Bank of England erhöht Zinsen erstmals seit über drei Jahren
Die Bank of England hat am Donnerstag die Zinsen erstmals seit mehr als drei Jahren erhöht und reagiert damit auf wachsenden Inflationsdruck.

Die Bank of England (BoE) hat am Donnerstag ihren Leitzins erhöht – zum ersten Mal seit mehr als drei Jahren. Damit gab die britische Zentralbank dem Marktdruck nach und reagierte auf die wachsende Bedrohung durch die Inflation. Für Großbritannien und die Notenbank kam eine Welle des Optimismus über ein mögliches Ende des Krieges zwischen den USA und dem Iran nicht schnell genug, um die Entscheidung noch abzuwenden.
Die Anhebung ist eine Anerkennung durch Gouverneur Andrew Bailey und den Rest des Monetary Policy Committee (MPC), dass Maßnahmen erforderlich sind, um der Inflationsgefahr entgegenzuwirken. Nach Einschätzung der Notenbank könnte die Inflation im nächsten Jahr 5% erreichen. Diese Einschätzung gilt unabhängig von etwaigen Änderungen in der Politikrichtung von Präsident Donald Trump.
Mit der Entscheidung vollzieht die BoE eine Wende in ihrer Geldpolitik. Über Monate hinweg hatte sie den Leitzins unverändert gelassen und auf die Wirkung der bisherigen Straffung vertraut. Nun reagiert sie auf den anhaltenden Preisdruck, der sich in Großbritannien aufgebaut hat.
Die Notenbank erhöht den Leitzins erstmals seit mehr als drei Jahren
Die Zinserhöhung fällt in eine Phase, in der die britische Wirtschaft mit erheblichem Inflationsdruck zu kämpfen hat. Die BoE rechnet damit, dass die Teuerungsrate im kommenden Jahr bis auf 5% steigen könnte. Ein solches Niveau liegt deutlich über dem Zielwert der Notenbank, der bei 2% liegt.
Der Beschluss wurde vom Monetary Policy Committee getragen, dem Gremium, das über die britischen Zinsen entscheidet. An seiner Spitze steht Gouverneur Andrew Bailey. Die Entscheidung fiel am Donnerstag und damit unter dem Eindruck des Marktes, der auf eine Straffung der Geldpolitik gedrängt hatte.
Bemerkenswert ist der Zeitpunkt: Eigentlich hatte sich die Stimmung aufgehellt, weil sich ein mögliches Ende des Krieges zwischen den USA und dem Iran abzeichnete. Diese Hoffnung kam jedoch zu spät, um die Zinserhöhung noch zu verhindern. Die Notenbank ließ sich davon nicht von ihrem Kurs abbringen.
Bereits im Frühjahr hielt die Notenbank den Leitzins bei 3,75%
Bereits am 30.04.2026 berichtete aktien.news, dass die Bank of England ihren Leitzins unverändert bei 3,75% belassen hatte. Gouverneur Andrew Bailey betonte damals auf der Pressekonferenz, es handele sich um eine bewusste, aktive Entscheidung und nicht um passives Abwarten. Zugleich legte die Notenbank Szenarien für die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Krieges vor, die unter bestimmten Umständen eine deutliche Zinserhöhung notwendig machen könnten. Bailey stellte klar, dass die damalige Entscheidung keine versteckte Botschaft über künftige Zinsschritte enthalte: „Die heutige Entscheidung ist ein aktives Festhalten am aktuellen Niveau." Erhöhungen für die Zukunft schloss er ausdrücklich nicht aus.
Am 18.06.2026 berichtete aktien.news, dass die BoE den Leitzins auf ihrer Mai-Sitzung erneut bei 3,75% beließ. Die Entscheidung entsprach den Erwartungen der von Reuters befragten Ökonomen und wurde von sieben der neun Mitglieder des MPC getragen. Zwei Mitglieder votierten für eine Zinserhöhung: BoE-Chefökonom Huw Pill und das externe Ausschussmitglied Megan Greene stimmten für eine Anhebung um 25 Basispunkte auf 4,00%. Die Mehrheit des Ausschusses sah damals jedoch keinen unmittelbaren Handlungsbedarf.
