EZB-Ratsmitglied Rehn: Zinserhöhung im April nicht garantiert
EZB-Ratsmitglied Olli Rehn dämpft Erwartungen: Eine Zinserhöhung am 30. April sei nicht selbstverständlich.

EZB-Ratsmitglied Olli Rehn hat am Dienstag klargestellt, dass eine Zinserhöhung bei der geldpolitischen Sitzung der Europäischen Zentralbank am 30. April keineswegs sicher ist. Der Gouverneur der finnischen Zentralbank mahnte zur Vorsicht und verwies auf die anhaltenden Unsicherheiten durch den Nahostkonflikt. Die EZB beobachte die Lage und deren wirtschaftliche Folgen genau, so Rehn.
„Eine Zinserhöhung ist nicht selbstverständlich, aber wir müssen besonnen vorgehen und die Auswirkungen des Krieges im Iran sowie der Schließung der Straße von Hormus auf die Wirtschaft genau analysieren", sagte Rehn vor Journalisten. Damit signalisiert ein wichtiges Mitglied des EZB-Rates, dass die Notenbank trotz Inflationsdruck nicht automatisch an einem straffen Kurs festhält. Die Aussagen dürften die Märkte aufhorchen lassen, die zuletzt auf weitere Zinsschritte spekuliert hatten.
Inflation steigt – Mittelfristiger Ausblick bleibt unklar
Rehn räumte ein, dass ein Anstieg der Gesamtinflation im laufenden Jahr unvermeidlich sei. Gleichzeitig betonte er, dass die mittelfristigen Auswirkungen des Krieges auf die Preisentwicklung noch nicht klar abzuschätzen seien. Diese Unsicherheit ist ein zentrales Argument dafür, bei geldpolitischen Entscheidungen behutsam vorzugehen.
Die Auswirkungen des Konflikts seien zudem nicht für alle Länder des Euroraums gleich, erklärte Rehn. Finnland etwa sei aufgrund schnellerer Fortschritte bei der Energiewende moderater betroffen als andere Mitgliedsstaaten. Dies verdeutlicht, wie unterschiedlich die wirtschaftliche Verwundbarkeit innerhalb der Eurozone ausfällt – ein Faktor, den die EZB bei ihrer Entscheidungsfindung berücksichtigen muss.
Energiewende als Schlüssel zur wirtschaftlichen Widerstandsfähigkeit
Rehn nutzte die Gelegenheit auch, um die Bedeutung der grünen Transformation für Europa zu unterstreichen. Der Krieg im Nahen Osten zeige einmal mehr, wie wichtig die Energiewende für die Widerstandsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit des Kontinents sei. Länder, die frühzeitig auf erneuerbare Energien gesetzt haben, sind demnach weniger anfällig für externe Schocks wie steigende Energiepreise infolge geopolitischer Konflikte.
„Die grüne Transformation jetzt zu verlangsamen, wäre ein schwerer Fehler", betonte Rehn unmissverständlich. Damit positioniert er sich klar gegen Stimmen, die angesichts wirtschaftlicher Belastungen eine Verlangsamung des Klimakurses fordern. Für die EZB-Politik bedeutet dies: Geopolitische Risiken und strukturelle Transformationsprozesse spielen zunehmend eine Rolle bei der Beurteilung der wirtschaftlichen Lage im Euroraum.
Die nächste geldpolitische Sitzung der EZB findet am 30. April statt. Bis dahin dürften weitere Daten zur Inflation und zur wirtschaftlichen Entwicklung im Euroraum die Debatte innerhalb des EZB-Rates prägen. Rehns Aussagen machen deutlich, dass die Entscheidung alles andere als eine ausgemachte Sache ist.
