EZB prüft Indikatoren für mögliche Zinserhöhung im Dezember
EZB-Präsidentin Lagarde sagt, viele Indikatoren bis Dezember würden zeigen, ob eine Zinserhöhung notwendig ist.

Die Europäische Zentralbank (EZB) prüft eine Reihe von Indikatoren, um zu entscheiden, ob im kommenden Monat eine Zinserhöhung gerechtfertigt sein könnte. Das sagte die scheidende EZB-Präsidentin Christine Lagarde am Donnerstag auf einer Konferenz zur finanziellen Bildung in Mailand. Zuvor hatte die Notenbank die Zinsen im November unverändert gelassen.
Die EZB hatte letzte Woche ihren wichtigsten Einlagezins bei 2,5 Prozent belassen. Eine lange Liste von Entscheidungsträgern, darunter die einflussreichen Leiter der deutschen und italienischen Zentralbanken, haben bereits signalisiert, dass ein weiterer Schritt im Dezember wahrscheinlich sein könnte. Damit rückt die Frage in den Mittelpunkt, ob die Währungshüter ihren Straffungskurs nach der Pause im November wieder aufnehmen.
"Wir werden zwischen jetzt und Dezember viele Indikatoren haben, die uns wirklich dabei helfen werden zu bestimmen, ob eine Erhöhung notwendig ist", sagte Lagarde in Mailand. Die Konferenz wurde vom Osservatorio für unabhängiges Denken Italiens organisiert. Die Äußerungen fielen damit nur wenige Tage nach der jüngsten Zinsentscheidung der Notenbank.
Lagarde bezeichnet die aktuelle Lage als sehr schwierig
Lagarde sagte den Studierenden, die aktuelle Lage sei "sehr schwierig", da Energiekosten das Wachstum dämpften und die Preise steigen ließen. Andererseits sagte sie, die Entwicklung der künstlichen Intelligenz treibe die Nachfrage nach Investitionen an und trage dazu bei, die Wirtschaft der Eurozone widerstandsfähiger zu machen. Damit skizzierte sie ein Umfeld, in dem sich dämpfende und stützende Kräfte gegenüberstehen.
"Es ist sehr schwierig, die angebotsseitigen und die nachfrageseitigen Schocks zu entwirren, und dies erfordert Fingerspitzengefühl, damit man das Instrument (der Zinsänderung) nicht wie einen Hammer einsetzt", sagte sie. "Gleichzeitig muss man jedoch die Instrumente einsetzen, denn man möchte nicht zulassen, dass sich die Inflationserwartungen davonstehlen, und man möchte nicht zulassen, dass die Inflation in die gesamte Wirtschaft durchdringt und sekundäre Effekte erzeugt."
Lagarde hat erklärt, dass sie Monate vor dem formalen Ende ihrer Amtszeit zurücktreten wird. Sie hatte die Zinspause im November mitgetragen, die in den vergangenen Wochen bereits Gegenstand mehrerer Berichte war.
Bereits am 08.10.2026 berichtete aktien.news von einer erwarteten Zinserhöhung im Dezember
Bereits am 08.10.2026 berichtete aktien.news, dass die EZB ihren Einlagenzins im laufenden Monat voraussichtlich bei 2,50 Prozent belassen, ihn jedoch im Dezember um 25 Basispunkte anheben werde. Grund dafür sei eine Inflation, die nahezu doppelt so hoch liege wie das 2-Prozent-Ziel der Notenbank. Das ging aus einer Reuters-Umfrage unter Ökonomen hervor. Die meisten befragten Volkswirte gingen bis vor Kurzem noch davon aus, dass die EZB ihre Zinserhöhungen bereits abgeschlossen habe; diese Einschätzung habe sich deutlich gedreht. Hintergrund seien stark gestiegene Renditen globaler Staatsanleihen, die höhere Inflationserwartungen und fiskalische Bedenken widerspiegelten.
