China reagiert mit Maßnahmen auf Wirtschaftsschwäche
Zentralbank senkt Mindestreservesatz und plant Arbeitsmarktreformen

China hat kürzlich Maßnahmen zur Stabilisierung der Wirtschaft ergriffen, um die angespannte Investitionslage zu verbessern. Die Zentralbank hat angekündigt, den Mindestreservesatz der Finanzinstitute um 0,5 Prozentpunkte zu senken. Diese Maßnahme soll den Banken ermöglichen, mehr Geld zur Vergabe von Krediten bereitzustellen und die Finanzierung von Projekten wie der Infrastruktur zu unterstützen. Die wirtschaftliche Lage in China ist jedoch angespannt, und die jüngsten Zahlen zeigen einen Rückgang der Industriegewinne um 17,8 Prozent im August im Vergleich zum Vorjahr. Dies ist der stärkste Rückgang in diesem Jahr.
Der Sprecher des Nationalen Statistikamtes nennt verschiedene Gründe für den Einbruch der Gewinne. Einerseits beeinflusst die schwache Marktnachfrage die Rentabilität, während andererseits hohe Temperaturen und Überschwemmungen im Süden des Landes die Industrie belasten. Zudem kämpft China weiterhin mit den Auswirkungen der Immobilienkrise und der hohen Verschuldung der Provinzregierungen. Auch die Konsumlaune der Bevölkerung ist deutlich zurückgegangen.
Die negativen Entwicklungen haben auch Auswirkungen auf die wirtschaftlichen Prognosen Chinas. Obwohl offiziell ein Wachstum von rund fünf Prozent für das Jahr angestrebt wird, haben verschiedene Institute ihre Vorhersagen aufgrund der schwachen Wirtschaftsdaten nach unten korrigiert. Die Maßnahmen der Regierung, wie die Senkung des Mindestreservesatzes, sollen diesem Trend entgegenwirken. Doch Frederic Neumann, Chef-Ökonom für Asien der HSBC-Bank, äußert Zweifel, ob diese Senkung ausreicht, um das Kreditwachstum zu beschleunigen. Zwar könne die zusätzliche Liquidität den Banken helfen, mehr Kredite zu vergeben, doch die Nachfrage nach Krediten bleibe in China insgesamt schwach.
Auffällig ist die ungewöhnlich aktive Reaktion der chinesischen Regierung auf die wirtschaftlichen Herausforderungen. In der Vergangenheit wurden solche Probleme nicht öffentlich thematisiert, was darauf hindeutet, dass die Lage in Peking als ernster eingeschätzt wird als bisher kommuniziert. Auch die Medienberichterstattung über die Sitzung des Politbüros, dem Führungszirkel der Kommunistischen Partei, ist diesmal ungewöhnlich prominent. Während der Sitzung, die von Staats- und Parteichef Xi Jinping geleitet wurde, wurden höhere Staatsausgaben und Hilfen für die Immobilienkrise angekündigt, jedoch ohne nähere Details zu nennen.
Parallel dazu wurde ein Papier zu Arbeitsmarktreformen veröffentlicht, das eine Verbesserung der Jobsuche, den Abbau von Diskriminierung aufgrund von Alter oder Geschlecht sowie den Ausbau der sozialen Absicherung vorsieht. Diese Maßnahmen zielen darauf ab, die Einkommenssituation zu verbessern und das Vertrauen in die Wirtschaft wiederherzustellen. Die „Global Times“, eine staatliche Zeitung, hebt die positiven Reaktionen der Märkte auf diese Ankündigungen hervor, und der chinesische Leitindex CSI 300 steht vor einem Wochengewinn, dem größten seit 2008.
