Fed unter Druck: Inflation bleibt hartnäckig über dem Zielwert
US-Notenbank kämpft seit fünfeinhalb Jahren mit zu hoher Teuerung – Goolsbee warnt vor einem "Spiel mit dem Feuer".

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) sieht sich weiterhin mit einer hartnäckigen Inflation konfrontiert, die ihr Ziel von zwei Prozent deutlich verfehlt. Die Teuerungsrate liegt bereits seit fünfeinhalb Jahren über diesem Zielwert. Der Präsident der Chicago Fed, Austan Goolsbee, warnte eindringlich, dies komme einem "Spiel mit dem Feuer" gleich.
Goolsbee betonte, die Zentralbank müsse auf anhaltende Angebotsschocks reagieren. Über Zinssenkungen könne sie erst nachdenken, wenn klare Beweise für einen nachhaltigen Rückgang der Inflation vorlägen. Damit erteilt der Notenbanker allen Spekulationen auf eine baldige Lockerung der Geldpolitik eine klare Absage.
Für deutsche Anleger ist diese Haltung von erheblicher Bedeutung, weil die US-Geldpolitik die globalen Finanzmärkte, den Dollar und die Renditen von Staatsanleihen maßgeblich prägt. Die bevorstehende Veröffentlichung des Preisindex für persönliche Konsumausgaben (PCE), dem bevorzugten Inflationsmaß der Fed, dürfte dabei wenig Entspannung signalisieren.
Die Details
Analysten erwarten für August einen Anstieg des PCE-Index von 0,3 Prozent sowohl auf Gesamt- als auch auf Kernebene. Im Jahresvergleich wird mit Werten von 3,7 Prozent beziehungsweise 3,3 Prozent gerechnet. Diese Zahlen liegen trotz methodischer Anpassungen durch das Bureau of Economic Analysis (BEA) weit über dem Zielkorridor der Notenbank. Die BEA-Revisionen, die Daten bis 2021 betreffen, könnten die Rückschau zwar leicht verbessern, ändern jedoch wenig an der trüben Aussicht für die kommenden Monate.
Innerhalb des Offenmarktausschusses (FOMC) herrscht Uneinigkeit über den weiteren geldpolitischen Kurs. Fed-Gouverneur Michael Barr sieht aufgrund von Faktoren wie Zöllen und den Auswirkungen des Konflikts mit dem Iran keine klare Trendwende zum 2-Prozent-Ziel und hält weitere Zinserhöhungen für notwendig. Der New Yorker Fed-Präsident John Williams äußert sich dagegen vorsichtiger: Er sieht zwar die Notwendigkeit einer weiteren Zinsanpassung in diesem Jahr, betont jedoch, dass keine unmittelbare Dringlichkeit bestehe.
Die wirtschaftliche Lage bleibt komplex. Einerseits belasten strukturelle Probleme wie die Raffineriekapazitäten und die durch den KI-Boom getriebene Nachfrage die Preise. Andererseits zeigen Daten, dass der Konsum trotz der Inflation robust bleibt. Bank of America meldete für Mitte September einen deutlichen Anstieg der Kreditkartenausgaben, was darauf hindeutet, dass die bisherigen Zinserhöhungen die Verbrauchernachfrage noch nicht ausreichend gedämpft haben. Zudem warnt Goolsbee, dass massive Haushaltsdefizite als Konjunkturstimulus wirken und die Wirtschaft weiter überhitzen könnten.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuelle Debatte ist Teil einer längeren Entwicklung, die aktien.news in den vergangenen Monaten begleitet hat. Bereits am 07.04.2026 berichtete aktien.news, dass die Präsidentin der Federal Reserve von Cleveland, Beth Hammack, und Chicago-Fed-Chef Austan Goolsbee in einem gemeinsamen Podcast-Interview unmissverständlich klarmachten, die Inflation sei das drängendste Problem der US-Wirtschaft. Beide Fed-Vertreter unterstrichen damit ihre Unterstützung für eine straffe Geldpolitik – also eher keine baldigen Zinssenkungen.
