Fed-Kandidat Warsh weicht Frage zur US-Wirtschaft aus
Kevin Warsh, Kandidat für den Fed-Vorsitz, mied im Senatsausschuss eine direkte Bewertung der US-Wirtschaft geschickt.

Kevin Warsh, der als Kandidat für den Vorsitz der US-Notenbank Federal Reserve gehandelt wird, hat vor dem Bankenausschuss des Senats eine direkte Frage zur Bewertung der amerikanischen Wirtschaft elegant umgangen. Senator Raphael Warnock (Demokrat, Georgia) hatte Warsh aufgefordert, der US-Wirtschaft eine Note zu geben – doch der Fed-Kandidat wich der Frage mit einer unerwarteten Antwort aus.
Warsh nutzte die Gelegenheit, um stattdessen die sogenannte Noteninflation an amerikanischen Hochschulen zu kritisieren. Er erklärte vor dem Ausschuss, dass ihn der Dekan in sein Büro rufen würde, wenn er einem Studenten eine andere Note als eine „Eins" gäbe, weil er damit das Selbstbild des Studenten verletze. Mit dieser Antwort vermied Warsh geschickt eine konkrete Einschätzung der wirtschaftlichen Lage der USA.
Warsh fordert geldpolitische Reformen
Trotz seiner ausweichenden Antwort auf die Notenfrage äußerte sich Warsh inhaltlich zur Wirtschaftspolitik. Gegenüber Senator Warnock erklärte er, dass die Wirtschaft stärker, die Inflation niedriger und die Nettoeinkommen höher sein könnten, wenn die Fed geldpolitische Reformen umsetzen würde. Damit signalisierte Warsh, dass er die aktuelle Geldpolitik der US-Notenbank für verbesserungswürdig hält.
Ein weiterer Kritikpunkt Warshs betrifft die Entwicklung der Fed-Bilanz. Er kritisierte ausdrücklich die Ausweitung der Bilanzsumme der US-Notenbank seit seiner letzten Tätigkeit als Fed-Gouverneur. Die Bilanzausweitung der Fed – ein Instrument der unkonventionellen Geldpolitik, bei dem die Notenbank Wertpapiere kauft, um die Wirtschaft zu stützen – ist seit Jahren ein umstrittenes Thema unter Ökonomen und Politikern.
Warshs Hintergrund und Verbindung zur Fed
Kevin Warsh ist kein Unbekannter in der Welt der amerikanischen Geldpolitik. Er war bereits zuvor als Gouverneur der Federal Reserve tätig. Nach dem Ende seiner damaligen Amtszeit wechselte er zur renommierten Hoover Institution der Stanford University, einem einflussreichen wirtschaftspolitischen Thinktank.
Für deutsche Anleger und Beobachter ist die Frage, wer künftig die Fed führt, von erheblicher Bedeutung. Die Entscheidungen der US-Notenbank beeinflussen nicht nur die amerikanische Wirtschaft, sondern wirken sich direkt auf globale Kapitalmärkte, Wechselkurse und damit auch auf europäische und deutsche Investitionen aus. Ein Fed-Chef, der geldpolitische Reformen anstrebt und die Bilanzausweitung kritisch sieht, könnte eine straffere Geldpolitik signalisieren – mit weitreichenden Folgen für Zinsen und Märkte weltweit.
Die Anhörung vor dem Bankenausschuss des Senats ist ein wichtiger Schritt im Bestätigungsverfahren für den Fed-Vorsitz. Warshs Auftreten und seine politischen Positionen werden von Marktteilnehmern und Politikern gleichermaßen genau beobachtet.
