Fluxnium sammelt 7 Millionen Dollar für Uran aus Meerwasser ein
Startup will Offshore-Uranextraktion vorantreiben, während New Mexico neue Bergbaulizenzen stoppt

Das in Los Angeles ansässige Startup Fluxnium hat in einer Seed-Finanzierungsrunde 7 Millionen US-Dollar eingesammelt, um seine Technologie zur Gewinnung von Uran aus Meerwasser voranzutreiben. Die Runde wurde von Congruent Ventures angeführt, einem klimafokussierten Investor mit mehr als einer Milliarde US-Dollar unter Verwaltung. Beteiligt waren zudem Active Impact Investments sowie Constellation Technology Ventures, der Venture-Capital-Arm des US-Atomkraftbetreibers Constellation.
Die Entwicklung fällt mit einer regulatorischen Verschärfung in New Mexico zusammen. Dort erließ die State Land Commissioner Stephanie Garcia Richard am 3. September eine Executive Order, die alle neuen Uran-Leasingverträge auf staatlichen Treuhandländern aussetzt. Der Bundesstaat, der historisch mehr als die Hälfte der gesamten US-Uranproduktion lieferte, hat damit keine aktive konventionelle Uranmine mehr auf staatlichem Grund.
Die Details
Fluxnium wurde von Jeff Green und Jim McDermott gegründet. Das Unternehmen plant, Adsorptionsfasern mit großer Oberfläche auf passiven Langliniensystemen im Meer einzusetzen. Die Infrastruktur ähnelt bestehenden kommerziellen Seetang- und Muschelfarmen. Die Fasern werden untergetaucht, sammeln Spuren von gelöstem Uran, bevor Betreiber sie abholen, das Material verarbeiten und die Leinen erneut ausbringen. Die Kerntechnologie wurde kürzlich gemeinsam mit einem nationalen US-Labor entwickelt.
Das frische Kapital soll in Pilottests und den Ausbau der Extraktionsplattform fließen, um die kommerzielle Machbarkeit in offenen marinen Umgebungen zu demonstrieren. Die Konzentrationen von Uran im Ozean sind zwar extrem niedrig, doch das globale Meerwasser enthält etwa 1.000-mal mehr Uran als alle identifizierten terrestrischen Lagerstätten zusammen. Dies stellt ein potenzielles Kernbrennstoffangebot für Jahrhunderte dar.
Die Executive Order in New Mexico beauftragt das State Land Office, die Sanierung von 1.000 Altlasten aus dem Bergbau zu priorisieren, darunter 250 Standorte, die nach dem Zusammenbruch der Branchenpreise Ende der 1970er Jahre aufgegeben wurden. Das Moratorium schließt zwei bestehende staatliche Leasingverträge aus und gilt nicht für Bundes- oder Privatländer. Dort liegen vier vorgeschlagene Bergbauprojekte in frühen Entwicklungsphasen mit geringer Wahrscheinlichkeit auf Vollendung.
Der lokale Widerstand gegen terrestrischen Uranbergbau wächst. Nach einer Genehmigungsanfrage von Gamma Resources für bis zu 12 Explorationsbohrungen nahe Canjilon unterstützten drei Abgeordnete des Kongresses aus New Mexico eine föderale Gesetzgebung, um den Uranbergbau im gesamten Chama Basin Watershed zu verbieten. Parallel dazu sieht sich NovaCore Exploration mit koordiniertem Widerstand von Bewohnern des Catron County konfrontiert, nachdem das Unternehmen im Juli 37 Bohrungen nahe Datil beantragt hatte.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 15. Juli 2026 berichtete aktien.news, dass das texanische Unternehmen SuperCritical Materials Corp vom US-Energieministerium eine Exklusivlizenz zur Gewinnung von Uran aus Meerwasser erhalten hatte. Auch dort kommt eine Fasertechnologie zum Einsatz, die von US-Laboren entwickelt wurde. Die kommerzielle Nutzung stand damals noch aus.
Am 19. September 2026 wurde bekannt, dass die US-Regierung dem kanadischen Uranentwickler Global Atomic eine bedingte Kreditzusage über 414,2 Millionen US-Dollar für den Bau der Dasa-Uranmine in Niger erteilt hatte. Dies unterstreicht das strategische Interesse Washingtons an der Sicherung eigener Uranversorgungsquellen jenseits der heimischen Förderung.
Die Schwierigkeiten bei der Genehmigung neuer Minen sind kein Einzelfall. Am 30. Juni 2026 blockierte Grönland die Lizenzverlängerung für das Seltenerdprojekt Kuannersuit von Energy Transition Minerals, unter anderem mit Verweis auf das geltende Urangesetz. Und am 21. Juli 2026 startete F3 Uranium ein Sommerbohrprogramm auf dem PLN-Projekt im kanadischen Athabasca-Becken, einer der bedeutendsten Uranregionen der Welt.
Was das für Anleger bedeutet
Die USA importieren derzeit mehr als 90 Prozent ihrer Uranversorgung. Gleichzeitig wächst die Stromnachfrage, und Atomkraft wird zunehmend als Lösung betrachtet. Fluxnium-CEO Jeff Green erklärte in der offiziellen Pressemitteilung, das Unternehmen entwickle eine neue inländische und nachhaltige Uranquelle, die passiv aus Meerwasser adsorbiert werde – zu Kosten, die voraussichtlich mit dem konventionellen Bergbau konkurrieren könnten, ohne Probleme mit Rückständen oder Grundwasser.
Die föderale Genehmigung für terrestrische Minen dauert derzeit bis zu zehn Jahre, so die National Mining Association. Fluxnium argumentiert, dass sein modulares Einsatzmodell die umfangreichen Kapitalanforderungen, Genehmigungsverzögerungen und Risiken der Grundwasserverschmutzung vermeidet, die mit der terrestrischen Extraktion verbunden sind.
Parallel versucht die Bundesregierung, die Entwicklung terrestrischer Mineralien zu beschleunigen. Das US-Repräsentantenhaus verabschiedete Anfang September den Protecting Domestic Mining Act of 2025, der die interbehördliche Koordination vereinfachen und föderale Genehmigungsfristen durchsetzen soll. Die Trump-Verwaltung nutzt zudem den FAST-41-Prozess, um kritische Mineralgenehmigungen zu beschleunigen.
Ausblick
Fluxnium wird das eingesammelte Startkapital in Pilottests und den Ausbau der Extraktionsplattform investieren. Ziel ist es, die kommerzielle Machbarkeit in offenen marinen Umgebungen zu demonstrieren. In New Mexico bleibt die Lage angespannt: Die Executive Order gilt zunächst für staatliche Flächen, während auf Bundes- und Privatland vier Projekte in frühen Phasen verharren. Der Widerstand der lokalen Bevölkerung und der Politik gegen neue Uranbergbauprojekte dürfte anhalten.
Kurz erklärt
- Adsorptionsfasern: Spezielle Fasern, an deren Oberfläche sich gelöste Stoffe wie Uranionen aus dem Wasser anlagern und so aus der Flüssigkeit entfernt werden.
- Seed-Finanzierung: Die erste größere externe Finanzierungsrunde eines Startups, in der Kapitalgeber Anteile am Unternehmen erhalten, um die Entwicklung der Technologie zu ermöglichen.
- Executive Order: Eine Anordnung der Exekutive, in diesem Fall der State Land Commissioner, die ohne Zustimmung des Parlaments Rechtswirkungen entfaltet und Verwaltungshandeln steuert.
