Erleichterung an den Märkten nach Wahlergebnis in Frankreich
Französische Aktien steigen, Risikoaufschläge sinken – Gründe für die positive Reaktion

Frankreich rückt nach rechts, doch die Finanzmärkte reagieren erleichtert. Die Risikoaufschläge französischer Staatsanleihen sinken, der französische Aktienmarkt verzeichnet mit einem Plus von 1,7 Prozent den bislang größten Tagesgewinn seit fünf Monaten. Deutschlands Leitindex DAX gelang mit einem Anstieg von zeitweise über einem Prozent auf 18.460 Punkte ebenfalls ein positiver Wochenstart. Später bröckelten die Gewinne zwar wieder etwas ab, doch der Index lag weiter im Plus. Auch der Euro legte zu. Er steigt bis zum frühen Nachmittag auf bis zu 1,075 Dollar und notiert damit auf dem höchsten Stand seit zwei Wochen.
Aus der ersten Runde der französischen Parlamentswahlen ist der rechtsnationale Rassemblement national (RN) als Sieger hervorgegangen. Die Partei von Marine Le Pen erhielt 33 Prozent der abgegebenen Stimmen. Das linke Bündnis Neue Volksfront bekam mit 28 Prozent die zweitmeisten Stimmen, das Bündnis von Präsident Emmanuel Macron landete mit 20,8 Prozent nur auf dem dritten Platz. Wer Frankreich regiert, wird zwar erst nach der zweiten Wahlrunde am kommenden Sonntag feststehen, das Wahlergebnis gibt den Märkten am Montag aber erst einmal Auftrieb. Dafür gibt es laut Strategen drei Gründe.
Laut Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst bei CMC Markets, reagieren die Märkte vor allem deshalb erleichtert, weil der RN die absolute Mehrheit verfehlt hat. Der Erdrutschsieg, den einige befürchtet hätten, sei damit ausgeblieben. Auch Jim Reid, einer der führenden Anlagestrategen bei der Deutschen Bank, meint, dass es vor allem der weniger überzeugende Sieg des RN ist, der die Investoren zumindest kurzfristig aufatmen lässt. Thomas Altmann, Leiter des Portfoliomanagements bei QC Partners, erklärt die Erleichterung dagegen damit, dass es im ersten Wahlgang „weder einen Durchlauf für rechts noch für links gab“.
Rainer Guntermann, Zinsstratege bei der Commerzbank, meint, dass die Märkte positiv reagieren, weil Präsident Macron versucht, Bündnisse mit der gemäßigten Linken zu schließen. Zudem will Jean-Luc Mélenchon, Chef der linken Partei La France Insoumise, Macron unterstützen, wenn die Kandidaten des linken Bündnisses Neue Volksfront an dritter Stelle stehen. Seit Macron nach der Niederlage seines Mitte-Bündnisses bei der Europawahl am 9. Juni die Nationalversammlung aufgelöst und Neuwahlen angekündigt hatte, waren die Märkte unter Druck geraten.
Investoren fürchteten vor allem, dass bei einer Regierungsübernahme des RN die ohnehin schon hohe Verschuldung Frankreichs weiter steigt. Auch die Vorhaben der Neuen Volksfront setzten Anleger mit einer Erhöhung der Schulden gleich. Nach der Ankündigung der Neuwahl war es daher an Frankreichs Märkten zu einem regelrechten Ausverkauf gekommen. Der Renditeaufschlag zehnjähriger französischer Staatsanleihen im Vergleich zu deutschen Bundesanleihen stieg von 0,5 auf 0,8 Prozentpunkte. Das entsprach dem höchsten Risikoaufschlag seit den Präsidentschaftswahlen im Jahr 2017.
Am Montag nun sank die Risikoprämie laut Daten des Nachrichtendienstes Bloomberg bis zum frühen Nachmittag auf 0,74 Prozentpunkte. Die zehnjährige Anleihe aus Frankreich rentierte zwar kaum verändert 3,30 Prozent. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe erhöhte sich jedoch deutlich um 0,09 Prozentpunkte auf 2,56 Prozent, daher sank der Renditeabstand. Am Aktienmarkt hatten unter anderem die Aktien von Banken kräftig gelitten. Die französischen Geldinstitute halten viele französische Staatsanleihen. Deswegen schlagen sich die gestiegenen Risikoaufschläge in ihren Büchern nieder.
Die Aktien von BNP Paribas, Société Générale und Crédit Agricole verloren nach der Ankündigung der Neuwahl bis zu 15 Prozent. Am Montag gehören sie mit Gewinnen zwischen vier Prozent (BNP Paribas) und fünf Prozent (Société Générale) zu den größten Gewinnern am Aktienmarkt. Dennoch liegen die Aktien der Banken ebenso wie Frankreichs Leitindex CAC 40 seit Anfang des Jahres unter dem Strich immer noch im Minus.
