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EZB erwägt Zinserhöhung im Juni wegen Iran-Konflikt und Ölpreisschock

EZB-Chefvolkswirt Philip Lane begründet mögliche Zinserhöhung im Juni mit drohenden Zweitrundeneffekten durch gestiegene Energiepreise.

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EZB erwägt Zinserhöhung im Juni wegen Iran-Konflikt und Ölpreisschock

Die Europäische Zentralbank (EZB) könnte im Juni die Zinsen anheben, um die Folgen des Iran-Konflikts auf die Inflation einzudämmen. EZB-Chefvolkswirt Philip Lane erklärte am Mittwoch in London, dass steigende Treibstoffkosten infolge des Krieges nicht auf Löhne und das allgemeine Preisniveau übergreifen dürften. Eine solche Ausbreitung – in der Fachsprache als Zweitrundeneffekt bekannt – gilt als besonders gefährlich für die Preisstabilität.

Lane sprach vor einem Publikum in London und lieferte damit eine der bislang deutlichsten Begründungen für eine mögliche Zinserhöhung im Juni. Einige Währungshüter innerhalb der EZB betrachten diesen Schritt bereits als ersten von mehreren möglichen Anhebungen. Dies geschieht trotz der negativen Auswirkungen, die höhere Zinsen auf das Wirtschaftswachstum der energieimportierenden Eurozone haben könnten.

Angebotsstörung erfordert aktives Eingreifen

Lane räumte ein, dass ein Energiepreisschock durch einen Krieg grundsätzlich anders zu bewerten ist als ein Nachfrageschock. „Die optimale Reaktion mag bei einer exogenen Angebotsstörung geringer ausfallen als bei einem Nachfrageschock, aber es gibt mehrere Gründe, warum ein aktives Eingreifen erforderlich sein könnte", sagte Lane. Mit dem Begriff „exogene Angebotsstörung" meinen Ökonomen externe Schocks, die das Angebot verknappen – etwa durch einen Krieg, der die Ölversorgung beeinträchtigt.

Der EZB-Chefvolkswirt verwies dabei auf den besonderen historischen Kontext: Der Iran-Konflikt trifft die Eurozone in einer Phase, die bereits von hoher Inflation geprägt ist. Zuvor hatten die COVID-19-Pandemie und Russlands Invasion in der Ukraine das Preisniveau stark angetrieben. Diese Vorgeschichte mache Unternehmen und Verbraucher laut Lane deutlich sensibler gegenüber neuen Preisänderungen.

Erhöhte Inflationssensibilität als zentrales Argument

Genau diese erhöhte Sensibilität ist ein Kernargument für ein entschlossenes Handeln der EZB. Wenn Unternehmen und Arbeitnehmer bereits durch vergangene Inflationsphasen geprägt sind, steigt die Gefahr, dass neue Preissteigerungen schneller in Lohnforderungen und Preiserhöhungen münden. Die EZB will mit einer klaren Zinspolitik verhindern, dass sich Inflationserwartungen dauerhaft verfestigen.

Für deutsche Privatanleger und Sparer ist die Entwicklung von besonderer Bedeutung. Höhere Leitzinsen der EZB wirken sich direkt auf Hypothekenzinsen, Unternehmenskredite und Anleiherenditen aus. Gleichzeitig könnten steigende Energiepreise die Kaufkraft der Verbraucher in der gesamten Eurozone weiter belasten. Die EZB steht damit vor dem klassischen Dilemma: Inflation bekämpfen und dabei das Wachstum bremsen – oder abwarten und riskieren, dass sich die Teuerung festsetzt.

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