Am 29.10.2026 berichtete aktien.news, dass die EZB ihren Leitzins bei 2,5 Prozent belassen habe. Die Entscheidung fiel nach der Direktoriumssitzung der Notenbank und bedeutete eine Zinspause trotz einer Inflation, die im Euroraum hartnäckig hoch blieb. Zuletzt lag die Inflationsrate im Währungsraum bei 3,8 Prozent; im August hatte sie noch 3,2 Prozent betragen. Damit habe sich die Teuerung wieder von der Zielmarke entfernt, statt sich ihr zu nähern. Die EZB strebe eine Inflationsrate von 2,0 Prozent an. Kurz zuvor hielt auch die US-Notenbank (Fed) ihre Leitzinsen unverändert; die Fed-Entscheidung fiel am Mittwoch, also am Vorabend der EZB-Sitzung, und sie fiel nicht einstimmig.
Am 30.10.2026 berichtete aktien.news, dass die EZB im Rahmen ihrer jüngsten Direktoriumssitzung in Frankfurt eine Zinspause eingelegt habe. Trotz einer hartnäckig hohen Inflationsrate, die im Euroraum zuletzt auf 3,8 Prozent gestiegen sei – nach 3,2 Prozent im August –, verharrten die Leitzinsen bei 2,5 Prozent. Diese Entscheidung markiere eine Zäsur nach der Anhebung im vergangenen September. Ökonomen und Marktbeobachter gingen jedoch davon aus, dass dies nur eine temporäre Unterbrechung des Straffungszyklus sei.
Schon am 12.06.2026 berichtete aktien.news, dass die EZB auf ihrer Sitzung am Donnerstag eine Anhebung des Leitzinses von 2,0 auf 2,25 Prozent beschlossen habe – genau so, wie Analysten und Finanzmärkte es erwartet hätten. Die Entscheidung fiel mit großer Einigkeit, was das Signal zusätzlich verstärkt habe. Der Hintergrund sei eindeutig gewesen: Die Inflationsrate im Euroraum lag damals bei 3,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr, deutlich über dem EZB-Zielwert von rund zwei Prozent. Auch die Inflationserwartungen seien in den vergangenen Wochen spürbar gestiegen. Ökonomen werteten den Schritt als Reputationsgewinn für die EZB.
Für Anleger bleibt die Richtung der Geldpolitik der zentrale Unsicherheitsfaktor
Für deutsche Privatanleger ist die Aussicht auf eine weitere Zinserhöhung im Dezember von Bedeutung, weil sie die Konditionen am Geld- und Kapitalmarkt beeinflusst. Lagarde betonte, dass die Notenbank die Inflationserwartungen im Auge behalten und verhindern wolle, dass sich die Teuerung in der gesamten Wirtschaft festsetzt und sekundäre Effekte erzeugt. Zugleich wies sie darauf hin, dass Energiekosten das Wachstum dämpfen und die Preise steigen lassen – ein Umfeld, das die Beurteilung der weiteren Zinspolitik erschwert.
Die Archivberichte zeigen, dass die Marktmeinung zuletzt gekippt ist: Gingen Ökonomen zwischenzeitlich davon aus, dass die EZB ihre Zinserhöhungen abgeschlossen habe, rechnen sie nun wieder mit einem weiteren Schritt. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten. Entscheidend sind die Daten, die bis zur nächsten Sitzung veröffentlicht werden.
Die EZB will zwischen jetzt und Dezember weitere Daten auswerten
Lagarde hat angekündigt, dass die Notenbank zwischen jetzt und Dezember viele Indikatoren prüfen wird, um zu bestimmen, ob eine Erhöhung notwendig ist. Eine lange Liste von Entscheidungsträgern, darunter die Leiter der deutschen und italienischen Zentralbanken, hat bereits signalisiert, dass ein weiterer Schritt im Dezember wahrscheinlich sein könnte. Die nächste Sitzung der EZB steht damit im Mittelpunkt der Erwartungen.
Lagarde hat zudem erklärt, dass sie Monate vor dem formalen Ende ihrer Amtszeit zurücktreten wird. Für die Notenbank bedeutet das eine zusätzliche Unsicherheit in einer Phase, in der sie über die weitere Richtung der Zinsen entscheiden muss.
Diese Fachbegriffe helfen beim Verständnis der EZB-Entscheidung
- Einlagezins: Der Zinssatz, den Geschäftsbanken erhalten, wenn sie überschüssige Gelder bei der Zentralbank parken.
- Basispunkt: Eine Maßeinheit für Zinsänderungen, die einem Hundertstel eines Prozentpunkts entspricht.
- Inflationserwartungen: Die Vorstellungen von Haushalten und Unternehmen darüber, wie sich die Preise künftig entwickeln werden.