Im Sommer mehrten sich die Signale für eine Straffung der Geldpolitik
Am 03.07.2026 berichtete aktien.news über Catherine Mann, Mitglied des Monetary Policy Committee. Sie hatte eine klare Botschaft gesendet: Sollten steigende Inflationserwartungen infolge des Konflikts zwischen den USA und dem Iran eine Rückkehr der Inflation zum Zielwert von 2% unwahrscheinlicher machen, wäre sie bereit, für eine Zinserhöhung zu stimmen. Dies erklärte Mann in einem Redetext, den die BoE vor einer Veranstaltung der französischen Bank Natixis veröffentlichte. Hintergrund war eine angespannte Inflationslage: Eine Umfrage der BoE zu den Inflationserwartungen der Öffentlichkeit erreichte im Mai ein Rekordhoch.
Am 26.09.2026 berichtete aktien.news über Clare Lombardelli, stellvertretende Gouverneurin der BoE für die Geldpolitik. Sie warnte, dass eine Zinserhöhung „zunehmend wahrscheinlich" werde, falls die höheren Energiepreise anhalten. Lombardelli sagte, es gebe bislang zwar wenig Anzeichen dafür, dass der durch den Iran-Krieg ausgelöste Schock persistenten inflationsfördernden Druck erzeuge. Dennoch seien die Bedingungen für indirekte und sekundäre Effekte dabei, sich zu verfestigen. Sie sprach auf einer Konferenz in Warschau und verwies darauf, dass Unternehmen bis dahin eine „überraschende Fähigkeit" gezeigt hätten, höhere Energiepreise zu absorbieren.
Die Zinserhöhung in London strahlt auf die globalen Finanzmärkte aus
Für deutsche Anleger ist die Entscheidung vor allem als Signal zu lesen. Die Bank of England gehört neben der US-Notenbank und der Europäischen Zentralbank zu den wichtigsten geldpolitischen Akteuren. Eine Zinserhöhung in London kann die Erwartungen an die globale Zinspolitik beeinflussen und damit auch die Stimmung an den Finanzmärkten prägen.
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie hartnäckig die Inflation bleibt. Die BoE selbst rechnet damit, dass die Teuerungsrate im nächsten Jahr bis auf 5% steigen könnte. Sollte sich diese Einschätzung bestätigen, könnte der Druck auf andere Notenbanken wachsen, ebenfalls restriktiver zu agieren. Für Anleger bedeutet das, dass die Zinsentwicklung weiterhin ein zentraler Faktor für die Bewertung von Anleihen und Aktien bleibt.
Zugleich zeigt die Entscheidung, wie stark der Markt die Notenbanken treibt. Die BoE gab ausdrücklich dem Marktdruck nach. Das unterstreicht, dass geldpolitische Entscheidungen nicht nur von Konjunkturdaten, sondern auch von den Erwartungen der Finanzmärkte abhängen.
Die Notenbank blickt auf eine anhaltende Inflationsgefahr
Die BoE hat mit der Erhöhung klargestellt, dass sie die Inflationsgefahr ernst nimmt. Entscheidend für die kommenden Monate ist, ob sich die Teuerung wie erwartet entwickelt. Die Notenbank selbst hält ein Ansteigen der Inflation auf 5% im nächsten Jahr für möglich.
Ein weiterer Faktor bleibt die Politik in den USA. Die BoE betont, dass ihre Einschätzung unabhängig von etwaigen Änderungen in der Politikrichtung von Präsident Donald Trump gilt. Damit macht sie deutlich, dass sie sich bei ihrer Entscheidung nicht von politischen Entwicklungen in Washington leiten lässt.
Ob die Zinserhöhung ausreicht, um die Inflation zu bremsen, wird sich erst zeigen. Klar ist, dass die Notenbank handlungsbereit bleibt, sollte der Preisdruck anhalten.
Drei Fachbegriffe ordnen die britische Geldpolitik ein
- Leitzins: Der zentrale Zinssatz, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Zentralbank Geld beschaffen können und der die Zinsen in der gesamten Wirtschaft beeinflusst.
- Monetary Policy Committee: Das Gremium der Bank of England, das über die Ausrichtung der britischen Geldpolitik und damit über den Leitzins entscheidet.
- Basispunkt: Eine kleine Maßeinheit, mit der Zentralbanken Zinsänderungen angeben.
