EU-Binnenmarkt: Von der Leyen kündigt Aktionsplan für März an
Kommissionspräsidentin will Kapitalmarktunion vorantreiben und 10 Billionen Euro Spargelder mobilisieren

Die Europäische Union will ihren Binnenmarkt grundlegend reformieren. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte am Donnerstag an, dass die EU-Kommission im März einen umfassenden Aktionsplan zur Vertiefung des Binnenmarkts mit seinen 450 Millionen Verbrauchern vorlegen wird. Die Ankündigung erfolgte nach einem Treffen mit den EU-Staats- und Regierungschefs zur wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit Europas.
Ein zentrales Element der Reformpläne ist die Kapitalmarktunion, die seit Jahren diskutiert wird, aber bislang kaum Fortschritte gemacht hat. Von der Leyen betonte, dass rund 10 Billionen Euro an Ersparnissen derzeit auf europäischen Bankkonten liegen und produktiver investiert werden könnten. Diese gewaltigen Summen sollen künftig verstärkt in Unternehmen und Innovationen fließen.
Die Kommissionspräsidentin setzte dabei eine klare Deadline: "Wir haben vereinbart, dass wir die erste Phase der Spar- und Investitionsunion, die Marktintegration, Aufsicht und Verbriefung umfasst, bis Juni abschließen wollen." Sollten sich nicht alle 27 EU-Mitgliedstaaten auf gemeinsame Schritte einigen können, deutete von der Leyen eine flexible Lösung an.
Notfalls kleinere Gruppe von Vorreiterstaaten
Falls die Verhandlungen mit allen Mitgliedstaaten ins Stocken geraten, könnte eine Gruppe von mindestens neun Ländern im Rahmen einer "verstärkten Zusammenarbeit" vorangehen. Dieses Instrument ermöglicht es ambitionierten Staaten, schneller voranzuschreiten, ohne auf zögerliche Partner warten zu müssen. "Sollten bis dahin keine ausreichenden Fortschritte erzielt worden sein, werden wir eine verstärkte Zusammenarbeit in Erwägung ziehen", erklärte von der Leyen.
Die Kommission plant zudem, gegen das sogenannte "Gold Plating" vorzugehen. Dabei handelt es sich um die Praxis einzelner EU-Länder, bei der Umsetzung von EU-Richtlinien zusätzliche nationale Anforderungen hinzuzufügen. Diese Überregulierung führt häufig zu Wettbewerbsnachteilen und erschwert grenzüberschreitende Geschäfte.
Fusionsregeln und Strommarkt im Fokus
Bei den Fusionsrichtlinien setzt die EU-Kommission auf einen pragmatischeren Ansatz. Die Regeln sollen künftig die Entstehung europäischer "Champions" ermöglichen, die auf dem Weltmarkt mit US-amerikanischen und chinesischen Konzernen konkurrieren können. In strategischen Sektoren werden zudem europäische Kaufpräferenzen zugelassen.
Ein weiteres wichtiges Thema ist die Reform des Strommarkts. Von der Leyen kündigte an, dass die Kommission bis März verschiedene Optionen für Änderungen am Strommarktdesign vorlegen wird. Diese Maßnahme zielt darauf ab, die Energieversorgung in Europa wettbewerbsfähiger und nachhaltiger zu gestalten.
Die angekündigten Reformen zeigen den Willen der EU-Kommission, die europäische Wirtschaft angesichts globaler Herausforderungen zu stärken. Ob die ehrgeizigen Pläne jedoch tatsächlich umgesetzt werden können, hängt maßgeblich von der Kompromissbereitschaft der Mitgliedstaaten ab.
