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EZB-Ratsmitglied Rehn warnt vor voreiligen Zinserhöhungen im Nahost-Konflikt

EZB-Ratsmitglied Olli Rehn betont datenabhängigen Kurs – eine Zinserhöhung am 30. April sei keineswegs beschlossene Sache.

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EZB-Ratsmitglied Rehn warnt vor voreiligen Zinserhöhungen im Nahost-Konflikt

EZB-Ratsmitglied und finnischer Notenbankgouverneur Olli Rehn hat am Dienstag, dem 14. April 2026, eine klare Botschaft an die Märkte gesendet: Die Europäische Zentralbank wird ihre Geldpolitik nicht überstürzt anpassen. Eine Zinserhöhung beim nächsten EZB-Treffen am 30. April sei „keineswegs im Voraus festgelegt", betonte Rehn ausdrücklich. Stattdessen setzt der EZB-Rat auf einen datenabhängigen Ansatz, der die gesamtwirtschaftliche Lage in den Blick nimmt.

Hintergrund ist die anhaltende Eskalation im Nahen Osten, insbesondere die militärischen Auseinandersetzungen mit Beteiligung des Irans und die Schließung der Straße von Hormus. Diese geopolitische Krise belastet die Energieversorgung Europas und erzeugt erheblichen Inflationsdruck. Rehn räumte ein, dass ein Anstieg der Gesamtinflation im laufenden Jahr „unvermeidlich" sei – betonte jedoch gleichzeitig, dass der mittelfristige Inflationsausblick von großer Unsicherheit geprägt bleibe.

EZB beobachtet Zweitrundeneffekte genau

Besonders im Fokus des EZB-Rats steht die Frage, ob der Konflikt sogenannte Zweitrundeneffekte auf Löhne und Preise auslöst. Rehn warnte, dass die EZB zu einer deutlichen geldpolitischen Straffung bereit sei, sollten die Inflationserwartungen nachhaltig aus dem Ruder laufen. Gleichzeitig machte er klar, dass ein solcher Schritt nicht automatisch folge, sondern vollständig von der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung abhänge.

Rehn unterstrich dabei einen wichtigen konzeptionellen Unterschied: Die Geldpolitik dürfe nicht auf einzelne Rohstoffpreisschocks – wie etwa den Ölpreis – reagieren, sondern müsse die mittelfristige Gesamtentwicklung der Eurozone im Blick behalten. Der Inflationsimpuls durch den Krieg sei nicht eindimensional und könne sich je nach Verlauf der geopolitischen Lage in verschiedene Richtungen entwickeln. Die Auswirkungen des Konflikts variierten zudem erheblich zwischen den einzelnen Mitgliedstaaten.

Als Beispiel nannte Rehn Finnland: Die dortige Wirtschaft sei durch den raschen Fortschritt bei der Energiewende vergleichsweise gut gegen externe Energieschocks abgepuffert. Dies verdeutliche, wie unterschiedlich die Verwundbarkeit der europäischen Volkswirtschaften gegenüber geopolitischen Energiekrisen sei.

Grüne Energiewende als strategische Antwort

Über die unmittelbare Geldpolitik hinaus nutzte Rehn die aktuelle Krise, um die strategische Bedeutung der europäischen Energiewende zu unterstreichen. „Die grüne Transformation jetzt zu verlangsamen, wäre ein schwerwiegender Fehler", erklärte er unmissverständlich. Der Nahost-Konflikt habe die Schwachstellen der traditionellen Energieinfrastruktur schonungslos offengelegt und die Notwendigkeit energiepolitischer Unabhängigkeit für Europas Widerstandsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit unterstrichen.

Rehn wies darauf hin, dass die durch den Krieg verursachten Schäden an der Energieproduktionsinfrastruktur voraussichtlich langfristige Auswirkungen haben werden – weit über die akute Phase des militärischen Konflikts hinaus. Eine Beschleunigung des Übergangs zu erneuerbaren Energien könne Europa besser gegen künftige geopolitische Schocks wappnen, die Energieversorgungsketten bedrohen.

Die Kernbotschaft Rehns an die Märkte lautet damit: Disziplinierte Geduld statt voreiliger Reaktion. Die EZB wartet auf ein klareres Bild darüber, wie sich die Nahost-Krise auf die mittelfristige Wirtschaftsentwicklung der Eurozone auswirken wird. Ziel ist es, eine verfrühte geldpolitische Straffung zu vermeiden und gleichzeitig wachsam gegenüber den Risiken einer dauerhaften, durch Energieversorgungsunterbrechungen getriebenen Inflation zu bleiben.

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