Fed hält Leitzins vor Midterm-Wahlen bei 3,75 bis 4 Prozent
Die Fed belässt den Leitzins bei 3,75 bis 4 Prozent – eine Woche vor den Midterm-Wahlen und nach der September-Erhöhung.

Die US-Notenbank Federal Reserve hat ihren Leitzins auf der jüngsten Sitzung unverändert in der Spanne von 3,75 bis 4 Prozent belassen. Der Beschluss fällt nur eine Woche vor den Midterm-Wahlen in den Vereinigten Staaten und damit rund einen Monat, nachdem die Notenbank im September die Zinsen zum ersten Mal seit drei Jahren angehoben hatte. Fed-Vorsitzender Kevin Warsh begründete den Schritt mit der Wirkung der bisherigen Geldpolitik: „Der überwältigende Konsens, das überwältigende Urteil ist, dass unsere geldpolitischen Maßnahmen langsam anschlagen“, sagte er mit Blick auf die September-Erhöhung.
Für die Währungshüter ist die Pause offenbar eine Frage des Datenmaterials. Die Fed erklärte, sie wolle weitere Informationen sammeln, bevor sie eine weitere Entscheidung zur Änderung der Zinsen treffe – obwohl die Inflation weiterhin hoch sei. Zugleich stellte das Gremium fest, dass die US-Wirtschaft trotz bestehender Unsicherheiten widerstandsfähig geblieben ist. Warsh räumte ein, dass die Inflation nach wie vor zu hoch liege, verwies jedoch auf andere Anzeichen – etwa verschärfte Kreditbedingungen –, die darauf hindeuteten, dass sich die Wirtschaft auf dem richtigen Weg bewege.
Der Entscheid war nicht einstimmig. Zehn der zwölf stimmberechtigten Ausschussmitglieder votierten dafür, die Zinssätze unverändert zu lassen. Gouverneurin Lisa Cook und Beth Hammack, Präsidentin der Cleveland Fed, sprachen sich dagegen für eine Erhöhung der Zinssätze auf 4 bis 4,25 Prozent aus, ausgehend vom aktuellen Niveau von 3,75 bis 4 Prozent. Die nächste Sitzung der Bank wird am 8. und 9. Dezember stattfinden.
Die Details
Hinter dem Leitzins steht ein Mechanismus, den die Fed über ihren Zielkorridor für die Federal Funds Rate steuert. Gemeint ist der Zinssatz, den Geschäftsbanken für Übernachtkredite untereinander zahlen. Dieser Satz gibt Verbrauchern und Unternehmen an, wie viel es kostet, Geld zu leihen – etwa über Kreditkarten, Hypotheken oder Geschäftskredite –, aber auch, welche Rendite sie für das Sparen von Bargeld erzielen.
Die Fed nutzt Änderungen der Zinssätze, um die Inflation – also die Rate, mit der sich die Preise ändern – bei einem jährlichen Wert von 2 Prozent zu stabilisieren und den Arbeitsmarkt stabil zu halten. Ist die Inflation zu hoch, neigt die Notenbank dazu, die Zinsen anzuheben. Das führt tendenziell zu höheren Zinssätzen bei Banken und anderen Kreditgebern, was wiederum die Ausgaben- und Sparentscheidungen beeinflusst. Wer seine Hypothek refinanzieren oder erstmals eine Immobilie kaufen will, könnte mit höheren Hypothekenzinsen konfrontiert werden; auch die Zinssätze für Kreditkarten oder Autokredite können steigen. Andererseits bedeutet dies höhere Zinssätze für Spareinlagen.
Das Unverändertlassen der Zinssätze hat nach Darstellung der Fed einen vergleichsweise milden Effekt. Die Zinssätze für neue Hypotheken oder Geschäftskredite dürften sich eher wenig verändern, und ein Anstieg der Zinssätze für Spareinlagen ist unwahrscheinlich. Der Grund: Die Erwartung einer Zinsbewegung ist bereits in den Konditionen der Institute verarbeitet, ein tatsächlicher Schritt der Notenbank verändert diese Erwartung nicht mehr.
Historisch sind die US-Zinssätze stark geschwankt. Zuletzt lagen die Fed-Zinssätze in der Vorlaufphase und zu Beginn der globalen Finanzkrise 2008 auf einem vergleichbar hohen Niveau. Damals senkte die Fed die Zinssätze auf historische Tiefststände, um Ausgaben und die Schaffung von Arbeitsplätzen während der wirtschaftlichen Flaute anzukurbeln, und hielt sie mehrere Jahre lang auf diesem niedrigen Niveau. Kurz vor der Pandemie stiegen sie wieder an, ehe sie während der Pandemie auf Werte von 0 bis 0,25 Prozent fielen. Anschließend kletterten sie von Mitte 2023 bis August 2024 auf Höchststände von 5,25 bis 5 Prozent, weil die Inflation sprunghaft anstieg. Seitdem waren sie kontinuierlich gefallen, bis die Zinssätze im vergangenen Monat erneut angehoben wurden.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 15.06.2026 berichtete aktien.news, die Fed habe auf ihrer Sitzung die Zinssätze stabil gehalten – es war die erste Sitzung unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh, der von Präsident Donald Trump nominiert wurde. Damals lag die Inflationsrate laut Bericht etwa doppelt so hoch wie das langfristige Ziel der Federal Reserve von 2 Prozent. Experten hielten unter diesen Umständen eine Zinserhöhung für wahrscheinlicher als eine Senkung.
