EU bereitet sich auf US-Zölle vor
Europas Regierungschefs betonen Handlungsfähigkeit und warnen vor Handelskrieg-Folgen

Die Europäische Union bereitet sich auf mögliche Zollerhebungen der USA vor. Beim informellen Gipfeltreffen in Brüssel bekräftigten die Regierungschefs ihre Ablehnung eines Handelskriegs, betonten jedoch, dass Europa im Ernstfall mit eigenen Maßnahmen reagieren werde. Bundeskanzler Olaf Scholz erklärte, dass die EU als starker Wirtschaftsraum selbstbestimmt handeln könne. Falls die USA neue Zölle auf europäische Waren erheben sollten, werde Europa mit Zollpolitik antworten. Dennoch solle das langfristige Ziel eine Kooperation sein.
Die Anspannung resultiert aus der Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, ab Dienstag zusätzliche Zölle auf Waren aus China, Kanada und Mexiko zu erheben. Auch europäische Exporte sind aufgrund des Handelsüberschusses einiger EU-Länder, insbesondere Deutschlands, möglicherweise betroffen. Scholz betonte, dass beide Seiten vom freien Handel profitierten und Einschränkungen negative wirtschaftliche Folgen hätten.
Mehrere europäische Regierungschefs äußerten sich besorgt. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron forderte, Europa müsse sich Respekt verschaffen und könne sich nicht wirtschaftlich unter Druck setzen lassen. Polens Ministerpräsident Donald Tusk mahnte zur Vorsicht und bezeichnete Handelskriege als großen Fehler. Luxemburgs Premierminister Luc Frieden hingegen vertrat eine kämpferische Haltung und stellte klar, dass Europa auf eine Eskalation vorbereitet sei.
Finnlands Ministerpräsident Petteri Orpo sprach sich für Verhandlungen mit der US-Regierung aus und verwies auf die geopolitische Lage, in der Russland eine fortdauernde Bedrohung darstelle. Auch die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas plädierte für eine besonnene Reaktion und betonte, dass Handelskriege keine Gewinner hätten. Sie unterstrich die Bedeutung guter transatlantischer Beziehungen.
Die Ankündigungen aus den USA wirkten sich unmittelbar auf die Börsen aus. Besonders betroffen waren die Aktien deutscher Auto- und Lkw-Hersteller. Die Kurse von BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen verloren zwischen fünf und sieben Prozent. Auch Zulieferer wie Continental und Knorr-Bremse verbuchten deutliche Verluste. Die Unsicherheiten resultieren aus der engen Verflechtung europäischer Unternehmen mit Mexiko, wo mehrere deutsche Automobilhersteller Produktionsstandorte unterhalten. Durch die erhöhten Zölle auf mexikanische Waren könnte der Export in die USA empfindlich getroffen werden.
Die wirtschaftlichen Spannungen zwischen der EU und den USA halten an. Während europäische Staats- und Regierungschefs auf eine diplomatische Lösung hoffen, stehen sie zugleich bereit, mit eigenen Maßnahmen auf protektionistische Schritte der USA zu reagieren.
