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Eurozone: Kreditnachfrage sinkt bei steigenden Zinsen, Kreditwachstum bleibt stabil

EZB-Daten zeigen robustes Kreditwachstum, doch die Bank Lending Survey deutet auf eine deutliche Abkühlung der Nachfrage hin.

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Eurozone: Kreditnachfrage sinkt bei steigenden Zinsen, Kreditwachstum bleibt stabil

Die Europäische Zentralbank (EZB) zeichnet ein differenziertes Bild der Kreditlandschaft in der Eurozone. Während aktuelle Daten ein robustes Kreditwachstum belegen, deutet eine vierteljährliche Umfrage auf eine deutliche Abkühlung der Nachfrage und eine Verschärfung der Kreditvergabestandards hin. Diese Diskrepanz zwischen den Umfrageergebnissen und den tatsächlichen Kreditvolumina unterstreicht die aktuelle Ambivalenz im Finanzsektor der Eurozone.

Laut der aktuellen Bank Lending Survey der EZB ist die Nachfrage nach Hypotheken im dritten Quartal deutlich stärker eingebrochen als von den Banken ursprünglich erwartet. Ein Netto-Anteil von 27 % der Institute meldete einen Rückgang bei Wohnungsbaukrediten. Damit wurden die Prognosen von -12 % und die Werte des Vorquartals von -15 % deutlich unterboten. Als Hauptursachen identifizierte die EZB die steigenden Zinsen, gefolgt von einem schwindenden Verbrauchervertrauen und einer Eintrübung der Aussichten am Immobilienmarkt.

Frankreich besonders betroffen

Insbesondere in Frankreich, das derzeit aufgrund seiner Staatsfinanzen unter Beobachtung steht, fielen die Verschärfungen der Kreditstandards besonders deutlich aus. Die EZB führt diese Entwicklung auf ihre restriktive Geldpolitik zurück, die seit Juni zur Bekämpfung der kriegsbedingten Inflation eingeleitet wurde. Banken gaben an, dass eine erhöhte Risikowahrnehmung und eine geringere Risikotoleranz, befeuert durch geopolitische Unsicherheiten und die Energiekrise, die Kreditvergabe erschweren.

Für das vierte Quartal erwarten die Institute eine weitere Verschärfung der Standards für alle Kreditarten. Zum Thema Künstliche Intelligenz gaben die meisten Banken an, noch keine quantitativen Kriterien für die Bewertung von KI-bezogenen Krediten eingeführt zu haben. Damit bleibt offen, wie die Institute das wachsende Kreditgeschäft rund um Zukunftstechnologien künftig steuern werden.

Harte Daten zeichnen ein anderes Bild

Trotz dieser Anzeichen für eine restriktivere Kreditvergabe zeigen die harten Daten der EZB für September ein anderes Bild. Die Kreditvergabe an Unternehmen im Euroraum wuchs weiterhin stabil um 4,2 %, ein Wert, der dem des Vormonats entsprach. Auch die Kreditvergabe an private Haushalte blieb mit 3,1 % unverändert und erreichte damit den höchsten Stand seit über drei Jahren.

Zudem blieb das Geldmengenwachstum (M3) mit 3,5 % stabil und übertraf damit die Erwartungen von Analysten, die im Vorfeld von 3,4 % ausgegangen waren. Die Geldmenge M3 gilt als wichtiger Indikator für die künftige Inflationsentwicklung und die Liquidität im Währungssystem.

Für deutsche Privatanleger und Unternehmen bedeutet die Gemengelage eine zwiespältige Lage. Einerseits bleiben Kredite an Haushalte und Firmen auf hohem Niveau verfügbar, was auf eine weiterhin intakte Kreditversorgung hindeutet. Andererseits signalisieren die verschärften Vergabestandards und die gesunkene Nachfrage, dass sich die Bedingungen für neue Finanzierungen spürbar verschlechtern könnten. Wer in den kommenden Monaten eine Immobilienfinanzierung oder einen Unternehmenskredit plant, muss mit strengeren Prüfungen und höheren Hürden rechnen.

Die EZB steht damit vor einem Balanceakt: Sie will die Inflation mit einer restriktiven Geldpolitik eindämmen, ohne die Kreditversorgung der Realwirtschaft abzuwürgen. Ob sich die Umfrageergebnisse in den harten Daten der kommenden Monate niederschlagen werden, bleibt abzuwarten. Die aktuelle Divergenz zwischen gemeldeter Nachfrageschwäche und stabilen Kreditvolumina dürfte die Notenbanker in Frankfurt weiterhin beschäftigen.

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