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Extreme Hitze gefährdet Schwangere und Neugeborene weltweit stark

Eine Umfrage unter 1.000 Fachkräften zeigt: Steigende Temperaturen erhöhen Risiken für Mütter und Babys drastisch.

• 3 Min
Extreme Hitze gefährdet Schwangere und Neugeborene weltweit stark

Extreme Hitze stellt eine wachsende Gefahr für schwangere Frauen und ihre Kinder dar. Das belegt eine neue Umfrage der Forschungsorganisation Wellcome unter 1.000 medizinischen Fachkräften aus Ländern wie Großbritannien, Simbabwe, Australien, Brasilien und Indien. Die Ergebnisse sind alarmierend: 73 Prozent der befragten Hebammen, Geburtshelfer und weiterer Spezialisten beobachteten in den vergangenen fünf Jahren eine Zunahme hitzebedingter Komplikationen bei Schwangeren.

Mehr als drei Viertel der Befragten berichteten im gleichen Zeitraum von einer Zunahme der Gesundheitsschäden bei Föten oder Neugeborenen durch hohe Temperaturen. Die Umfrageergebnisse ergänzen eine wachsende Zahl wissenschaftlicher Belege, die Hitze mit negativen Schwangerschaftsfolgen in Verbindung bringen – darunter angeborene Fehlbildungen, Totgeburten, Frühgeburten und mütterlicher Bluthochdruck.

Konkrete Risiken: Zahlen belegen den Zusammenhang

Separate Untersuchungen liefern präzise Zahlen: Pro 1 Grad Celsius Anstieg der Hitzeexposition erhöht sich die Wahrscheinlichkeit einer Frühgeburt um etwa 4 Prozent. Die Exposition gegenüber Hitzewellen ist zudem mit einem um 25 Prozent höheren Risiko für geburtshilfliche Komplikationen verbunden. Wichtig dabei: Extreme Hitze ist ein relatives Konzept – auch Mütter und Babys in gemäßigteren Klimazonen sind laut Forschungsergebnissen betroffen.

Fast alle an der Umfrage teilnehmenden Fachkräfte hatten persönlich eine schwangere Frau oder ein Baby betreut, deren Gesundheit ihrer Einschätzung nach durch extreme Hitze beeinträchtigt wurde. Etwa jeder Vierte hatte Schwangerschaftskomplikationen beobachtet, die eine zusätzliche Überwachung oder Behandlung erforderten und mutmaßlich mit sehr hohen Temperaturen zusammenhingen. Mehr als ein Drittel berichtete von niedrigem Geburtsgewicht, Wachstumsverzögerungen, Dehydrierung sowie Schwierigkeiten bei Ernährung, Atmung und Temperaturregulierung bei Neugeborenen.

Hitze erschwert darüber hinaus den Zugang zur medizinischen Versorgung. Mehr als ein Viertel der Befragten gab an, dass es für schwangere Frauen und Familien schwieriger werde, Hilfe aufzusuchen. 29 Prozent berichteten von einer Zunahme der Frauen, die als Notfälle eingeliefert wurden.

Wellcome fordert politisches Handeln vor COP31

Im Vorfeld des COP31-Klimagipfels im nächsten Monat erhöht Wellcome den Druck auf die Politik. Die Organisation – einer der weltweit größten Geldgeber für wissenschaftliche Forschung – investiert rund 20 Millionen Britische Pfund in die Erforschung der Ursachen dieser Hitzeeffekte und möglicher Gegenmaßnahmen. Wellcome fordert, dass die Bedürfnisse schwangerer Frauen und ihrer Babys in nationalen Klima- und Gesundheitsplänen verankert werden, inklusive der Finanzierung spezifischer Schutzmaßnahmen.

Konkret verlangt die Organisation die ersten klinischen Leitlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu Hitze, Schwangerschaft und der Zeit nach der Geburt. Zudem soll die Hitzeexposition in Gesundheitsüberwachungssysteme und Frühwarnsysteme integriert werden, um die Auswirkungen auf Mütter und Neugeborene systematisch zu erfassen.

Julia Gillard, Vorsitzende von Wellcome und ehemalige Premierministerin Australiens, formulierte die Forderung eindringlich: „Schwangere Frauen dürfen nicht unsichtbar bleiben, während die Temperaturen weltweit aufgrund unseres sich verändernden Klimas steigen. Die Staats- und Regierungschefs verfügen über die notwendigen Beweise – jetzt müssen sie handeln."

Fachkräfte fordern mehr Schulung und klare Leitlinien

Der Bedarf an Unterstützung innerhalb der medizinischen Gemeinschaft ist groß. Mehr als 90 Prozent der befragten Fachkräfte wünschten sich mehr Schulungen und Ressourcen zum Schutz schwangerer Frauen bei extremer Hitze. 55 Prozent gaben an, dass klarere nationale oder internationale Leitlinien ihnen helfen würden, eine bessere Versorgung zu gewährleisten. Die Ergebnisse unterstreichen, dass der Klimawandel längst kein abstraktes Zukunftsproblem mehr ist, sondern bereits heute konkrete Folgen für die Gesundheitsversorgung hat.

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