler setzt auf lokale Lieferketten. Der gemeinsame Nenner: Der Druck, schneller und flexibler zu werden, betrifft nahezu alle Akteure der Wertschöpfungskette. Für Anleger bedeutet das, dass Strategiewechsel bei Zulieferern kein Sonderfall sind, sondern die Regel.

Ausblick

Konkrete Termine oder Zielvorgaben nennt die Quelle für Forvia nicht. Klar ist aus den Aussagen Fischers nur die Richtung: Das Unternehmen will sich am chinesischen Tempo orientieren und schneller auf Kundenbedürfnisse reagieren. Die Fokussierung auf Elektronik und Sitze ist dabei die Grundlage, nicht das Ziel. Wie schnell die Anpassung gelingt, bleibt offen.

Kurz erklärt

  • Automobilzulieferer: Unternehmen, das Bauteile, Systeme oder Module an Fahrzeughersteller liefert, statt selbst komplette Autos zu bauen.
  • Portfolio-Restrukturierung: Das gezielte Neuordnen des Produktangebots eines Unternehmens, meist verbunden mit dem Verkauf oder der Aufgabe einzelner Bereiche.
  • Entwicklungszyklus: Der Zeitraum von der ersten Idee für ein neues Produkt bis zu seiner Markteinführung.
ForviaMartin FischerHellaFaureciaAutomobilzuliefererElektronik Und SitzeChinaWirtschaftswoche

Meistgelesene News

  1. Mercedes-Benz: Neue Regeln für mobiles Arbeiten stehen kurz bevor
  2. Beschlagnahmte Iran-Öltanker segeln langsam in Richtung USA
  3. Ölpreise fallen: Asien importiert Höchstmenge Rohöl seit Iran-Krieg
  4. Alphabet und Nvidia: Was 1.000 Dollar bis 2030 wert sein könnten
  5. Ölpreis stabilisiert sich: USA und Iran prüfen gestaffelten Hormus-Deal

Disclaimer