Am 18.06.2026 meldete aktien.news, die zwölf stimmberechtigten Mitglieder des Offenmarktausschusses hätten einstimmig dafür votiert, die Zinsspanne bei 3,50 bis 3,75 Prozent zu belassen – bereits die dritte Pause in Folge im laufenden Jahr. US-Präsident Donald Trump hatte sich von Warsh deutliche Zinssenkungen erhofft und war damit offenbar gescheitert; vor Warshs Amtsantritt hatte Trump öffentlich erklärt, er wäre „sehr enttäuscht“, sollte Warsh die Zinsen nicht „sofort“ senken.
Am 30.07.2026 berichtete aktien.news über die fünfte unveränderte Sitzung in Folge, damals mit einer Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent. Warsh machte dabei deutlich, dass es keinen schnellen Ausweg aus der Preismisere gibt: Es gebe keinen „Zauberstab“, um die Lebenshaltungskosten für die amerikanische Bevölkerung zu senken. Er bekräftigte zugleich das Versprechen der Notenbank, die Inflation langfristig unter Kontrolle zu bringen, räumte aber ein, dass dies Zeit in Anspruch nehmen werde.
Am 18.09.2026 folgte dann der Schritt, auf den die Märkte gewartet hatten. Wie aktien.news berichtete, hob die Fed den Leitzins auf eine Spanne zwischen 3,75 und 4 Prozent an. Die Zinserhöhung war von den Märkten bereits eingepreist, sorgte aber dennoch für Bewegung an den internationalen Börsen. Anleger fragten sich damals, wie es mit der Geldpolitik der Fed in den kommenden Monaten weitergeht. Die Notenbank reagierte mit dem Schritt auf die anhaltende Teuerung in den USA.
Was das für Anleger bedeutet
Für Privatanleger in Deutschland ist der Entscheid vor allem ein Signal für den geldpolitischen Kurs der größten Notenbank der Welt. Drei Punkte lassen sich aus dem Quelltext ableiten, ohne dass daraus eine Handlungsempfehlung folgt. Erstens: Die Fed pausiert, schließt eine weitere Erhöhung aber nicht aus – der Ausschuss hatte im vergangenen Monat signalisiert, dass es möglicherweise noch eine weitere Zinserhöhung in diesem Jahr geben könnte. Zweitens: Die Abstimmung war gespalten, zwei von zwölf Mitgliedern wollten bereits jetzt einen höheren Satz. Drittens: Die Fed will erst weitere Wirtschaftsdaten sehen, bevor sie den nächsten Schritt beschließt.
Wer auf Zinsprodukte setzt, sollte die im Quelltext genannten Übertragungswege beachten: Unveränderte Leitzinsen verändern die Konditionen für neue Hypotheken oder Geschäftskredite eher wenig, und auch steigende Sparzinsen sind in dieser Situation unwahrscheinlich. Für Sparer bedeutet eine Pause damit zunächst Stillstand bei den Guthabenzinsen, für Kreditnehmer keine unmittelbare Entlastung, aber auch keine neue Belastungswelle.
Ausblick
Der nächste feste Termin steht bereits: Die Federal Reserve tagt am 8. und 9. Dezember. Bis dahin werde eine Fülle weiterer Wirtschaftsdaten vorliegen, sagte Warsh, die ein detaillierteres Bild der wirtschaftlichen Lage zeichnen sollten. Zu diesem Zeitpunkt, so der Fed-Vorsitzende, „werden wir meiner Meinung nach besser positioniert sein, um die richtige politische Entscheidung und die Ausrichtung der Politik zu bestimmen“. Auf die Frage, wohin die Zinsen in sechs Wochen gehen könnten, wollte sich Warsh nicht festlegen: „Es kann viele Dinge geschehen, daher werde ich meine Überlegungen nicht mit Ihnen teilen.“
Kurz erklärt
- Federal Funds Rate: der Zinssatz, den Geschäftsbanken für Übernachtkredite untereinander zahlen und den die Fed über einen Zielkorridor steuert.
- Inflationsziel: die von der Notenbank angestrebte Rate, mit der sich Verbraucherpreise jährlich verändern sollen.
- Offenmarktausschuss: das Gremium der Fed, das über die Leitzinsen abstimmt und dessen Mitglieder unterschiedliche Voten abgeben können.
