Ex-BND-Chef Hanning: Sicherheitsfirma System 360 unter schwerem Beschuss
Mehrere ehemalige Kunden werfen der Sicherheitsfirma System 360 überhöhte Rechnungen und Nichtlieferung von Leistungen vor.

August Hanning, ehemaliger Präsident des Bundesnachrichtendienstes und späterer Staatssekretär im Bundesinnenministerium, steht gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Thorsten Mehles im Mittelpunkt schwerer Vorwürfe. Die beiden betreiben die Sicherheitsfirma System 360, die um das Jahr 2012 in der Schweiz gegründet wurde und Tochtergesellschaften in Berlin und Hamburg unterhält. Mehles fungiert laut Handelsregister als Vorsitzender der Geschäftsleitung der Schweizer Muttergesellschaft. Nun berichten mehrere ehemalige Kunden von überhöhten Rechnungen und ausgebliebenen Leistungen.
Hanning, heute 80 Jahre alt, brachte nach seiner Karriere beim BND erhebliches Renommee in das Unternehmen ein. Mehles, Jahrgang 1961, gilt als erfahrener Sicherheitsexperte: Er war einst der jüngste Kriminaldirektor Hamburgs, leitete die Interne Ermittlungsabteilung sowie die Abteilung für Organisierte Kriminalität beim Landeskriminalamt Hamburg. Im Jahr 2002 verließ er die Polizei, wechselte kurz zum BND und gründete anschließend die Vorgängerfirma Prevent AG.
Belastete Vorgeschichte: Die Prevent AG und die HSH Nordbank
Die Prevent AG scheiterte im Jahr 2010 im Zuge des HSH-Nordbank-Skandals. Die HSH Nordbank hatte der Firma in einem einzigen Jahr rund 7 Millionen Euro gezahlt — ein Vorgang, der Ermittlungen nach sich zog. Das Verfahren gegen Mehles wurde jedoch eingestellt. Zu den früheren Kunden von Prevent zählten namhafte Unternehmen wie Rheinmetall, Jette Joop und die HSH Nordbank selbst. Auch Microsoft gehörte dazu: Im Rahmen eines ersten Großauftrags gelang es Prevent, den Urheber eines weltweiten Computerwurms zu identifizieren. Unter den Aktionären der Prevent AG befanden sich ein Mitinhaber von Boehringer Ingelheim sowie der frühere türkische Ministerpräsident Mesut Yilmaz.
System 360 konnte ebenfalls auf prominente Mandate verweisen. Für das Unternehmen PrimeSolid deckte die Firma eine Einkaufskorruption im VW-Konzern auf. Im Fall des ehemaligen Innogy-Finanzvorstands Bernhard Günther, der Opfer eines Säureanschlags wurde, half System 360 über Social-Media-Analysen dabei, den Täter zu identifizieren.
Prominente Kunden erheben schwere Vorwürfe
Doch nun häufen sich die Klagen. Die Unternehmerfamilie Block — bekannt als Erben der Steakhauskette Block House — zahlte nach eigenen Angaben mehr als 100.000 Euro an System 360. Der Hintergrund: In der Silvesternacht zum Jahreswechsel 2023/2024 wurden die Kinder von Christina Block, Klara (damals 13 Jahre) und Theodor (damals 10 Jahre), entführt und nach Deutschland gebracht. Block bestreitet, die Entführung selbst beauftragt zu haben. Am 16. Januar 2024 traf sich Hanning mit Christina Block im Hotel Grand Elysee in Hamburg. Die Familie erhielt laut eigener Aussage trotz der hohen Zahlung kaum verwertbare Ergebnisse.
Auch Dressur-Olympiasiegerin Isabell Werth beauftragte System 360 — für einen sechsstelligen Betrag — im Zusammenhang mit einer Dopingaffäre. Mehles soll dabei von Werth sowie von Wolfgang Urban, einem ehemaligen Karstadt-Manager, Bargeld gefordert haben: von Werth einen niedrigen fünfstelligen Betrag, von Urban einen mittleren fünfstelligen Betrag. Werth hat 14 Olympia-Medaillen im Dressurreiten gewonnen und gehört zu den bekanntesten Sportlerinnen Deutschlands.
Darüber hinaus beauftragte der russische Oligarch Piotr Kondraschew System 360 für 220.000 Euro. Der Auftrag war auf einen Zeitraum von acht bis zwölf Wochen ausgelegt und stand im Zusammenhang mit dem Streit zwischen Kondraschew und Grigory Guselnikov um die lettische PNB Banka. Hannings Anwalt erklärte dazu: „Seine Rolle beschränkte sich darauf, Vorschläge für einen möglichen Vergleich in einem Arbitrageverfahren auszuarbeiten. Sein Vorschlag wurde nicht akzeptiert, und er beendete seinen Einsatz."
Anwälte weisen Vorwürfe zurück
Auch ein Gründer aus der Sportwetten-Branche, der einen Firmenanteilsverkauf im Wert von mehreren Hundert Millionen Euro plante, soll System 360 für einen fünfstelligen Betrag beauftragt haben — und wirft dem Unternehmen ebenfalls Versäumnisse vor. Der Anwalt von Mehles erklärte zu diesen Vorwürfen: „Die Vorwürfe sind unzutreffend und erschöpfen sich im Übrigen in der Verunglimpfung und Geschäftsschädigung dienenden Wertungen."
Generell wies der gemeinsame Anwalt von Hanning und Mehles die Anschuldigungen pauschal zurück: „Das ist ein Sammelsurium bösartig wertender und/oder unsubstantiierter Anwürfe, zu dem sich meine Mandanten kaum äußern können."
Für Privatanleger und Geschäftsleute, die Sicherheitsdienstleister beauftragen, zeigt der Fall einmal mehr, wie wichtig eine sorgfältige Due Diligence ist — selbst wenn prominente Namen und beeindruckende Lebensläufe auf den ersten Blick Vertrauen erwecken. Klare Vertragsvereinbarungen über Leistungsumfang, Meilensteine und Zahlungsmodalitäten sind in solchen Mandaten unerlässlich.