Am 27.06.2026 meldete aktien.news, dass zwei hochrangige Fed-Vertreter einen vorsichtigen Optimismus signalisierten, ohne konkrete Schritte bei den Zinsen in Aussicht zu stellen. Goolsbee erklärte damals, der Inflationstrend weise weiterhin in die falsche Richtung, es gebe jedoch einige Lichtblicke. John Williams ergänzte am späteren Nachmittag, er erwarte, dass die Inflationsdaten künftig einen Abwärtstrend einschlagen werden. Die Kommentare fielen an einem Tag, an dem das US-Handelsministerium neue Inflationsdaten veröffentlichte.
Am 15.08.2026 berichtete aktien.news, dass die offizielle Inflationsrate bei 3,4 Prozent lag und damit deutlich über dem Zielwert der Fed von zwei Prozent. Als Haupttreiber galten der Iran-Krieg und gestiegene Ölpreise. Zugleich überschritten die Renditen langlaufender US-Staatsanleihen mit Laufzeiten von zehn oder 30 Jahren ein 25-Jahres-Hoch und notierten bei über fünf Prozent – ein Signal für die Unsicherheit an den Märkten.
Am 17.09.2026 schließlich berichtete aktien.news, dass die Fed vor einer der schwierigsten Entscheidungen ihrer jüngeren Geschichte stand. Notenbankchef Kevin Warsh musste sich zwischen wirtschaftlicher Notwendigkeit und politischem Druck aus dem Weißen Haus bewegen. Die Inflation lag mit 3,4 Prozent deutlich über dem Zielwert von 2 Prozent, und die Märkte preisten eine Zinserhöhung mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit ein. Eine Umfrage der University of Chicago's Booth School of Business zeigte, dass 50 von 51 führenden Ökonomen eine Zinserhöhung befürworteten. Der von der Fed bevorzugte PCE-Index lag bei 3,7 Prozent – fast doppelt so hoch wie das langfristige Ziel.
Was das für Anleger bedeutet
Die Gemengelage aus hartnäckiger Inflation, robustem Konsum und uneinheitlichen Signalen aus dem FOMC spricht dafür, dass die Fed vorerst nicht zu einer expansiven Geldpolitik zurückkehren dürfte. Goolsbee macht deutlich, dass Zinssenkungen an klare Beweise für einen nachhaltigen Rückgang der Teuerung geknüpft sind. Solche Belege liegen nach den aktuellen Erwartungen für den PCE-Index nicht vor.
Gleichzeitig zeigen die von Bank of America gemeldeten Kreditkartenausgaben, dass die Verbrauchernachfrage bislang nicht ausreichend gebremst wurde. Hinzu kommen strukturelle Preistreiber wie Raffineriekapazitäten und die durch den KI-Boom getriebene Nachfrage sowie die von Goolsbee genannten massiven Haushaltsdefizite, die als Konjunkturstimulus wirken. Für deutsche Privatanleger bedeutet das ein Umfeld, in dem die Zinsentwicklung in den USA weiterhin stark von einzelnen Inflationsdaten abhängt – eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Ausblick
Die Märkte preisen derzeit eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine weitere Zinsanpassung im Oktober sowie einen weiteren Schritt bis Jahresende ein. Fed-Chef Kevin Warsh unterstrich zuletzt die Stärke der US-Wirtschaft, gestützt durch solide Arbeitsmarktdaten und Unternehmensinvestitionen. Goolsbee stellte abschließend klar, dass die Fed sich nicht an den kurzfristigen Erwartungen der Finanzmärkte orientieren dürfe, sondern den gesetzlichen Auftrag zur Preisstabilität in den Vordergrund stellen müsse. Der nächste wichtige Datenpunkt bleibt die Veröffentlichung des PCE-Index für August.
Kurz erklärt
- PCE-Index: Das von der US-Notenbank bevorzugte Maß für die Teuerung, das die Preisentwicklung privater Konsumausgaben abbildet.
- FOMC: Der Offenmarktausschuss der Fed, der über den geldpolitischen Kurs und die Zinssätze entscheidet.
- Angebotsschock: Ein unerwartetes Ereignis, das das Angebot von Gütern oder Rohstoffen verknappt und dadurch Preise steigen lässt.
- Kerne Inflation: Teuerungsrate ohne die stark schwankenden Preise für Energie und Nahrungsmittel.
